Text und Photos von Susanne Bösche

Photo:
Susanne Bösche
Stuten des Dowdstown House Stud
Der
Morgennebel zieht über die feuchten Wiesen. Im dunstigen Licht
zeichnen sich undeutlich die Silhouetten von Pferdeleibern ab. Ein Wiehern
zerreißt die Luft und mit einem Mal erscheint eine kleine Stutenherde
und zieht im entspannten Galopp an mir vorbei.
Pferdefreunde verbinden mit Irland eine von sattem Grün geprägte
Natur, sanfte Hügel und schnelle Englische Vollblüter. Arabische
Pferde sind in Irland wahre Exoten. Doch hier, umgeben von Rennställen
der Al Maktoums, haben sie im "Dowdstown House" von Janette
und Ferdinand Schwestermann-Lawless ein Zuhause gefunden: Edle Stuten
aus Ägypten, den USA und Deutschland.

Photo: Susanne Bösche
Dschahana
(Nami x Dschala)
"Wir sahen sie als Fohlen in Marbach - sie hat sofort unser Herz
erobert!"
DER
ANFANG
Am Anfang stand für Janette und Ferdinand Schwestermann die Suche
nach einem arabischen Reitpferd. "Dank Erika Schieles Buch Araber
in Europa' hatten wir eine gewisse Vorstellung von der Araberszene",
erinnert sich Ferdinand Schwestermann. "Wir besuchten u.a. das
Haupt- und Landgestüt Marbach. Neben einer ägyptischen Gharib-Tochter
entschieden wir uns für Dschahana (Nami x Dschala). Ein
kleines, mausgraues Stutfohlen, das sofort unser Herz erobert hatte."

Photo: Susanne Bösche
Dschahana
Eine wunderbare Repräsentantin des so geschätzten "alten"
Marbacher Typs
Das
war vor siebzehn Jahren. Heute präsentiert sich Dschahana als wunderschön
weibliche Fliegenschimmelstute im typischen "alten" Marbacher
Typ. Sie ist nicht nur geschätztes Reitpferd, sondern auch international
erfolgreiche Schausiegerin. Ihr letzter Auftritt liegt ein paar Jahre
zurück. "Im Jahr 2000 stand sie hinter Stuten wie Focus Gabriela
und Lina Gopak
im Welt-Championat in der Gruppe der Top Ten'", erinnert
sich Ferdinand Schwestermann mit berechtigtem Stolz. "Für
mich ein Beweis, dass die Marbacher Pferde heute durchaus noch konkurrenzfähig
sein können."
Über ihre Mutter Dschala ist Dschahana eng verwandt mit dem geschätzten
Marbacher Pamir-Sohn Dschechim. Ihr Pedigree vereint alle erfolgreichen
Marbacher Beschäler der letzten Jahrzehnte: Sie ist Enkelin von
Gharib, dreifache Urenkelin von Hadban Enzahi und Ur-Urenkelin des polnischen
Halef - und geht in der Mutterlinie auf die älteste Stutenlinie
Europas zurück, die der Murana I (1888).
Dschahans Nachfolge im Gestüt ist durch ihre mittlerweile siebenjährigeTochter
DHS Dakila (von Classic Lohim) gesichert - eine Stute, deren
lange, eleganten Linien und die schwebenden Tritte geradezu nach einem
Reiter verlangen.

Photo: Susanne Bösche
DHS Dakila
(Classic Lohim x Dschahana)
Sie wird einmal die Nachfolge ihrer Mutter antreten - als Reitpferd
und als Zuchtstute
DAS
ÄGYPTISCHE TRIO
Der Schwerpunkt des Gestüts liegt allerdings auf den rein ägyptisch
gezogenen Stuten. Zunächst machten sich Schwestermanns auf in die
Wiege des ägyptischen Arabers und kauften in El Zahraa die Stuten
Julia (Ibn Akhtal x Nibal) und Wardshah (Adeeb x Wasfia).
Natürlich sahen sie sich auch in anderen Gestüten des Landes
um und verliebten sich auf Anhieb in ein bezauberndes Stutfohlen aus
der Zucht von Khaled Bin Laden - es war die filigrane Teebah
(v. SEA Maddah).

Photo: Susanne Bösche
Teebah
(SEA Maddah x Kout El Koloob)
Sie ist die einzige Tochter der berühmten Kout El Koloob in ganz
Europa
"Das
Besondere an ihr ist nicht nur ihre Schönheit", verrät
Ferdinand Schwestermann lächelnd. "Sondern, dass sie eine
Tochter der Stute Kout El Koloob ist..." Mehr muss man eigentlich
nicht sagen, denn der Kenner weiß, wer diese Stute ist, die in
Ägypterkreisen fast Ikonen-Status genießt: Kout El Koloob,
Tochter des großen Ikhnatoon, gilt als eine der schönsten
Stuten, die je in Ägypten geboren wurden. Dass ihr Besitzer sich
von einer ihrer Töchter trennte, spricht für Ferdinand Schwestermanns
Überzeugungskraft. Eine Eigenschaft, die ihm auch als Vorsitzender
der "Pyramid Society Europe" hilfreich ist, wenn es mal wieder
gilt Sponsoren für das Egyptian Event zu gewinnen oder die verschiedenen
Ansichten der Mitglieder unter einen Hut zu bringen.

Photo: Susanne Bösche
Julia
(Ibn Akhtal x Nibal)
Sie geht auf Moniet El Nefous' Großmutter Medallela zurück
"Wir
haben mit Wardschah eine Obeyah Om Grees und mit Julia und Teebah zwei
Stuten aus der Saklawi Gidran Ibn Sudan-Familie der Om Dalal. Julia
geht über Bint El Bataa auf Medallela zurück, die Großmutter
der weltberühmten Moniet El Nefous. Teebah stammt dagegen über
Prinz Mohammed Alis Ghazalah (Kawkab II x Dalal) aus dem Inshass-Zweig
der Om Dalal", erklärt Ferdinand Schwestermann.

Photo: Susanne Bösche
Wardschah
(Adeeb x Wasfia)
Vor allem sie konnte sich als Zuchtstute durchsetzen
Vor
allem Wardshah hat sich züchterisch durchgesetzt. "Wir haben
bei Wardschah sehr gute Ergebnisse mit Obayan-Hengsten erzielt",
sagt Ferdinand Schwestermann und zeigt voller Stolz auf ihre älteste
Tochter DHS Shaakirah (von Alidaar), die mit raumgreifenden Gängen
über die tiefgrünen Weiden läuft - vielmehr elastisch
wie ein Gummiball hüpft. Halsung, Schulter, Oberlinie und Fundament
sind hervorragend. Dazu ein wunderschönes Gesicht, dunkel pigmentiert,
trocken und markant, das fast wie gemeißelt wirkt. Kein "Puppengesicht",
sondern das edel geschwungene Profil der echten Orientalin. Zuchterfolg
bedeutet Erhalt der guten Points und Verbesserung der weniger guten.
Nach dieser Definition ist DHS Shaakirah ohne Frage ein Bombenerfolg!
Ihre jüngeren Schwestern von Salaa El Dine, ebenfalls ein Obayan-Hengst,
stehen ihr kaum nach.

Photo: Susanne Bösche
DHS
Shaakirah
(Alidaar x Wardschah)
Trocken und markant - ein Gesicht wie gemeißelt!
DIE ÄGYPTERIN AUS MARBACH
Ergänzt wurde der Stutenbestand durch eine ägyptisch gezogene
Marbacherin, die 1995 geborene Nasira (Motassem x Naima v. Mohafez
x Nyaba), eine Dahman Shahwaniyah. Über Motassem führt sie
das Blut der Moheba-Halima-Linie Marbachs, ihre Mutter Naima geht auf
die berühmte Nadja zurück. Zweimal ist Nasira auf Gharib ingezogen,
ihr Großvater väterlicherseits ist Ansata Halim Shah. "Ein
interessantes Pedigree, eine gute Mischung aus Schönheit und Reitpferdepoints",
meint ihr Besitzer. Und genau wie es ihr Pedigree vermuten lässt,
sieht Nasira auch aus - eine edle, langlinige Stute mit schwungvoller
Galoppade und bester Satellage. Die Lust an der Bewegung scheint sie
dem "doppelten Gharib" in ihrer Abstammung zu verdanken.

Photo: Susanne Bösche
Nasira
(Motassem x Naima)
DIE
AMERIKANERINNEN
1997 hielten die in den USA geborenen Stuten Hawaa (Amaal x Haseenah)
und ihre Tochter Ma-Ajmala (v. The Minstril) Einzug. "Jeanette
und ich bewundern Morafic. Als wir mit Hawaa eine Morafic-Enkelin kauften
konnten, waren wir überglücklich. Sie wurde noch auf der Gleannloch
Farm geboren. Ihr Vater Amaal war ein Vollbruder zu dem berühmten
Shaikh Al Badi und ein Bild von einem arabischen Hengst. Die Mutter
Haseenah stammt von dem ganggewaltigen Zaghloul aus der Hebet Allah,
die wiederum eine Morafic-Tochter war." Haseenah geht über
Hebet Allah - Soheir II zurück auf die Stute Bint El Bahreyn, eine
Dahman Shahwan-Linie.

Photo: Susanne Bösche
Hawaa
(Amaal x Haseenah)
Sie wurde noch auf der Gleannloch-Farm geboren
Berühmtheit
erlangte Hawaa durch ihren Sohn Shah Al Hawaa (von Imperial Imdal),
der in Amerika von seiner blinden Besitzerin auf Schauen zu mehreren
Siegen geführt wurde. Der Wallach geht so vorsichtig mit seiner
Vorführerin um, als ahnte er, dass sie nicht sehen kann. Bei seinem
ersten Sieg wusste niemand im Publikum von Handicap seiner Vorführerin.
Die beiden agierten so vertraut, so selbstverständlich und ruhig-
keiner der Zuschauer hätte sich vorstellen können, dass er
gerade Zeuge einer ganz besonderen Vorstellung geworden war...

Photo: Susanne Bösche
Ma-Ajmala
(The Minstril x Hawaa)
Sie gewann mehrere Championate in Europa
DIE
DEENAA-CONNECTION
Hawaas hochelegante, extrem feine Tochter Ma-Ajmala kann nicht nur auf
einige internationale Schauerfolge zurückschauen. Züchterisch
tat sie sich vor allem durch die sehr typvolle DHS Miraya El Nizr
(von Anaza El Nizr) hervor. "Anaza El Nizr brachte über seinen
Vater Ruminaja Ali noch zweimal das Morafic-Blut ein. Seine Mutter war
Bint Deenaa, eine der schönsten Ansata Ibn Halima-Töchter."
Eine Anpaarung, die gepasst hat und die Schwestermann gerne wiederholt
hätte. Das Schicksal machte ihm durch den frühen Unfalltod
von Anaza El Nizr einen Strich durch die Rechnung.

Photo: Susanne Bösche
Drei
Generationen vereint:
Hawaa (Amaal x Haseenah), Ma-Ajmala
(The Minstril x Hawaa) &
DHS Miraya El Nizr (Anaza El Nizr x
Ma-Ajmala)
Zwei
Jährlingsstuten komplettieren den heutigen Bestand. "Wir schätzen
die Deenaa-Familie sehr und wollten mehr von ihrem Blut integrieren",
erklärt Schwestermann. Deswegen war er überglücklich,
als die bekannte Stute Shahneekha im vergangenen Jahr wieder ein Stutfohlen
von Maydan-Madheen brachte. "Ein Hengstfohlen hätte ihr Besitzer
Horst Preuss nämlich behalten", sagt er. Aber von der charmanten
Amira Madheen trennte sich Züchterfreund Horst Preuss. Amira
Madheen ist eine Vollschwester der internationalen Multi-Championesse
Shabura HP, die sich inzwischen in Ägypten befindet, und gewann
im Letten Jahr das Fohlen-Championat des Egyptian Event Europe. Die
Mutter Shahneekha führt nicht nur über den Vater Anaza Bay
Shahh (Shaikh Al Badi x Bint Deenaa) das Blut der Dahman Shahwan-Stute
Deenaa (Sameh x Dahma II). Ihre Mutter Anaza Dineekha hat über
Ibn El Mareekh (El Mareekh x Bint Deenaa) ebenfalls Anschluss an Deenaa.
In der Mutterlinie geht sie zurück auf die Hadban Enzahi-Linie
der Venus.
Als doppelte Anaza El Farid-Enkelin führt auch Bint Farid Nile
Moon das Blut von Deenaa. Sie wurde 2004 im Gestüt von Karen
Henwood, USA, geboren. "Sie führt zweimal das Blut von Anaza
El Farid. Sowohl über den Vater Farid Nile Moon als auch die Mutter
Bint Farid geht die Stute auf die bekannte Saklawi-Linie der Zaafarana
zurück." Und man sieht es ihr an - sie hat nicht nur dieselbe
braune Jacke wie er, sie erbte auch den schönen Typ und das selbstbewusste
Auftreten des Großvaters.

Photo: Susanne Bösche
Bint
Farid Nile Moon
(Farid Nile Moon x Bint Farid)
Jüngster Import aus den USA
Einen Hengst sucht man auf dem Gestüt übrigens vergeblich.
Zwar gab es einen hoffnungsvollen Nachwuchshengst, den dreijährigen
DHS Mabrouk (Al Lahab x Ma-Ajmala), der auch auf Schauen erfolgreich
zu sehen war. Doch er wurde vor kurzem verkauft. Prinzipiell möchte
der Züchter zu jeder Stute individuell den passenden Hengst finden
- ein einziger kann diese Aufgabe kaum erfüllen. So macht Schwestermann
nicht den Fehler einen Hengst für eine Stute zu nehmen, der eigentlich
nicht passt, aber gerade "da" ist.

Photo: Susanne Bösche
Ein
Ausritt am Morgen mit
Dschahana & DHS
Miraya El Nizr
Für
Ferdinand Schwestermann und seine Frau Janette bieten das Gestüt
und die Pferde in erster Linie Entspannung. Es sei denn, ein Pferd von
ihnen startet auf einer Schau. Dann ist es mit der Entspannung schnell
vorbei. Dann steht Ferdinand Schwestermann nervös am Rand und sieht
aufgeregt zu. Aber wenn es mal nicht zum Sieg reicht, ist es auch kein
Beinbruch. "Mein Pferd ist doch nicht weniger schön, nur weil
ein Richter es nicht mochte oder ein anderes besser bewertet wurde",
sagt er überzeugt. "Hauptsache, das Pferd gefällt uns!"
Das ist die richtige Einstellung!

Photo: Susanne Bösche
Hawaa
in vollem Galopp
Mehr
Informationen über einzelne Pferde und deren Abstammung finden
Sie
auf der Website von Dowdstown
House Stud