Einige Erinnerungen an...


Frei nach dem Motto "alles ändert sich, doch am Ende bleibt alles gleich" kann ich die Jahre mit unseren arabischen Pferden zusammenfassen. Unser Leben hat sich verändert, das ist nicht zu bestreiten. Aber wie schnell die Zeit auch vergehen mag, eines hat sich nie verändert: Unsere Ziele, unser Ideal im Hinblick auf das arabische Pferd. Was ein Glück für mich: Ein pferdenärrisches Mädchen aus der großen Stadt Melbourne verliebt sich und heiratet schließlich einen genauso verrückten Tier- und Naturliebhaber aus einer Milchfarmerfamilie in Gippsland (Victoria).
Ich wünschte, ich könnte etwas tiefgründigeres sagen, aber es war die Schönheit des arabischen Pferdes, die uns in seinen Bann zog. Schlicht und einfach die ergreifende Schönheit ihrer Köpfe, ihrer ausdrucksstarken Gesichter zog uns an wie die Motten das Licht. Das ist vielleicht auch der Grund, warum die Köpfe und der Ausdruck unserer Pferde mich auch nach 25 Jahren jeden Tag aufs Neue begeistern.
Als wir in den frühen Jahren über verschiedene Schauen und Gestüte zogen, waren wir immer wieder fasziniert von den ausdrucksstarken, charaktervollen Gesichtern, die mit ihrem neugierigen Blicken direkt bis in unsere Seelen zu sehen schienen.

Diese Gesichter, voller Sanftmut und Verständnis, erschienen uns fast menschengleich.
Und heute? Heute weiß ich, dass unsere Pferde unsere Emotionen mitleben. Sie können aufgeregt, müde und glücklich sein. Voller Humor, verspielt und zu Streichen aufgelegt. Ernsthaft und mit Konzentration bei ihren Aufgaben, aber auch mal ungeduldig und so gar nicht bei der Sache.
Doch das alles wusste ich damals nicht. Aber ich vermutete es hinter diesen interessierten Blicken, die uns schließlich auf unseren Weg brachten.

Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, an dem wir beschlossen, dass Araber die Pferde sind, die wir züchten wollten. Sehr zum Bedauern vieler unserer Reiterfreunde! Partbreds waren ja gerade noch akzeptabel, aber rein gezüchtete arabische Pferde?!
Doch unvermeidlich führten uns die Partbreds zu den Vollblutarabern und währen einer sechsmonatigen Auszeit fuhren wir durch ganz Australien und besuchten jedes Arabergestüt, das wir finden konnten.
Es war in Queensland, als wir endlich „unseren“ Hengst trafen. Einen Hengst, der einfach unwiderstehlich war. Von ihm wollten wir ein Fohlen besitzen. Damals mussten wir sie noch vorbestellen, denn arabische Pferde waren heiß begehrt! Der Züchter versprach uns sofort anzurufen, sobald ein Fohlen für uns da wäre.


Vor der Kutsche

Und so erreichte uns im September 1975 ein Brief. Ein Junghengst wartete auf uns! Ob wir ihn denn noch kaufen wollten? Fotos wurden geschickt, Diskussionen mit unseren Eltern geführt (die uns für von allen guten Geistern verlassen wähnten ausgerechnet einen Junghengst zu kaufen), aber ja, wir wollten ihn! Zumal zu dieser Zeit eine Jungstute außerhalb unseres finanziellen Rahmens lag. Unsere Eltern beschworen uns, redeten auf uns ein, stellten uns Hindernisse in den Weg. Wir hatten noch kein Haus, und überhaupt, wie wir so etwas überhaupt in Erwägung ziehen konnten!
Aber wir hatten unser Land. Und irgendwann wurden die Diskussionen leiser und unser kleiner Hengst kam im Frühjahr 1976 aus Queensland angereist. Ihn erwartete ein neu eingezäunter Paddock und ein neuer Stall, während wir noch in einem Caravan hausten.


Don & Carmel auf einer Show

Jetzt wurde es ernst: Wir stellten unseren neuen Hengst auf Schauen vor! Das war kurz vor der amerikanischen "Posier-Ära". So brachten wir unserem Hengst zwar bei sich einigermaßen aufzustellen aber vor allem übten wir mit ihm das Traben auf der langen Seite. Dann packten wir ihn in den Hänger und los ging's zu allen Schauen, die wir erreichen konnten.

Wir zeigten ihn überall: Von den Araber-Klassen zu den Galloway-Klassen, in "Most Classic Head"-Klassen, Liberty-Klassen und trugen eine ganze Reihe von Preisen nach Hause. Die andere Seite der Medaille war, dass die freundlichen, hilfsbereiten Züchter von einst plötzlich gar nicht mehr so freundlich waren, nur noch Konkurrenten. Das hätte uns natürlich klar sein müssen, aber zu diesem Zeitpunkt hatten wir einfach zuviel Freude an den Pferden, und die Menschen interessierten uns kaum. Im Winter 1977 wurden wir von Freunden aus Queensland gebeten auf ihr Gestüt mit Quarter Horses aufzupassen, während sie im Urlaub waren. Unseren Caravan ließen wir daheim, packten den Junghengst in den Anhänger, den Hund ins Auto, und machten uns für drei Monate auf in den Norden.

Oh, was ich ganz vergessen habe zu erwähnen: In der Zwischenzeit hatten wir noch ein ägyptisches Absatzfohlen gekauft. Unsere Eltern waren wieder einmal kurz davor uns in psychiatrische Behandlung zu geben! In der Vorstellung unseren Eltern verdammte uns dieser Kauf zu einem Schicksal weit schlimmer als der Tod, denn wir würden mindestens drei weitere Jahre in einem Caravan leben. Vielleicht sollte ich auch erwähnen, dass zu dieser Zeit der Kauf einer rein ägyptischen Jungstute unsere Ersparnisse für ein kleines Häuschen verschlang. Und zu sagen unsere Eltern wären sauer auf uns gewesen, wäre weit untertrieben. Also flohen wir vor der ganzen Aufregung und machten uns auf den Weg nach Queensland. Jung und frisch wie wir waren, zeigten wir in Queensland mit einigem Erfolg unseren Junghengst und trainierten nebenbei noch die Quater Horses. Nachdem die drei Monate um waren, packten wir wieder Hund und Pferde ein und fuhren heimwärts.

Zu Hause konzentrierten wir uns erst einmal auf die Zähmung unseres Junghengstes und auf die Präsentation unserer Jungstute auf Schauen. Und tatsächlich, wir lebten wirklich noch drei weitere Jahre im Wohnwagen. Außerdem zeigten wir den Wallach Tartuffe (der noch zu unserer Familie gestoßen war) in Reitklassen, vor der Kutsche und in Kostüm-Klassen.


Tartuffe under saddle

Im Schauring änderte sich einiges: Mehr und mehr wurde auf die amerikanische Art präsentiert. Und nachdem auch immer mehr Richter aus Übersee nach Australien kamen – und richteten – wurde uns klar, dass wir lernen mussten, selbst auf die amerikanische Art zu trainieren und vorzuführen…

Also rafften wir uns wieder auf und besuchten die Seminare von Gene La Croix, David Gardner und anderer und fragten uns, warum unsere wunderbaren australischen Trainer entschieden hatten, dass es besser sei, die Pferde auf die amerikanische Art vorzustellen. Uns persönlich erinnerte diese Art der Vorstellung an die American Saddlebreds. Warum entschieden sich unsere Trainer nicht für einen eigenen australischen Weg? In den frühen achtziger Jahren änderte sich vieles in Australien. Veränderungen sind generell nicht schlecht, aber leider sah es so aus, als ob Australien ganz und gar die amerikanischen Trainingsmethoden übernommen hatte. Ja, es sah eindrucksvoll aus, und naiv wie wir waren beeindruckte uns das Ergebnis und wir fragten nicht, wie es erreicht wurde.

Die Zeit verstrich und wir bemerkten wie um uns herum immer mehr Züchter dem Glamour der nun spezialisierten Araber-Schauen erlagen. Es schien, als ob es nun nicht mehr um die Pferde sondern nur noch den Sieg ging, egal welcher Preis dafür bezahlt werden musste. Die Trainingsmethoden hinterließen ihre Spuren und es war schrecklich mit anzusehen wie plötzlich die Angst den Blick dieser schönen Geschöpfe beherrschte.

Wir waren älter geworden und hörten langsam auf zu ignorieren, was um uns herum geschah. Die Verantwortung unseren Pferden gegenüber brachte uns dazu dem Schauring den Rücken zu kehren. Wir wollten uns auf die Zucht konzentrieren – und unsere Pferde einfach genießen.

Diese Entscheidung ging mit vielen Überlegungen einher, die unser Zuchtprogramm betrafen. Wir überlegten, was wir wirklich wollten und wie wir unserem Ziel nahe kommen konnten, unsere Vorstellung vom rein ägyptischen Araber zu verwirklichen.
Während unserer frühen Jahre waren Araber in Australien vor allem von englischen Linien geprägt. Mit dem Import von Ägyptern, Russen und einigen polnisch und spanisch gezogenen Pferden in den frühen achtziger Jahren kamen Blutlinien zu uns, die neuen Ansporn für die australischen Züchter waren. Das arabische Pferd schien wiedergeboren zu sein.


Odenuel als Jährling

Es war eine Zeit des Wandels. Auch für uns. Über die Jahre lernten wir mehr und mehr über die engagierten Züchter in aller Welt und deren Ziele. Es erschien uns schwierig in Australien einen Mentor zu finden. Und es kam uns so vor, als ob australische Züchter nicht wirklich etwas mit uns zu tun haben wollten – wenn man nicht gerade ein Pferd von ihnen kaufte. Ich weiß, dass dies hart klingt. Es war aber unglückliche Realität für uns: Keine Unterstützung, keine Ermutigung und keine Information. Also wandten wir uns Büchern, Videos und, wenn wir sie ergattern konnten, Magazinen zu.
Wir abonnierten so ziemlich alle Araber-Zeitschriften dieser Welt und bald bedrohten Berge von Papier unser Heim zu übernehmen. Doch wir saugten wie Schwämme alle Informationen auf. Wir lasen über Züchter, die ihr Leben und ihre Leidenschaft den arabischen Pferden verschrieben hatten oder haben – und ließen uns inspirieren! Es wurde offensichtlich: Eine Zucht, wenn sie denn ernsthaft betrieben werden sollte, ist eine langfristige Verpflichtung.

Wir wollten niemals eine riesige Herde besitzen, eher ein mittelgroßes Gestüt. Es war in einem Urlaub in Queensland Mitte der achtziger Jahre als wir einen jungen Hengst trafen, der uns in jene Familie einführte, die bis heute unsere Zucht dominiert. Dieser Hengst erweckte das unscharfe Bild des idealen Arabers zum Leben, das wir in unseren Köpfen hatten. Eine kleine Anzeige in einer Zeitung in New South Wales änderte unsere Zukunft: "1985 geborenes Hengstfohlen, schwarzbraun, steht zum Verkauf". Wir kauften den Junghengst Odenuel. Sein väterlicher Großvater war Jamil (Madkour I x Hanan) – und so begann eine große und lange Liebe zur Hanan-Familie.


Don & Odenuel

Nach dem Kauf von Odenuel wurden Ägypter eines ganz speziellen Typs und Pedigrees in unser Zuchtprogramm eingeführt. Wir kauften Simeon Sarah, unter der Vorraussetzung, dass sie tragend war. Und zwar von einem jungen Importhengst russischer Blutlinien, der zweimal auf Aswan ingezogen war. Aus dieser Anpaarung entstand die Stute Pearsons Sarchi.


Don & Simeon Sarah

Heute kann ich sagen, unseren bedeutendsten Kauf tätigten wir 1987. Ein Junghengst eines hochgelobten Importhengstes aus Deutschland. Der Kauf kostete uns viele schlaflose Nächte und als es endlich soweit war, hörten unsere Herzen gar nicht mehr auf zu klopfen…
Sollten wir wirklich unsere Ersparnisse und eine kleine Erbschaft für diesen Hengst hergeben? Unsere Eltern tobten wieder einmal, aber immerhin hatten wir mittlerweile unser kleines Haus fertiggestellt. Niemals haben wir unsere damalige Entscheidung bereut. Der Junghengst, den wir erstanden wurde Teil unserer Herzen. Was haben wir schon alles während seiner 14 Jahre mit ihm erlebt! Dieser Hengst ist natürlich Simeon Stav.


Simeon Stav (Asfour x Simeon Safanad) als Absetzer

Wir verkauften unseren Besitz in Victoria. Nicht um unseren armen, leidenden Eltern zu entkommen, sondern um einen weiteren Traum zu erfüllen: Nach Queensland zu ziehen. Und 1988 taten wir genau das. Mit dem neu erworbenen Simeon Stav und acht weiteren Pferden und zwei Fohlen gingen wir auf große Fahrt (es waren immerhin 1000 Meilen) und erreichten endlich unser neues Zuhause in Toowoomba.

Ungeachtet aller Sorgen die sich mit unserem Neuerwerb in Toowoomba ergaben und der Dramen um den Kauf von Simeon Stav war uns klar, dass wir unseren eigenen Weg in der Zucht gehen mussten. Egal, was andere erwarteten oder taten. Die Wichtigkeit, die der Schauring einmal für uns besaß, hatten wir hinter uns gelassen. Klar zeigten wir uns noch ab und an im Ring, aber ganz ehrlich: Einige der Praktiken rund um diese Veranstaltungen werden wir niemals nachvollziehen können.


Im Jahr 2002: Simeon Stav & Don

Wir lernten viel über die Araber-Szene. Wir versuchten die Motivation der Besitzer zu verstehen, und entschieden uns dann dafür unsere Leben mit zwölf wundervollen Arabern zu teilen. Wesen, die uns jeden Tag auf's Neue inspirieren und mit ihrer Schönheit verzaubern. Wir züchten Fohlen, die die Seele berühren, das Auge erfreuen und - das ist am wichtigsten - uns zum Träumen und Lachen bringen. Dies ist unsere Vorstellung von einem idealen Leben.

Das Leben steckt voller Veränderungen, aber das Arabische Pferd ist trotz allem immer noch das gleiche. Und sind die Pferde nicht das Wichtigste für uns alle?

PS: Gewidmet unseren lange leidenden Eltern!

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This feature was brought to you
in December 2002 by
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