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Photo:
Rik van Lent jr.
Hamasa Ibn Kaisoon
(Kaisoon x Menha)
Aus Deutschland nach Südafrika importierter Championhengst
Wann
und wieso haben Sie beschlossen, auf Araberschauen zu richten?
Wir züchten seit den späten siebziger Jahren arabische
Pferde und ich qualifizierte mich in den späten Achtzigern als
Richterin. Es schien mir ein selbstverständlicher Weg, um meinen
Hunger nach mehr Wissen über das arabische Pferd zu befriedigen.
Wo sollte ich einen besseren Ort finden als den Schauring. Dort konnte
ich lernen und mich hippologisch weiterbilden, indem ich die besten
Vertreter der Zucht miteinander verglich.
Auf
welcher Schau richteten Sie das erste Mal?
Die
erste Schau, die ich richtete, war eine kleine lokale Schau. In Südafrika
werden Richter anfangs auf kleinen Schauen eingesetzt und erst allmählich
aufgebaut, um später bei größeren Schauen zu richten.
Wir haben pro Jahr allerdings nicht so viele Schauen wie in Europa und
den USA, so dass wir wenig Gelegenheit haben Erfahrungen zu sammeln.
Glücklicherweise wurde ich mehrfach nach Europa eingeladen, um
dort zu richten, zum Beispiel beim Nations Cup in Aachen oder der Interpferd
in Österreich. Außerdem versuche ich in jedem Jahr einige
internationale Schauen zu besuchen, um nicht hinter dem internationalen
Trend zurückzubleiben.

Photo:
Rik van Lent jr.
Gazella Bint Masri
(Masri x Bint El Gazella)
Supreme-Championesse von Südafrika 1992, im Besitz von Johrhemar
Erklären
Sie uns bitte, was sich auf Schauen speziell in den letzten Jahren verändert
hat?
Seit ich das erste Mal richtete haben sich Schauen dramatisch verändert.
Einiges hat sich zum guten, einiges leider zum schlechteren gewandelt.
Alles ist professioneller geworden, was nicht automatisch schlecht sein
muss, aber das "Übertrainieren" eines Pferdes macht es
meines Erachtens schwierig das Pferd an sich zu beurteilen. Die Schauen
heute sind nichts für Angsthasen oder für das Hinterhofpferd,
das einmal jährlich von seinem liebenden Besitzer in den Anhänger
geladen wird, um an der Nationalschau teilzunehmen! Die künstliche
Verschönerung von Pferden zeigt ihre hässlichen Folgen weltweit
auf Schauen. Erfreulicherweise gibt es viele Wege und Initiativen, diese
Fehlentwicklung einzudämmen. Leider wurde etlichen Pferden schon
großer Schaden zugefügt, sie leiden heute an den Folgen von
Drogenmissbrauch etc. Diese Umstände bereiten mir persönlich
große Sorgen, da ich für die Zukunft der Rasse schwarz sehe,
wenn auf diese Art und Weise weitergemacht wird.

Photo:
Gigi Grasso
Simeon Sadik
(Asfour x Simeon Safanad)
"Er ist die pure Schönheit und Typ."
Sie
reisen viel in Sachen Vollblutaraber. Gibt es Ihrer Meinung nach Unterschiede
zwischen den Schauen in den USA und Europa?
In den USA sind Schauen
sicherlich extravaganter und glamouröser als in Europa. Der Schwerpunkt
liegt auf dem "Showmanship" und der Präsentation im Stile
Hollywoods, weniger auf dem besten Pferd im Schauring. In den USA hängt
es auch davon ab, welche Pferde vor der Schau überschwänglich
in Anzeigen angepriesen worden sind.
Die Trainer, die in den USA sehr oft auch Richter sind, haben lange
Zeit die Schauszene dominiert, wobei es sich zu einer Art "aufeinander
aufpassen" entwickelte, denn im Laufe eines Jahres stand jeder
einmal als Richter im Ring!
Ein wirklicher Grund zur Besorgnis ist der Trend, Schaupferde eher nach
ihrer "Trainierbarkeit" zu beurteilen als den besten Vertreter
der Zucht zu wählen. Dies kann nicht von Interesse sein, wenn man
die wahren Merkmale der Rasse erhalten möchte. In vielen Fällen
führt das zu Fehlentwicklungen und als Ergebnis davon leidet nur
einer - das arabische Pferd. Missbrauch ist heute im Schauring in den
USA weitverbreitet. Es ist nicht ungewöhnlich eine hübsche
Stute zu sehen, die vor ihrem Vorführer zittert oder junge Pferde,
deren Köpfe durch die Halfterkette rüde herumgezerrt werden
- und zwar vor den Besitzern, Ringstewards und Richtern. Es gibt selbstverständlich
Regeln dagegen, doch in der Praxis werden sie nicht durchgesetzt.
Ich bevorzuge die Schauen in Europa und England, weil es dort dank der
Ringstewards und Disziplinarkomitees gewisse Kontrollen gibt. Die Schauen
drehen sich außerdem mehr um das Pferd, weniger um den Glamour.
Schauen in England und Europa sind sicherlich emotionaler und kämpfen
um den schmalen Grad zwischen übertrieben glamourös und zu
seriös und langweilig. Viel guter Geschmack und viel Sensibilität
gepaart mit einem Großteil Intellekt sind bei diesen Schauen noch
klar erkennbar.

Photo:
Rik van Lent jr.
Essteem
(Fame VF x Espressa)
"Ein mächtiger Hengst, der auf sich aufmerksam macht."
Sehen
Sie hinsichtlich des Richtens irgendwelche Unterschiede zwischen den
USA und Europa?
Wie ich zuvor schon sagte, sind in den USA zu viele Trainer auch Richter,
was unglücklicherweise zu weitverbreiteter Korruption führte.
In Europa werden vorwiegend Richter eingeladen, die namhafte Züchter
sind und dementsprechend den besten Vertreter der Zucht aussuchen und
weniger danach urteilen, ob ein Pferd bestimmte Leistungen bringen kann.
Ich bin der Meinung, dass ein ausgezeichneter Repräsentant der
Rasse in jedem Fall auch ein gutes Leistungspferd sein wird.
Die verschiedenen Richtsysteme sind ein weiterer Punkt. Jeder Richter,
der weiß, wie ein System funktioniert, kann diese besondere Methode
zu einem Erfolg oder einem Misserfolg, je nach seiner/ihrer Integrität,
machen. Kein Richtsystem ist perfekt, aber ich persönlich bevorzuge
das ECAHO-System, das bei Schau wie dem All Nations Cup benutzt wird.
Die Punkte werden sofort bekannt gegeben und jeder Richter fällt
sofort unangenehm auf, wenn er abweicht. Die Zuschauer in Europa sind
außerdem wie große Thermometer, denn sie machen kein Geheimnis
daraus, wenn sie der Meinung sind, dass ein Richter aus der Reihe tanzt.
Diese Beteilung des Publikums ist ein integraler Teil von Schauen und
sollte nie verloren gehen.
Bitte
beschreiben Sie, wie Sie als Richterin arbeiten? Die Klasse wird aufgerufen,
die Pferde betreten den Schauring - was tun Sie?
Ich beurteile ein Pferd in der Minute, in der es den Schauring betritt
- unabhängig davon, ob es im Schritt oder Trab hereinkommt. Zuerst
versuche ich mir ein Bild von der gesamten Gruppe zu machen, da treffe
ich schon meine Auswahl. Erst wenn das Pferd in der Einzelvorstellung
vor mir steht, fange ich an die einzelnen Punkte wie Kopf und Hals,
Körper, Oberlinie etc. zu beurteilen. Bewegungen haben die größte
Bedeutung, denn sie sind Teil des arabischen Typs. Ein Pferd mit durchschnittlichen
Bewegungen und einem schlecht getragenen Schweif kann beispielsweise
nicht typisch arabisch sein, egal wie schön es ansonsten ist. Der
Schritt ist ebenso wichtig, denn er sagt viel über die Aufrichtung
eines Pferdes aus. Viele Vorführer bestehen heute darauf mehr zu
"joggen" als zu gehen, um Fehler zu verschleiern - das kann
für einen Richter sehr frustrierend sein. Traurigerweise spielen
viele Vorführer heute lieber mit dem Publikum, anstatt ein Pferd
korrekt vor den Richtern zu zeigen.
Welche
Teilnote ist am schwersten zu vergeben?
Ohne Zweifel die Noten für die Beine, da es so viele Variablen
und Interpretationen gibt. Schlechte Beine hasse ich regelrecht, daher
neige ich dazu, Fundamente sehr streng zu beurteilen. Es ist erstaunlich,
wie viele Stellungsfehler heute im Schauring ignoriert werden.

Photo:
Rik van Lent jr.
Hier
und im Titel:
Hamasa El Fagr
(Farag x Menha)
Er war Hauptbeschäler von Johrhemar, dreimaliger National-Champion
von Südafrika und Sieger der Reitklasse der National-Schau im Jahr
1988
Einige
Leute glauben, dass wir nicht genug Richter haben. Wie ist Ihre Meinung?
Ich weiß nicht, ob wir zu viele oder zu wenig Richter haben, aber
ich glaube, dass frisches Blut immer eine gute Sache ist. Keiner von
uns will wahrhaben, dass wir alt werden, aber es ist leider eine Tatsache
und irgendwann wird es an uns sein zur Seite zu treten, um neuen Richtern
Platz zu machen. Wie Sie wahrscheinlich bemerkt haben, beunruhigen mich
die vielen Trainer unter den Richtern, selbstverständlich sind
nicht alle von ihnen bestechlich, aber ich bevorzuge einen Richter,
der auch Züchter ist. Außerdem glaube ich, dass ein Züchter
ein Pferd mit Blick auf die Zucht beurteilt.
Wenn
Sie auswählen sollten, was wären Ihre Anforderungen an einen
Richter?
Der wichtigste Punkt ist für mich absolute Integrität, ohne
die können Sie kein guter Richter sein. Integrität bedeutet,
ein gewisses Niveau nicht zu unterschreiben und völlig ehrlich
zu sein. Selbstverständlich benötigten Sie ein umfangreiches
Wissen über die Rasse und über die internationalen Kriterien
der Zucht. Ich würde es auch vorziehen, wenn Richter mehrere Jahre
Araber gezüchtet und selbst Pferde vorgestellt haben.

Photo:
Gigi Grasso
Pikieta
(Probat x Platyna)
"Sie ist der Inbegriff einer arabischen Stute."
Haben Sie Ideen oder Wünsche in bezug auf
eine umfassende Ausbildung der Richter?
Richter sollten eine strenge Ausbildung durchlaufen, die verschiedene
Aspekte der Araberzucht umfasst, zum Beispiel den historischen Hintergrund.
Anhand von schriftlichen und mündlichen Prüfungen sollten
die Fähigkeiten des neuen Richters geprüft werden. Kann er/sie
Vollblutaraber beurteilen und wie ist sein/ihr Wissen über die
Zucht? Ohne diese Vorbereitung fürchte ich, wird sich ein Richter
sehr verloren fühlen, sobald er/sie einen internationalen Schauring
betritt. Außerdem sollte ein Richter anfangs auf mindestens fünf
Schauen zusammen mit einem erfahrenen Richter arbeiten, bevor er/sie
eigenständig richtet.
Lassen Sie uns über die Pferde reden! Es
gibt immer wieder Diskussionen um den Typ. Gibt es Ihrer Meinung nach
irgendwelche Unterschiede im Typ, wenn Sie Schauen in den USA, Europa
und dem Mittleren Osten vergleichen?
Es gibt sicherlich einen Unterschied. In den USA liegt die Betonung
neuerdings mehr auf Leistungspferden als auf dem besten Repräsentanten
der Zucht. Wohingegen ich in Europa oft erlebt habe, dass der klassische,
korrekte, typvolle Vollblutaraber immer noch das Pferd ist, das an die
Spitze kommt. Der Mittlere Osten ist in dieser Hinsicht von Europa sehr
beeinflusst worden (ECAHO).
Ja, "Typ" ist etwas, was die meisten Leute nur schwer erklären
können. Für mich war das schwierig, denn ich suche nach einem
arabischen Pferd wie es in uralten Lithografien und Gemälden dargestellt
wurde. So sollte ein typisches arabisches Pferd aussehen, nicht wie
das langhalsige Leistungspferd mit der hohen Knieaktion, wie sich das
einige Leute heute wünschen. Für diese Bedürfnisse gibt
es Amerikanische Saddlebreds und Französische Traber! Zum Glück
gibt es Züchter in den USA, Europa und im Mittleren Osten, die
noch glauben, dass der Arber nicht verändert werden muss und die
das arabische Pferd in der Form lieben, in der es anfänglich geschaffen
wurde!
Bitte nennen Sie uns fünf Pferde, die Sie
auf europäischen Schau beeindruckt haben.
Wenn ich diese fünf Pferd nenne, heißt das nicht, dass alle
anderen Pferde mich nicht beeindruckten - fünf sind wirklich sehr
wenig! Wenn Sie nichts dagegen haben, werde ich fünf Hengste und
fünf Stuten nennen.

Photo:
Javan
ZT Shak Fantasy
(El Shaklan x RH Light Fantasy)
"Der Inbegriff von Typ."
ZT
Shakfantasy
(El Shaklan x RH Light Fantasy) ist für mich der Inbegriff für
Typ, ein Traum von einem arabischen Hengst.
Essteem (Fame VF x Espressa) ist ein mächtiger
Hengst, der auf sich aufmerksam macht.
Simeon Sadik (Asfour x Simeon Safanad)
ist die pure Schönheit und Typ mit dem schönsten Gesicht.
Plakat (Aswan x Pchelka) liebte ich für
seine wunderbare Persönlichkeit und die unvergesslichen Bewegungen.
Balaton (Menes x Panagia) steht für
Typ, kräftigen Körper und großartige Beine.

Photo:
Rik van Lent jr.
Plakat
(Aswan x Pchelka)
"Ich liebte ihn für seine unvergesslichen Bewegungen."
Pikieta (Probat x Platyna) liebe ich für
ihre absolute Schönheit. Sie ist der Inbegriff einer arabischen
Stute.
Psyche's Amber Gem (Padrons Psyche x Zabiya)
richte ich beim All Nations Cup. Ich bewunderte diese Stute einfach.
Es ist tragisch, dass sie wegen ungültiger Papiere disqualifiziert
werden musste. Sie bleibt dennoch eine Schönheit!
Bint Sylvan Lass (El Zahra x Sylvan Lass)
ist eine typische Wüstenkönigin mit altem arabischen Typ.

Photo:
van der Poorten
Mangani
(Nuri Shalan x Metelica)
"Ihre makellose Eleganz und Schönheit stahlen mein Herz."
Die makellose Eleganz und Schönheit von Mangani
(Nuri Schalan x Metelica) stahlen einfach mein Herz, so sehr,
dass ich auf die Suche ging, um eine ihrer Töchter zu finden. Ich
erwarb Machelka (von Plakat) und importierte sie für unser Gestüt
nach Südafrika.
El Masra (Shaker el Masri x Estasha) ist
die Verkörperung einer typvollen Zuchtstute.
Wie
wichtig sind Ihrer Meinung nach Reitklassen (Reitwettbewerbe) innerhalb
der Araberschauen?
Reitklassen sind ein Teil der Schauszene und sehr wichtig für die
Zucht, denn sie zeigen die Vielseitigkeit des arabischen Pferdes. In
Südafrika sind bei unseren Schauen Reitklassen wichtiger geworden
als die Zuchtklassen, und ich bin traurig das sagen zu müssen.
Wir als Züchter protestieren dagegen und hoffen auf eine Änderung.
Die Zuchtklassen sind von größter Wichtigkeit bei unseren
Zuchtschauen! Wir hatten in der jüngsten Vergangenheit außerdem
mehrere Richter aus den USA, die ein Pferd in der Zuchtklasse danach
beurteilten, wie "trainierbar" es ist, anstatt das beste Pferd
seiner Rasse zu wählen. Dies schadet der Zucht an sich und es lässt
junge Züchter glauben, dass das arabische Pferd eher wie ein kleines
Warmblutpferd aussehen soll und nicht wie ein typvolles, klassisches
arabisches Pferd.

Photo:
Rik van Lent jr.
Machelka
(Plakat x Mangani)
Nationale Senioren-Championesse von Südafrika
1992
Was
ist Ihrer Ansicht nach der Zweck einer Schau?
Eine Schau sollte das Schaufenster der Zucht sein - die Besten der Rasse
sollten dort vorgestellt werden. Sie sind integraler Bestandteil der
Araberszene und ein Ort, um neue Impulse im Hinblick auf die eigene
Zucht zu erhalten oder festzustellen, dass man mit dem eigenen Zuchtkonzept
zufrieden sein kann. Schauen bieten die Gelegenheit, sich einen Überblick
zu verschaffen. Eine Schau ist auch der Ort, neue Züchter und alte
Freunde zu treffen, um Informationen und neue Nachrichten und Trends
auszutauschen.

Photo:
Rik van Lent jr.
Gazella Bint Masri
(Masri x Bint El Gazella)
Was
ist die wichtigste Eigenschaft eines arabischen Pferdes?
Meines Erachtens ist das arabische Pferd der Inbegriff des Pferdes,
wie es vor so vielen Jahrtausenden geschaffen wurde. Kein anderes Pferd
hat seine Fähigkeiten in einem unbarmherzigen Lebensraum zu überleben,
alleine dafür bewundere ich diese Rasse. Ihre Intelligenz und Schönheit
üben sogar noch nach diesen langen Jahren ihre besondere Wirkung
auf mich. Es gibt nichts Schöneres, als ein arabisches Pferd in
vollem Galopp über ein freies Feld dahinfliegen zu sehen - als
könne es durch nichts aufgehalten werden! Seine Vielseitigkeit
ist weltberühmt. Jedes Mal wenn eine Stute auf unserem Gestüt
fohlt, habe ich das Gefühl, ein neues Wunder wäre geschehen.
Für mich gibt es kein wichtiges oder weniger wichtiges Merkmal
- es ist das ganze Pferd, das wichtig ist. Fehlt eine der Eigenschaften,
ist das Pferd unvollkommen und gefällt mir nicht mehr. Darum züchten
wir Araber: Um diese "Vervollkommnung" zu finden, die wir
alle suchen!
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