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Einige Erinnerungen an...
Frei
nach dem Motto "alles ändert sich, doch am Ende bleibt alles
gleich" kann ich die Jahre mit unseren arabischen Pferden zusammenfassen.
Unser Leben
hat sich verändert, das ist nicht zu bestreiten. Aber wie schnell
die Zeit auch vergehen mag, eines hat sich nie verändert: Unsere
Ziele, unser Ideal im Hinblick auf das arabische Pferd. Was
ein Glück für mich: Ein pferdenärrisches Mädchen aus
der großen Stadt Melbourne verliebt sich und heiratet schließlich
einen genauso verrückten Tier- und Naturliebhaber aus einer Milchfarmerfamilie
in Gippsland (Victoria). Diese Gesichter, voller
Sanftmut und Verständnis, erschienen uns fast menschengleich. Ich kann mich noch
genau an den Tag erinnern, an dem wir beschlossen, dass Araber die Pferde
sind, die wir züchten wollten. Sehr zum Bedauern vieler unserer Reiterfreunde!
Partbreds waren
ja gerade noch akzeptabel, aber rein gezüchtete arabische Pferde?!
Und so
erreichte uns im September 1975 ein Brief. Ein Junghengst wartete auf
uns! Ob wir ihn denn noch kaufen wollten? Fotos wurden geschickt, Diskussionen
mit unseren Eltern geführt (die uns für von allen guten Geistern
verlassen wähnten ausgerechnet einen Junghengst zu kaufen), aber
ja, wir wollten ihn! Zumal zu dieser Zeit eine Jungstute außerhalb
unseres finanziellen Rahmens lag. Unsere Eltern beschworen uns, redeten
auf uns ein, stellten uns Hindernisse in den Weg. Wir hatten noch kein
Haus, und überhaupt, wie wir so etwas überhaupt in Erwägung
ziehen konnten!
Jetzt wurde es ernst: Wir stellten unseren neuen Hengst auf Schauen vor! Das war kurz vor der amerikanischen "Posier-Ära". So brachten wir unserem Hengst zwar bei sich einigermaßen aufzustellen aber vor allem übten wir mit ihm das Traben auf der langen Seite. Dann packten wir ihn in den Hänger und los ging's zu allen Schauen, die wir erreichen konnten. Wir zeigten ihn überall: Von den Araber-Klassen zu den Galloway-Klassen, in "Most Classic Head"-Klassen, Liberty-Klassen und trugen eine ganze Reihe von Preisen nach Hause. Die andere Seite der Medaille war, dass die freundlichen, hilfsbereiten Züchter von einst plötzlich gar nicht mehr so freundlich waren, nur noch Konkurrenten. Das hätte uns natürlich klar sein müssen, aber zu diesem Zeitpunkt hatten wir einfach zuviel Freude an den Pferden, und die Menschen interessierten uns kaum. Im Winter 1977 wurden wir von Freunden aus Queensland gebeten auf ihr Gestüt mit Quarter Horses aufzupassen, während sie im Urlaub waren. Unseren Caravan ließen wir daheim, packten den Junghengst in den Anhänger, den Hund ins Auto, und machten uns für drei Monate auf in den Norden.
Oh, was ich ganz vergessen habe zu erwähnen: In der Zwischenzeit hatten wir noch ein ägyptisches Absatzfohlen gekauft. Unsere Eltern waren wieder einmal kurz davor uns in psychiatrische Behandlung zu geben! In der Vorstellung unseren Eltern verdammte uns dieser Kauf zu einem Schicksal weit schlimmer als der Tod, denn wir würden mindestens drei weitere Jahre in einem Caravan leben. Vielleicht sollte ich auch erwähnen, dass zu dieser Zeit der Kauf einer rein ägyptischen Jungstute unsere Ersparnisse für ein kleines Häuschen verschlang. Und zu sagen unsere Eltern wären sauer auf uns gewesen, wäre weit untertrieben. Also flohen wir vor der ganzen Aufregung und machten uns auf den Weg nach Queensland. Jung und frisch wie wir waren, zeigten wir in Queensland mit einigem Erfolg unseren Junghengst und trainierten nebenbei noch die Quater Horses. Nachdem die drei Monate um waren, packten wir wieder Hund und Pferde ein und fuhren heimwärts. Zu Hause konzentrierten wir uns erst einmal auf die Zähmung unseres Junghengstes und auf die Präsentation unserer Jungstute auf Schauen. Und tatsächlich, wir lebten wirklich noch drei weitere Jahre im Wohnwagen. Außerdem zeigten wir den Wallach Tartuffe (der noch zu unserer Familie gestoßen war) in Reitklassen, vor der Kutsche und in Kostüm-Klassen.
Im Schauring änderte sich einiges: Mehr und mehr wurde auf die amerikanische Art präsentiert. Und nachdem auch immer mehr Richter aus Übersee nach Australien kamen – und richteten – wurde uns klar, dass wir lernen mussten, selbst auf die amerikanische Art zu trainieren und vorzuführen… Also rafften wir uns wieder auf und besuchten die Seminare von Gene La Croix, David Gardner und anderer und fragten uns, warum unsere wunderbaren australischen Trainer entschieden hatten, dass es besser sei, die Pferde auf die amerikanische Art vorzustellen. Uns persönlich erinnerte diese Art der Vorstellung an die American Saddlebreds. Warum entschieden sich unsere Trainer nicht für einen eigenen australischen Weg? In den frühen achtziger Jahren änderte sich vieles in Australien. Veränderungen sind generell nicht schlecht, aber leider sah es so aus, als ob Australien ganz und gar die amerikanischen Trainingsmethoden übernommen hatte. Ja, es sah eindrucksvoll aus, und naiv wie wir waren beeindruckte uns das Ergebnis und wir fragten nicht, wie es erreicht wurde. Die Zeit verstrich und wir bemerkten wie um uns herum immer mehr Züchter dem Glamour der nun spezialisierten Araber-Schauen erlagen. Es schien, als ob es nun nicht mehr um die Pferde sondern nur noch den Sieg ging, egal welcher Preis dafür bezahlt werden musste. Die Trainingsmethoden hinterließen ihre Spuren und es war schrecklich mit anzusehen wie plötzlich die Angst den Blick dieser schönen Geschöpfe beherrschte. Wir waren
älter geworden und hörten langsam auf zu ignorieren, was um
uns herum geschah. Die Verantwortung unseren Pferden gegenüber brachte
uns dazu dem Schauring den Rücken zu kehren. Wir wollten uns auf
die Zucht konzentrieren – und unsere Pferde einfach genießen.
Es war
eine Zeit des Wandels. Auch für uns. Über die Jahre lernten
wir mehr und mehr über die engagierten Züchter in aller Welt
und deren Ziele. Es erschien uns schwierig in Australien einen Mentor
zu finden. Und es kam uns so vor, als ob australische Züchter nicht
wirklich etwas mit uns zu tun haben wollten – wenn man nicht gerade
ein Pferd von ihnen kaufte. Ich weiß, dass dies hart klingt. Es
war aber unglückliche Realität für uns: Keine Unterstützung,
keine Ermutigung und keine Information. Also wandten wir uns Büchern,
Videos und, wenn wir sie ergattern konnten, Magazinen zu. Wir wollten
niemals eine riesige Herde besitzen, eher ein mittelgroßes Gestüt.
Es war in einem Urlaub in Queensland Mitte der achtziger Jahre als wir
einen jungen Hengst trafen, der uns in jene Familie einführte, die
bis heute unsere Zucht dominiert. Dieser Hengst erweckte das unscharfe
Bild des idealen Arabers zum Leben, das wir in unseren Köpfen hatten.
Eine kleine Anzeige in einer Zeitung in New South Wales änderte unsere
Zukunft: "1985 geborenes Hengstfohlen, schwarzbraun, steht zum Verkauf".
Wir kauften den Junghengst Odenuel. Sein väterlicher Großvater
war Jamil (Madkour I x Hanan) – und so begann eine große und
lange Liebe zur Hanan-Familie.
Nach dem Kauf von Odenuel wurden Ägypter eines ganz speziellen Typs und Pedigrees in unser Zuchtprogramm eingeführt. Wir kauften Simeon Sarah, unter der Vorraussetzung, dass sie tragend war. Und zwar von einem jungen Importhengst russischer Blutlinien, der zweimal auf Aswan ingezogen war. Aus dieser Anpaarung entstand die Stute Pearsons Sarchi.
Heute
kann ich sagen, unseren bedeutendsten Kauf tätigten wir 1987. Ein
Junghengst eines hochgelobten Importhengstes aus Deutschland. Der Kauf
kostete uns viele schlaflose Nächte und als es endlich soweit war,
hörten unsere Herzen gar nicht mehr auf zu klopfen…
Wir verkauften unseren Besitz in Victoria. Nicht um unseren armen, leidenden Eltern zu entkommen, sondern um einen weiteren Traum zu erfüllen: Nach Queensland zu ziehen. Und 1988 taten wir genau das. Mit dem neu erworbenen Simeon Stav und acht weiteren Pferden und zwei Fohlen gingen wir auf große Fahrt (es waren immerhin 1000 Meilen) und erreichten endlich unser neues Zuhause in Toowoomba. Ungeachtet
aller Sorgen die sich mit unserem Neuerwerb in Toowoomba ergaben und der
Dramen um den Kauf von Simeon Stav war uns klar, dass wir unseren eigenen
Weg in der Zucht gehen mussten. Egal, was andere erwarteten oder taten.
Die Wichtigkeit, die der Schauring einmal für uns besaß, hatten
wir hinter uns gelassen. Klar zeigten wir uns noch ab und an im Ring,
aber ganz ehrlich: Einige der Praktiken rund um diese Veranstaltungen
werden wir niemals nachvollziehen können.
Wir lernten viel über die Araber-Szene. Wir versuchten die Motivation der Besitzer zu verstehen, und entschieden uns dann dafür unsere Leben mit zwölf wundervollen Arabern zu teilen. Wesen, die uns jeden Tag auf's Neue inspirieren und mit ihrer Schönheit verzaubern. Wir züchten Fohlen, die die Seele berühren, das Auge erfreuen und - das ist am wichtigsten - uns zum Träumen und Lachen bringen. Dies ist unsere Vorstellung von einem idealen Leben. Das Leben steckt voller Veränderungen, aber das Arabische Pferd ist trotz allem immer noch das gleiche. Und sind die Pferde nicht das Wichtigste für uns alle? PS: Gewidmet unseren lange leidenden Eltern! |
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in December 2002 by
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