Peter Gross ist nicht nur Architekt und Kunstsammler, sondern auch Liebhaber arabischer Pferde. Seit fast 20 Jahren hat er sich besonders dem ägyptischen Araber verschrieben. Klicken Sie hier um sein Gestüt zu besuchen!
Sich selbst beschreibt Peter Gross nicht gerade als perfekten "horseman", er könne nicht einmal "ein Pferd korrekt aufstellen". Doch wie einige seiner besonderen Kunstobjekte, spricht das arabische Pferd seinen Sinn für Ästhetik an.
In seiner in Deutschland wohl einmaligen Gestütsanlage, die auf den Ruinen eines Schlosses erbaut wurde, sprach Susanne Bösche mit ihm.Haben Sie Ihre Zucht schon zu Beginn auf ägyptischen Arabern aufgebaut?
Nein, zu Anfang haben wir auch russische und rumänische Stuten gehabt. Alles mögliche! Wir haben uns damals vor allem bei Züchtern in der Nähe umgesehen und gar nichts vom Unterschied zwischen ägyptischen und anderen Linien gewußt. Wir waren einfach nur begeistert von den Pferden.
Wie kamen Sie schließlich auf die Moheba-Familie des Fürsten Knyphausen?
In ganz junger Zeit ist mir sozusagen ein Licht aufgegangen. Wir hatten schon eine gute Stute - Masulka, eine Ghazal-Tochter aus der Moheba-Linie. Sie hat mir sehr viel geholfen, denn im Grunde kam ich durch sie auf die Moheba-Familie. Masulka war ein Pferd mit unheimlicher Ausstrahlung. Aber es kam der polnische Hengst Haladin in ihrem Pedigree vor.
Irgendwann erzählte mir ein Freund, er müsse in Lütetsburg Fohlen mustern. Wir sind zusammen hingefahren, und als ich die Stute Moheba II (Ghazal x Malacha) und ihre beiden Fohlen sah, war für mich die Sache klar.![]()
Foto: van Lent
Mahfouz (Madkour I x Mahameh), Hauptbeschäler bei Peter Gross
Ich wollte nur noch Araber aus dieser Familie haben! Durch die Vermittlung eines Bekannten konnte ich mir damals drei Pferde aussuchen. Das waren die Stuten Mahameh (Ibrahim x Mona III v. Hadban Enzahi) und die beiden Hengste Machmut (Ibrahim x Molesta v. Hadban Enzahi) und Melek (Ibrahim x Moheba II v. Ghazal). In den Jahren danach habe ich weiterhin engen Kontakt nach Lütetsburg gehalten, konnte teilweise Pferde pachten und sie im Endeffekt kaufen. Der ganze Knyphausen-Bestand ist dann ja hierher, zu mir gekommen.
Die Stammstute Mahameh
Warum setzten Sie Madkour I (Hadban Enzahi x Moheba II) bis zu seinem Tod im letzten Jahr immer wieder in Ihrer Zucht ein?
Als ich das erste Mal zu Ismer kam und den Hengst sah - oder nein, ich muß das anders erklären. Es hat zu dieser Zeit bei Dr. Nagel den Hengst Jamil (Madkour I x Hanan) gegeben. Ich sah ihn als ganz junges Fohlen, und für mich war dieses Fohlen in der Zeit das Tollste, was ich je in meinem Leben gesehen hatte! Dieser Charme! Das war ein völlig anderes Fohlen als alle anderen, die ich vorher gesehen hatte - selbst im Gestüt von Dr. Nagel. Dieser Jamil war einfach etwas ganz Besonderes. Darum bin ich auf Madkour I gekommen - ich mußte mir den Hengst einfach ansehen.Doch was genau war an Madkour I oder besser - an seinen Fohlen - nun so interessant?
Bei Dr. Nagel fiel mir zum ersten Mal auf, daß es Pferde gibt, die andere Augen haben. Das war mir vorher gar nicht bewußt. Ich habe zwar bemerkt, da ist irgendwo am Kopf irgend etwas; das eine spricht mich mehr an, das andere weniger. Doch was da genau die Gründe waren, das wurde mir erst später klar: diese großen, runden Augen, ohne Weiß darin. Ich würde sagen, es ist bei den Ägypterzüchtern nur einem gelungen, ein Pferd mit so schönen Augen zu züchten, und das ist Dr. Nagel mit Jamil. Leider ist es mir bisher nicht gelungen, dieses enorm große Auge von Madkour I nachzuzüchten. Dabei macht es so viel vom Typ eines Pferdes aus.Aber es hört sich doch etwas phantastisch an, bei einem Araber so auf die Augen zu schauen und sie quasi als Zuchtziel herauszustellen.
Es beschäftigen sich nur ganz wenige mit dieser komplizierten Thematik. Die meisten Züchter wissen gar nicht, daß das Schwierigste am Züchten ein großes Auge ist. Sie werden alles andere in relativ kurzer Zeit erreichen können: korrekte Beine, eine gute Kruppe. Sie bekommen selbst schöne schlanke Hälse hin, wenn Sie Araber der Rodania-Linie, zum Beispiel Alaa El Din, einsetzen.
Sie werden es andererseits ganz problematisch finden, ein großes rundes Auge zu bekommen. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, daß es bald nicht mehr möglich sein wird, denn diese Linien werden in reiner Form immer seltener.
Die Züchter spanischer Linien werben oft mit dem berühmten "spanischen Auge". Anscheinend kommt man in diesem Teilpunkt mit den spanischen Linien weiter!
Da muß ich Ihnen recht geben. Einige Spanier haben sehr schöne Augen. Wie sich das genetisch erklären läßt, weiß ich nicht, da ich mich nicht damit beschäftigt habe. Und sie geben das große Auge weiter. Das sieht man an den Pferden von Heinz-Rüdiger Merz, die zum Teil verhältnismäßig große Augen besitzen. Dort kommen sie eben von den spanischen Stuten und nicht von dem Morafic-Sohn Shaker El Masri, der selber keine großen Augen hatte.
Was kennzeichnet für Sie arabischen Typ?
Bestimmte Kriterien müssen unbedingt erfüllt sein: Trockenheit, Feinheit, kleine Ohren, große runde Augen/Nüsternpartie, seidige Mähne, hohe Schweifhaltung, stolze Körperhaltung. Wichtig ist dabei auch ein korrektes Exterieur, denn Korrektheit bedeutet Harmonie, die untrennbar mit arabischem Typ verbunden ist. Dennoch darf ein Pferd nicht in seine Einzelteile zerlegt werden, um diese Frage zu beantworten. Es muß als ganzes "arabisch" wirken, um typvoll zu sein.
Wenn Sie Ihr persönliches Ideal mit den Pferden vergleichen, die zur Zeit auf Schauen siegen, entspricht dieser Trend Ihrem Ziel? Sind diese Pferde für Sie noch Araber im eigentlichen Sinn?
Im Prinzip möchte ich einen Ghazal, wie man ihn einst in der bekannten Hutschenreuther-Statue dargestellt hat. So schön, so perfekt war er ja nicht. Aber mein Ideal sieht etwa so aus wie dieses bekannte Modell. Dagegen sind beispielsweise die extrem langen Hälse, die heute so auf Schauen gesucht sind und prämiert werden, für mich nicht "arabisch". Wir müssen dem arabischen Pferd seine Merkmale zugestehen. Natürlich, das beinhaltet auch ausgeprägte Unterhälse, wenig Aufsatz, ein hohes Kreuzbein. Doch heute werden Araber viel zu "gefällig" gezüchtet, zu wenig arabisch.
Haben Sie Probleme, mit Ihrer Zucht quasi als Außenseiter dazustehen?
Durchaus nicht! Ein Ideal ist auch eine Sache, die aus Beobachtung und immer wieder Hinschauen resultiert. Man will schließlich etwas Bestimmtes erreichen. Es ist eine Sache des Gefühls. Das hat ebenso etwas mit Kunst zu tun. Entweder man kann etwas in einem Kunstwerk sehen oder es fehlt einem das Gespür dafür. Das berücksichtigen viele Züchter überhaupt nicht oder sehen es nicht - und ich weiß nicht, warum sie es nicht sehen.Einige sehen es aber doch. So gewann seine junge Stute Mohebah (El Shahwan v. Machmut x Maboubah v. Madkour I x Mahameh) - ein Zuchtprodukt der dritten Generation - im letzten Jahr jeweils das Reserve-Championat des Asil Cups und das der deutschen Nationalschau. Wo sehen Sie die Zukunft des arabischen Pferdes?
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Mohebahs erste Schritte ins Leben
Um das zu beantworten, muß ich etwas ausholen. Für viele Züchter scheint heute das Kriterium Reiterei so enorm wichtig zu sein. Ich gehe davon aus, daß Araber, die von Beduinen für Raubzüge benutzt wurden, ein bestimmtes Maß an Leistung erbringen können. Es steckt in ihrer Vererbung. Darum ist für mich dieses Kriterium nicht vorrangig. Es gibt außerdem viele Pferderassen, die dafür gezüchtet wurden Pflüge und Kutschen zu ziehen oder in der Hohen Schule geritten zu werden. Viele sind reine "Funktionspferde". Beim Araber ist das anders. Früher konnten sich Könige für diese Pferde begeistern. Es steckt ein anderer Sinn hinter dieser Zucht. Ein Schönheitsideal, eine Ästhetik, sich an einem schönen Wesen zu erfreuen. Nur aus diesem Grund habe ich arabische Pferde. Es gibt wenige Züchter, die rein auf Erhaltung Wert legen. Zu viele wollen in Richtung "Reitpferd" züchten. Deswegen wird es auch irgendwann den Untergang des arabischen Pferdes geben. Wir müssen erkennen, daß es viele verschiedene Pferderassen gibt. Es besteht keinerlei Notwendigkeit, daß ein Araber genau die gleichen Eignungen haben muß wie zwanzig andere Pferderassen.
Herr Gross, vielen Dank für das Gespräch.