Teil III

Welches Buch liegt neben Ihrem Nachttisch?
”Authentic Arabian Bloodstock” von Judith Forbis. Danke, Judi! Welch ein Nachschlagewerk, welche Bilderfülle – und dann auch noch nach Strains sortiert! Ich halte das Züchten nach Strains für einen weiteren wichtigen Teil in der Kunst des Züchtens.

 
Photo: Little
Abraxas Abu Hilal
(ET Crown Prince x AH Abraxas)

Welches Pferd würden Sie gerne in Ihrem Stall haben?
Seit über 35 Jahren züchte ich nun arabische Pferde. Es war ein harter Weg. Aus Fehlern lernt man. Ich bewundere jeden, der es geschafft hat ein Zuchtprogramm zu schaffen, das frei ist von schlechten genetischen Eigenschaften (Bockhufe, Überbiss, inkorrekte Fundamente, schwieriges Temperament, viel Weiß im Auge, SCID). Ich weiß, durch eine einzige falsche Entscheidung kann ich mir solche Fehler einhandeln. All diese versteckten Faktoren können in den Genen eines bestimmten Pferdes vorhanden sein. Das ist wichtig für uns. Wir sind mit unserem Zuchtprogramm an einem Punkt angelangt, an dem die nächste Generation immer ein Stück besser ist als die davor. Und keine dieser negativen Eigenschaften ist in unserem Programm vorhanden. Es hat fast ein ganzes Menschenleben lang gedauert, um uns eine Grundlage zu schaffen, die frei ist von all diesen Merkmalen – und jede weitere Anpaarung wird auf versteckte Negativmerkmale überprüft. 


Photo: Little
Abraxas Hilals Gem -
die Vollschwester von Abraxas Abu Hilal

Pferdezucht ist nichts, was man auf die leichte Schulter nehmen sollte. Es bedarf nicht nur großer Passion, Sie müssen ein fundiertes Wissen aufgebaut haben und sich ständig weiter bilden. Und gerade dann, wenn Sie sich ganz sicher sind, dass Sie eine Traumanpaarung gefunden haben, taucht eine Information auf, die alles umkehren kann. Nach all den Jahren reicht es mir nicht mehr ein Pferd zu betrachten und es zu bewundern, nur weil es hübsch aussieht. Ich habe gelernt, dass viele Faktoren zu diesem Pferd gehören, die nicht zu sehen, gleichwohl aber ungeheuer wichtig sind – speziell, wenn es sich um ein Zuchtpferd handelt.

Darum ist es schwierig Pferde und Anpaarungen zu finden, die auf demselben Konzept basieren. Es gibt einige Hengste, die wir ausprobieren werden. Und wir hoffen, Fohlen zu bekommen, die frei von den erwähnten Negativmerkmalen sind. Aber der Genpool ist sehr klein geworden und die Auswahlmöglichkeiten sind begrenzt. Einfach "Bint" mit "Ibn" anzupaaren, das macht für mich keinen Sinn. Vor einer bestimmten Anpaarung sind viele Fragen zu beachten. Warum? Nun, wenn Sie zehn Jahre lang keine Probleme mit versteckten Negativmerkmalen hatten, wollen Sie sicher auch in den nächsten zehn Jahren nichts davon wissen – oder? Die Natur erschafft und kreiert nach ihrem eigenen Ermessen – allerdings nicht ohne den Regeln der Genetik zu folgen.

Hier ist eine Liste der Fragen, die Züchter meiner Meinung nach jedem Hengstbesitzer stellen sollten bevor sie ihre Stute zum Decken bringen.

1. Hat der Hengst etwa Nachkommen mit Bockhufen? Wenn ja, vergleichen Sie die Anzahl der Fohlen mit Bockhuf  mit der Gesamtzahl der gedeckten Stuten. Versuchen Sie herauszufinden, ob auch die Stute ihren Teil dazu beitrug.

2. Hat der Hengst Nachkommen mit inkorrekten Beinen (z.B. lange weiche Fesseln)? Wenn ja, wieder die Anzahl der Fohlen mit Fehlern mit der Gesamtzahl der gedeckten Stuten vergleichen. Und auch hier kann die Stute beteiligt sein.

3. Hat der Hengst Nachkommen mit viel Weiß im Auge? Und wieder vergleichen: Anzahl der Fohlen mit Weiß im Auge – Anzahl der gedeckten Stuten.

4. Hat der Hengst Fohlen mit Überbiss gezeugt? Auch hier wieder der Vergleich zwischen Fohlen mit Überbiss und gedeckten Stuten.

5. Ist der Hengst Überträger der kombinierten Immunschwäche SCID? Es ist traurig, dass so viele Fohlen sterben müssen oder neue SCID-Träger werden, weil einige Züchter ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben. Macht es Sinn einen SCID-Träger einer SCID-freien Stute zuzuführen? Manche Züchter meinen, alles sei in Ordnung, wenn ihre Stute SCID-frei ist. Das stimmt nicht ganz – mit fünfzigprozentiger Wahrscheinlichkeit kommt ein Fohlen zur Welt, das SCID-Träger ist!

Diese Fragen – und die Antworten der Hengstbesitzer – liefern Züchtern wichtige Informationen über geplante Anpaarungen.

Ist es opportun solche Fragen überhaupt zu stellen? Ich denke ja. Sie helfen bei aktuellen Zuchtentscheidungen und nützen letztendlich auch nachfolgenden Generationen. Niemand sollte sich von diesen Fragen angegriffen fühlen – sie sind das Resultat meiner jahrelangen Erfahrungen. Es geht um die Wahrheit, um die züchterische Wahrheit. Ich sage das ganz bewusst und richte das an die Adresse aller Züchter – denn es geht um das arabische Pferd.

 

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