Es war ein Tag, an
den sich alle lange erinnern werden. Viele verschiedene Besucher aus allen
Teilen der Welt (Großbritannien, USA, Ägypten, Kuwait, Saudi
Arabien) waren angereist, um die Ausstrahlung der Katharinenhof-Araber auf
sich wirken zu lassen, ja, um sie "einzuatmen". Offensichtlich
fasziniert der ganz eigene, exotische Typ von Dr. Nagels Pferden jene Menschen,
die sich von schierer Schönheit angesprochen fühlen. Und Schönheiten
gab es an diesem speziellen Tag in der Tat reichlich zu sehen!
NK
Nadirah (Adnan x Nashua)
Fünf
Stuten bilden die Basis des Katharinenhof-Programms: Die ersten Importe
waren Hanan (Alaa El Din x Mona, Inshass) und Mahiba (Alaa El Din x
Mouna), die aus Ägypten über Bábolna/Ungarn nach Deutschland
kamen. Sie erreichten den Katharinenhof im Jahr 1970. Hanan wurde zur
wahren Stammstute des Gestüts. Es gibt kein Pferd, das sie nicht
mindestens einmal im Pedigree führt. Tatsächlich kommt sie
in den meisten Stammbäumen der jüngeren Katharinenhof-Generation
gleich drei- oder viermal (oder sogar öfter) vor. Ihr Sohn Salaa
El Dine (von Ansata Halim Shah) diente jahrelang als Hauptbeschäler
und gründete eine Hengstlinie, die von seinem Ur-Ur-Enkel Jamal
El Dine fortgeführt wird. Ghazalah
(von Ghazal) war Hanans fruchtbarste Tochter und lieferte mit Amarilla
(von Jamil) ihrerseits eine Tochter, deren weibliche Nachkommen wiederum
zu den Eckpfeilern des heutigen Programms gehören. Mahibas Linie
wird durch die Stute Layla (Salaa El Dine x Sanaya v. Kais I) repräsentiert,
die sich im Aussehen von den anderen Pferden unterscheidet und weniger
grazil und überfeinert ist, dafür aber durch mehr Substanz
und energische Gänge auffällt.
Über die Jahre folgten den ersten Importen weitere Stuten, doch da ihre Nachkommen Dr. Nagel nicht überzeugten, trennte er sich wieder von ihnen. Zwanzig Jahre nach dem Ankauf von Hanan und Mahiba (die leider nach vier Fohlen starb), zog eine dritte Alaa El Din-Tochter auf dem Katharinenhof ein: Es war die Schimmelstute Lotfeia (x Bint Kamla), die lange Jahre in Bábolna in der Zuchtstutenherde gestanden hatte und ihre restlichen Jahre in Dr. Nagels Gestüt verbringen sollte. Glücklicherweise brachte sie noch drei Fohlen, deren Einfluss heute spürbar ist. Ihre verstorbene Tochter Nashua (von Salaa El Dine) ist gleich durch drei bezaubernde Töchter in der Herde vertreten.
Der
extrem trockene Kopf von NK Nadirah
Mitte
der achtziger Jahre importierte Dr. Nagel zwei weitere Stuten –
dieses Mal aus den USA. Beide waren Töchter seines eigenen Hengstes
Jamil (Madkour I x Hanan), beide wurden auf dem Ansata-Gestüt gezogen
und beide gingen auf die bekannte Stute Ansata Bint Bukra zurück
- einer Vollschwester von Ghazal, dessen Blut über seine Tochter,
die oben erwähnte Ghazalah, bereits vorhanden war. Somit schloss
sich der Kreis. Die von Dr. Nagel ausgewählten Stuten waren Ansata
Prima Rose (Jamil x Ansata Rosetta) und Ansata Gloriana (Jamil x Ansata
Ghazia). Jede hinterließ dem Gestüt einen wichtigen Nachkommen
von Salaa El Dine: Glorianas Beitrag war die braune Helala, eine "Doppelgängerin"
ihrer Ahnin Hanan und Mutter des bekannten NK Hafid Jamil. Prima Rose
lieferte die bezaubernd schöne Fliegenschimmelstute Ansata KEN Ranya,
deren Sohn Jamal El Dine (von NK Hafid Jamil) der neue Hauptbeschäler
des Gestüts ist.
NK
Hind (NK Jamal El Dine x Helala)
In
sehr ehrlicher Art und Weise kommentierte Dr. Nagel die vorgeführten
Pferde und erklärte, welche Rolle sie in seinem Zuchtprogramm spielen.
Er kennt offenbar die Schwächen seiner Pferde genau und hält
damit nicht hinter den Berg. Er liebt die feinknochigen, delikaten,
exotischen Geschöpfe, fast märchenhafte schöne Wesen
und dieses Ziel hat er mit Pferden wie NK Hafid Jamil, NK Nadirah oder
NK Hind erreicht. Niemals zuvor habe ich ein Zuchtprogramm kennen gelernt,
das mit der gleichen Regelmäßigkeit solche feinen Pferde
hervorbringt. Sie sind ohne weiteres als "NK"-Pferde aus jeder
Herde herauszukennen. Aber sie sind nicht nur schön, sie besitzen
viel Pigment, manchmal rabenschwarze Gesichter, eine stolze Haltung,
hohe Schweifhaltung und diese wunderbaren großen, dunklen Augen.
Aber wo viel Licht, da ist auch viel Schatten: Einige scheinen die luftigen,
Boden verachtenden Gängen verloren zu haben, für die der Araber
berühmt ist und fast alle (besonders die jüngeren) zeigen
sehr steile Fesseln und extrem feine (zu feine?) Fundamente. Das ist
der Preis, den Dr. Nagel für die Exotik und Trockenheit seiner
Pferde bezahlen muss - und er und die vielen Käufer seiner Pferde
aus dem Mittleren Osten sind nur zu gerne dazu bereit. Das arabische
Pferd bietet etwas für jeden Geschmack und diese Pferde inspirieren
diejenigen, die auf der Suche nach extremer Schönheit, Trockenheit
und eleganter Form sind. Menschen, die im Araber vornehmlich einen Athleten
sehen, werden hier nicht fündig. Bevor Kritiker beginnen ihre Messer
zu wetzen sollten sie bedenken, dass es Araber von jeher in vielen verschiedenen
Typausprägungen gab. Diese zartgliedrigen Schönheiten gehören
genauso zur großen Familie des arabischen Pferdes wie, sagen wir,
die groben französischen Rennaraber der Manganate-Linie. Beide
Typen sind Extrembeispiele, trotzdem haben beide ihre Existenzberechtigung.
Salaa
El Dine und sein Urenkel NK Hafid Jamil
"Wie
weit kann ich gehen?" Diese Frage stellt sich Dr. Nagel in Bezug
auf die Inzucht, die er praktiziert. Wie bereits erwähnt, führen
fast alle seine Pferde die Stute Hanan gehäuft im Pedigree - und
"frisches" Blut kommt keines dazu. Er experimentiert in einem
geschlossenen Zuchtprogramm, das sich auf fünf Stuten und den Hengsten
Ghazal, Madkour I und Ansata Halim Shah aufbaut (mit der Ausnahme der
Stute Layla, die auch das Blut von Ibn Galal und Kais I führt). Wie
oft kann und darf der Name Hanan in einem Pedigree auftauchen, bevor der
Abstieg beginnt - oder werden die Pferde im Gegenteil mit jeder weiteren
Linie zu ihr immer besser? Das ist das unerforschte Territorium, das Dr.
Nagel sich vorgenommen hat zu ergründen.
Die
Herde des Katharinenhofs scheint, was ihre Einheitlichkeit betrifft, auf
ihrem Höhepunkt zu sein. Sie wurde geformt von einem Mann, dessen
Liebe zu arabischen Pferden mit dem Kauf seiner Stammstute Hanan vor mehr
als dreißig Jahren begann. Was wir heute sehen ist das Destillat
seiner Vision und Zuchtbemühungen - kaum zu übertreffende Exotik
und Trockenheit in Reinkultur.
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