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Photo: Boiselle |
Die
Decksaison dieses Jahres ist fast vorüber, doch die nächste
kommt bestimmt. Damit Sie auf die künftigen Rendezvous Ihres
Hengstes vorbereitet sind, haben wir einige Züchter um die Beantwortung
von ein paar Fragen rund um das Thema "Decken" gebeten.
Es sollen Anhaltspunkte für Einsteiger sein, denen die Erfahrung
im praktischen Umgang mit Hengsten noch fehlt. Wir wünschen uns,
daß die Decksaison für jeden Hengst zum ungetrübten
Höhepunkt des Jahres wird. Daher lesen Sie diesen Beitrag aufmerksam
- Ihr Hengst wird es Ihnen danken!
F: Wieviele Stuten kann ein etwa sechs- bis zehnjähriger Hengst in einer Woche decken? Heiner Buschfort, Gestüt Kauber Platte: Grundsätzlich deckt ein Hengst nur einmal täglich. Wenn erforderlich, kann er jeden zweiten Tag ein zweites Mal decken. |
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F: Wie schützen Sie die Gesundheit des Hengstes? Rosemarie Kolster, Altländer Araberhof: Alle, auch die eigenen Stuten, sollten folgende Grundbedingungen erfüllen: 1. Tupferprobenergebnis mit für die Bedeckung erforderlicher Mindestkeimfreiheit. 2. Wirksame Impfung (mindestens 14 Tage vorher) gegen Influenza und Rhinopneumonitis. 3. Allgemeines Gesundheitszeugnis der Stute und des Herkunftstalles. 4. Regelmäßige Entwurmung; hier muß man sich (wenn nicht an der Stute offensichtlich und damit zur Bedeckung abgelehnt) auf das Verantwortungsbewußtsein des Stutenbesitzers verlassen.
Photo: Filsinger Der junge Champion-Hengst Nabeel (Maysoun x Bint Nabilahh), gezogen von Rosemarie Kolster
F: Schautraining, Schauauftritte, Vorbereitung auf die HLP etc. und Deckeinsatz? Läßt sich das problemlos vereinbaren? Cornelia Tauschke, Gestüt El Thayeba: Die vorgenannten Punkte vereinbaren sich eigentlich problemlos miteinander, soweit der Deckeinsatz des Hengstes in einem angemessenen Rahmen bleibt. Die meisten Hengste verlieren während der Decksaison an Gewicht und sind deshalb nicht in der gewünschten "Schau-Kondition". Der Hengst verliert an Gewicht nicht durch die Bedeckung als solche, sondern weil er durch den Deckeinsatz unruhig ist und entsprechend schlecht frißt. Meiner Meinung nach hat es ein gutes Pferd aber auch nicht nötig, seine Fehler mit Fett zu verdecken. Es ist zwar nicht leicht, das den Richtern klarzumachen (besonders denen, die den polnischen und russischen Typ bevorzugen), aber manchmal klappt auch das!
Photo: Sachs El Thay Mameluk (Ibn Nazeema x El Thay Mansoura)
F: Am Rande: Was bedeutet heute eigentlich ein Schausieg? Ohne Sieg keine Chance im Deckgeschäft? Peter Gross, Gestüt Gut Dieckhorst: Bei den Kriterien, die heute Grundlage der Beurteilung auf Schauen sind, bedeutet mir ein Sieg gar nichts! Davon abgesehen läßt sich das Vererberpotential ohnehin nicht am Phänotyp allein ausmachen. Trotz einiger Mängel kann ein Hengst andere, gute Punkte vererben, die in seiner Abstammung verankert sind. Ohne Schausieg keine Chance im Deckgeschäft? Darauf fallen nur Unerfahrene herein... F: Ab welchem Alter sollte ein Hengst zum Deckeinsatz kommen? Heiner Buschfort: Grundsätzlich erst mit drei Jahren. In Ausnahmefällen wenige Stuten auch bereits mit zweieinhalb Jahren, wobei die Stuten möglichst ruhig und deckerfahren (ältere Stuten!) sein sollten. Auf der Kauber Platte keine Fremdstuten für zweijährige Hengste. Nur wenn wirklich züchterisch sinnvoll und erforderlich, gestütseigene, im Verhalten genau bekannte und berechenbare Mutterstuten aus dem eigenen Bestand.
Photo: van Lent Peter Gross mit seiner Stute Saemah (Madkour I x El Samraa)
F: Wie decken Sie mit Ihrem Hengst? Schildern Sie uns den idealen Ablauf eines Deckaktes. Peter Gross: Idealer Deckakt: Keine Schwierigkeiten, keine Fesseln oder Bremsen nötig. Die Stute steht wie eine deutsche Eiche, beide Pferde machen ein glückliches Gesicht. Und die Stute wird beim ersten Mal tragend. Armin Münch, Gestüt Schwarzwald-Baar: Hengstbox auf, Stutenbox auf - volle Deckung! Spaß beiseite, denn oberstes Gebot hierbei ist: Sicherheit für alle Beteiligten! Das fängt mit der Wahl des richtigen Standortes für den Deckstand an. Der Untergrund muß unbedingt rutschfest sein sowie aus hygienischen Gründen leicht zu reinigen. Ein ausgiebiges Abprobieren der Stute, das übrigens einen sehr disziplinierten Hengst erfordert, ist das sprichwörtliche "A und O". Es zeigt nicht nur in den meisten Fällen, ob die Stute paarungsbereit ist oder nicht, wodurch das Risiko des Ausschlagens nach dem Hengst merklich verringert wird. Das Abprobieren trägt auch wesentlich dazu bei, ängstlichen bzw. unerfahrenen Stuten die Angst vor dem Hengst zu nehmen, so daß sie sich entspannen kann und der Deckakt keiner Vergewaltigung gleichkommt. Ergibt das Abprobieren, daß die Stute rossig ist, werden die endgültigen Vorbereitungen für den Deckakt selbst getroffen. Der Schweif der Stute wird einbandagiert, um zu vermeiden, daß durch die Haare Verletzungen in ihrer Scheide bzw. am Schlauch des Hengstes entstehen. Anschließend werden ihr Scheidenbereich und - sobald er völlig ausgeschachtet hat - auch der Penis des Hengstes mit einem milden Desinfektionsmittel gereinigt. Wenn der Hengst nun der paarungsbereiten Stute zugeführt wird, ist unbedingt darauf zu achten, daß der Hengsthalter den Hengst jederzeit unter Kontrolle behält. Ein unkontrolliertes Drauflosstürmen erschreckt nicht nur die Stute (die in aller Regel gefesselt und damit weitgehend bewegungsunfähig ist). Es kann besonders für den Stutenhalter, aber auch für Hengst und Stute selber, gefährlich werden. Der Hengsthalter muß bestimmen, wie sich der Hengst der Stute nähert, vor allem aber, wann er springt! Nach dem Deckakt sollte die Stute noch ungefähr zehn Minuten lang geführt werden, damit sie sich entspannt und die Samenflüssigkeit nicht wieder aus der Scheide preßt.
Photo: van Lent Armin Münch mit seinem Freund Saddam (Gharib x Senitza)
F: Wie verhält sich der "Jungmann" in der Regel beim ersten Deckakt? Rosemarie Kolster: In der Regel bespringt der Junghengst die Stute an irgendeiner Stelle (angeborener Reflex, macht er bereits als Fohlen). Irgendwann findet er dann die richtige Richtung - der Hengsthalter kann dabei helfen, er muß es aber nicht. Wenn der Hengst dann das erste Mal gedeckt hat, kann er es für die weitere Zukunft. Im allgemeinen bringen wir einen das erste Mal deckenden Hengst nicht mit einer Maidenstute zusammen, weil diese häufig aus Unwissenheit nach dem bespringenden Hengst schlägt und ihn sehr empfindlich verletzen kann. F: Welches sind die häufigsten Probleme im Verhalten des Hengstes beim Decken? Heiner Buschfort: Erziehung ist für jeden Hengst, aber ganz besonders für den Deckhengst wichtig. Der Deckhengst muß gelernt haben, daß nicht er den Hengsthalter führen kann und darf, sondern der Deckhengst muß vom Hengstführer stets kontrollierbar bleiben. Bis der Hengst deckbereit ist und er vom Hengstführer ermuntert wird, aufzuspringen. Es ist nicht zu verantworten, wenn Mensch und Tier in Deckung gehen müssen, weil der Hengst decken will, ohne daß der Hengstführer den Zeitpunkt des Deckens für gekommen hält. Das ist dann Zuschauern gegenüber auch nicht mit "typisch arabischem Temperament" zu entschuldigen: Unerzogene Deckhengste haben einfach ein Ausbildungsdefizit und sind eine Gefahr für die beim Decken assistierenden Menschen und für die Stute - und nicht zuletzt für den Hengst selbst. Im Verhalten schwierige Deckhengste entwickeln sich oft aus verhätschelten "süßen" Hengstfohlen, denen der Respekt vor dem Menschen oft früh erfolgreich aberzogen wurde.
Photo: Anders El Thay Thamam (Madkour I x Taghreed)
F: Wie oft muß eine Stute in der Regel gedeckt werden, damit sie aufnimmt? Cornelia Tauschke: Bei Kenntnis der Rossedauer genügt in der Regel eine ein- bis zweimalige Bedeckung im Abstand von 36 bis 48 Stunden. Häufige Bedeckungen steigern nur die Infektionsbereitschaft der Stute. F: Welche "Grundbedürfnisse" hat ein Hengst? Beeinflußt die Psyche des Hengstes seine Fruchtbarkeit? Cornelia Tauschke: Nein, in der Regel nicht. Höchstens seine Decklust. Trotzdem tun wir alles, daß unsere Hengste sich wohlfühlen. Man muß sich klar darüber sein, daß der Hengst in der freien Wildbahn mit seiner Herde läuft. Das ist in den meisten größeren Gestüten nicht möglich. Deshalb muß man versuchen, diesem natürlichen Bedürfnis des Hengstes (bei seinen Stuten zu sein) nachzukommen. Unsere Hengste stehen deshalb nicht in extra Hengstställen, sondern haben ihre Box zwischen den Stuten - ohne Gitter. Auch die Hengstweide ist nicht isoliert, sondern grenzt mit einer Seite an die Stutenweide, so daß Kontaktmöglichkeiten bestehen. Das hat einen erheblichen erzieherischen Vorteil: Für Hengste, die so gehalten werden, ist die Stute nicht nur ein Objekt, das gedeckt werden kann sobald ein Mensch sie festhält, sondern eine Partnerin, die nur zu bestimmten Zeiten paarungsbereit ist. Das wirkt sich positiv aus - zum Beispiel unter dem Sattel oder bei einem gemeinsamen Transport von Hengst und Stute. Wolfgang Bindl, Gestüt Isental: Klares "Ja". Ein Hengst ist sehr sensibel. Grundsätzlich braucht er viel Bewegung, frische Luft und Sonne, d.h. täglicher Weidegang mit seiner Herde und Abwechslung durch Ausritte, Longieren, Pflege, Putzen, Training - einfach menschliche Zuwendung. Zu den allgemeinen "Grundbedürfnissen" braucht ein Hengst das "Zeitunglesen", d.h. Beschnuppern des Mistes von Stuten, anderen Hengsten und Jungtieren. Er will sein Revier markieren und seine Stutenherde oder entsprechende Junghengste beaufsichtigen. In der Stutenherde probiert er automatisch täglich die Stuten ab, ob nicht "etwas geht". Isolationshaltung eines Hengstes in der Gitterbox lehnen wir strikt als Tierquälerei ab. Sonderfall ist ein Reithengst, der nicht deckt und täglich geritten wird. Heiner Buschfort: Um hier eine seriöse Aussage machen zu können, kommt man sicher nicht ohne fundierte wissenschaftliche Untersuchungen aus. Ich weiß nicht, ob diese vorliegen. Bestimmt wird ein richtig ernährter, regelmäßig gearbeiteter (auch gerittener) Hengst mit einem "ausgefüllten" Tagesablauf (auch Weidegang), der konsequent gut behandelt wird, der ausgeglichenere Deckhengst sein. Im Gegensatz zu einem Hengst, der nur vor dem Decken mit dem Menschen Kontakt aufnehmen kann.
Photo: van Lent Heiner Buschfort
F: Künstliche Befruchtung. Wie stehen Sie dazu? Cornelia Tauschke: Positiv. Schützt die Stute, schont den Hengst, erfordert jedoch viel technischen Aufwand, der bei der Größe unserer Arabergestüte zu aufwendig ist. |
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