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Die Geschichte El Zahraas
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| Wie fast überall in Europa
bemühte man sich zu Beginn des 20.Jahrhunderts auch in Ägypten vermehrt um die
Verbesserung der Landwirtschaft. Ein Teilgebiet, die Tierzucht, sollte durch systematische
Züchtung vorangetrieben werden. Nach europäischem Vorbild gehörte eine Art genereller
staatlicher Körung der Vatertiere, wie Hengste oder Bullen, zu solchen Programmen.
Dadurch wurde den Landsleuten der Zugang zu qualitativ besonders hochstehenden Vererbern
möglich gemacht. In Ägypten beschäftigte sich die R.A.S., die Royal Agricultural Society, mit dieser Thematik. Alle Bereiche der Landwirtschaft sollten von dieser Institution profitieren. Was die Pferde betraf, war eine zentrale Hengst- und Stutenhaltung vorgesehen. Dazu kamen rund zwanzig bis dreißig Deckstationen in den einzelnen Provinzen. Dieses Projekt war um 1910 konzipiert worden und wurde nach und nach verwirklicht. |
| Man entschloß sich
schließlich für die Haltung und den Einsatz arabischer Pferde mit zweierlei
Absichten: Erstens zur Veredelung der Landespferde, aufbauend auf Pferden, die Klima und
Leuten angepaßt waren. Zweitens zur Erhaltung einer historischen Rasse, eines kulturellen
arabischen Erbes, verkörpert durch das klassische, das typische arabische Pferd des Abbas
Pasha. In den Jahren 1918 bis 1922 wurde dieser Plan dann Wirklichkeit. Insgesamt kaufte
man als Zuchtbasis sechzehn Stuten. Quellen waren das Crabbet Gestüt in England, das
ebenfalls Linien des Abbas Pasha weiter gezüchtet hatte, sowie die Gestüte der
ägyptischen Prinzen und Lady Blunts Gestüt Sheykh Obeyd. Als Vatertiere wurden
zweiundzwanzig Araberhengste ebenfalls aus England angekauft beziehungsweise wurden die
Stuten mit Hengsten der verbliebenen ägyptischen Privatgestüte angepaart. Einen Teil der
zweiundzwanzig Hengste verteilte man sofort auf die Deckstationen. Eine Farm, Bachtim
Stables, war zunächst die zentrale Zuchtstätte, doch schon bald wurde sie auf ein
Grundstück in der Nähe Kairos, an den Ostrand der Stadt verlegt. Das heutige Gestüt
"El Zahraa" entstand. In dem Bewußtsein,
daß die Umwelt die Pferde langfristig ändern würde, entschloß man sich in
Haltung und Fütterung ebenfalls zu möglichst viel Anlehnung an "Wüstenklima"
im weitesten Sinne. In trockenem Klima und auf sandigem Boden, so sollten die Araber
gehalten werden.
Photo: Dr. Zaher Der "Rennhengst" El Deree
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| Sie
alle hatten eine Rennkarriere hinter sich und repräsentierten den kräftigeren
Rennarabertyp, typmäßig mit den Abbas Pasha-Hengsten nicht vergleichbar. Das
Ursprungsgebiet dieser Hengste war Syrien. Außer ihrer Stammeszugehörigkeit kannte man
nichts von diesen Pferden, weder Vater noch Mutter. An ihrer arabischen Abstammung wurde
aber in keiner Weise gezweifelt und man nahm die erfolgreichen Renner ohne Bedenken in das
allgemeine Stutbuch auf. Schon bald stellte sich heraus, daß Sid Abouhom, ein Sohn des El
Deree und der aus dem eigenen Bestand gezüchtete Balance zu den schnellsten und besten
Rennpferden Ägyptens zählten. Kenner des Rennsports bevorzugten diese beiden Pferde als
Vatertiere und setzten sie entsprechend ein. Priorität im züchterischen Bemühen und
Hauptziel blieb jedoch der Erhalt des klassischen Arabers. Von diesem Ideal wurde in
keiner Weise abgelassen. Das heute Erreichte hat eine lange Vorgeschichte. Die ersten Wurzeln reichen bis in die Anfänge des 19.Jahrhunderts zurück; zurück bis zu den bis heute noch unbekannten Umständen, unter denen der Nejd-Araber gezüchtet und gehalten wurde, dem als einzigen unter allen Typen das romantisierte Attribut "Wüstenaraber" zugestanden werden könnte. Weitere Quellen waren die von Lady Blunt gezüchteten respektive die aus England re-importierten Araber, ferner Rennaraber und Geschenke. Alles zusammen bildet eine gelungene Komposition. Nicht ein einziges Pferd läßt sich heute nur auf eine dieser Quellen zurückführen. El Zahraas Zuchtgeschichte ist alt, über 150 Jahre, aber auch neu. Die jüngsten Quellen liegen lediglich fünfzig bis sechzig Jahre zurück. Wie sich diese Zeitabschnitte in dem heutigen Zuchtbestand widerspiegeln und wie stark die Einflüsse der jeweiligen Zuchtziele die Formung und Weiterentwicklung der heutigen Ägypterzucht mitgestalteten, zeigt folgender Überblick. Das
erste Zuchtziel der R.A.S. war die Zucht von Veredlern für die Landespferdezucht
und die Erhaltung des typischen, des historischen Arabers. Beide Absichten sind durchaus
deckungsgleich. In der Landeszucht wurden harte, genügsame und gutmütige Pferde
verlangt, Übergrößen waren sicher nicht gefragt, Ausdauer jedoch in jeder Weise. Der
historische Araber, nicht zu groß, an Mangel gewöhnt, war zweifellos die richtige Wahl.
Das Programm hat seit siebzig Jahren bis heute Erfolg. Denkt man ferner an ein Pferd, das
Adel und Eleganz verkörpern soll, steht wiederum das gleiche Pferd, der tänzerisch
leichte, feingliedrige Araber gleichsam als künstlerisches Objekt ganz vorne an. Zu Recht
galt der Araber als höfisches, repräsentatives Pferd der Oberschicht. Moniet el Nefous, eine zierliche Fuchsstute, zog mit ihrem femininen Charisma viele Züchter in ihren Bann. Insbesondere durch ihren Enkel Morafic beeinflußte diese Stute wie kaum eine Zweite die Ägypterzucht in den USA. Der unvergleichbare Hechtkopf dieses Schimmelhengstes verkörperte wahre Exotik.
Photo: Forbis Dr. Marsafi mit den Stuten Mouna, Moniet El Nefous und Mabrouka
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| Bukra, auf die
gleiche ursprüngliche Stammstute zurückgehend wie Halima, steht in ihrem Zuchtwert mit
an oberster Stelle. Sie war u.a. die Mutter der beiden Vollgeschwister Ghazal, der nach
Deutschland importiert wurde, und Bint Bukra, einflußreich in den USA. Einige Fehler im
Fundament und Rücken haben diese beiden Pferde davor bewahrt, Schauobjekte zu werden.
Doch was Typ, Trockenheit und arabische Ausstrahlung betrifft, sind beide bis heute nahezu
unerreicht.
Photo: Bilke Bukra, die Mutter des bedeutenden Ghazal
Photo: Bilke Kamla, unsterblich durch ihren Sohn Hadban Enzahi
Der "Herrscher von Rußland": Aswan
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Photo: Pritzlaff Nazeer, der "unerreichte Vererber"
Photo: Pritzlaff Nazeer im Alter von 24 Jahren
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Nazeer war
ein bestechender Schimmel, nicht zu groß, unter 1,50 m Stockmaß, ein trockenes,
harmonisches Pferd mit feurigem Auge. Ein ausgesprochen maskuliner Typ, der trotz eigener
Mängel äußerst korrekte Nachkommen zeugte sowohl weibliche als auch männliche. Seine
Töchter Bint Bukra, Bint Moniet El Nefous und Bint Mabrouka zeigten hochfeinen,
arabischen Typ und eine Trockenheit fast ohne gleichen. Jedoch erregten seine Söhne das
größere Aufsehen. Besonders diejenigen, die wiederum aus den oben genannten sechs
Stutenfamilien stammten, gehörten zu seinen besten und wahrhaftigsten Erben - wie Morafic,
Ibn Halima, Ghazal, Hadban Enzahi, Aswan.
Nur der noch zu erwähnende Alaa el Din bildet eine Ausnahme. Alle
zusammen kennzeichnete eine optimale Vererberqualität, von der die Zuchten des arabischen
Pferdes in aller Welt beeinflußt wurde.
Photo: Forbis Der Hengst Shahloul
Photo: Bilke El Sareei, der Vater des weltbekannten Tuhotmos Weiterhin in diese
Klasse einzuordnen ist das bekannte orientalische Liebespaar aus der arabischen
Literatur, die gleichnamigen Pferde "Anter und Abla". Sie produzierten
Mutterstuten nach echtem europäischen Geschmack: Tiefe, kräftige Pferde, solide
Zuchtmodelle, die jedes Gestüt bereichern würden. Diese Anter-Abla-Kombination
hat bis heute nachhaltige, positive Auswirkungen und ist eine durchaus zukunftsträchtige
Erscheinung innerhalb des Gesamtprogramms. Besonders Anter-Töchter und Nazeer-Söhne
waren beliebte Anaarungen und in der Tat sehr erfolgreiche Verbindungen. |
Abgerundet wurde diese zweite Gruppe durch den Hengst Sameh. Er war ein enorm mächtiger, großer Hengst mit einer geradezu idealen kraftvollen Oberlinie und traumhaft schwebenden Gängen, ein wahres Mannsbild von Schimmelhengst. Im arabischen Ausdruck war er schwach, sein Kopf war schwer, schmaler und länglich, mit einem kleinen Auge. Ein Vererber für Substanz, kraftvollen Linien und Bewegung. In der Anpaarung mit feinen, edlen Stuten war manches möglich. Entweder vererbte er viel Erwünschtes von sich selbst, und der Typ, das Typvolle des weiblichen Anteils, blieb wie gewollt als durchaus gelungene Kombination im Sinne einer Gesamtaufwertung der geborenen Individuen erhalten oder aber Adel ging verloren, ein allzu kräftiges Pferd blieb als Folge und sich oft über Generationen wiederholend als Nachkomme zurück.
Photo: Forbis Sameh, substanzvoll und mächtig
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Als letzter bleibt
Balance, ein Typhengst war er ebenfalls nicht. Über seinen Enkel Amrulla
sollte sein Leistungsvermögen den Rennstuten in der ägyptischen Zucht erhalten werden.
Doch Amrulla war gleichzeitig der Sohn des Sid Abouhom, eine gewollte Rennkombination,
Balance - Sid Abouhom - Amrulla. Amrulla zeigte gute Leistungen, aber danach kam wenig.
Dieses einmalige Aufflackern der überdurchschnittlichen Rennleistung des Balance
wiederholte sich in seiner Nachfolge nicht mehr. Amrullas Erfolg mußte nicht allein bei
Balance zu suchen sein. Es lag nahe, seinem Vater Sid Abouhom diese Leistung
gutzuschreiben. Immerhin blieb als Sproß dieser männlichen Linie der Hengst Akhtal
zurück, ein hübscher, kleiner Hengst, dem nur eine kurze Karriere beschieden war.
Der bedeutendste Anter-Sohn war Gharib
Heute ist ein Umdenken im vollen Gange.
Nazeer-verwandte Hengste und Stuten erhalten wiederum Priorität. Die Zuchtleitung der
neunziger Jahre geht zurück in die Spuren, die einst El Zahraa zum Erfolg führten. Die
Nazeer-freien Hengste im europäischen und amerikanischen Ausland haben inzwischen längst
ihren Glanz verloren. Der Typ, für den Ägypten bis heute bekannt blieb und der
in den alten fünf Stuten und danach in Nazeer und seinen Söhnen und Töchtern gipfelte,
ist wiederentdeckt worden. Noch ist die Zeit zu kurz, um zu beurteilen, wem es gelingen
wird, in deren Fußstapfen zu treten. Eine neue Generation beginnt sich jedoch zu formen,
die den Abstecher ins Abseits und seine Folgen korrigieren könnte. |