Rik van Lent jr.


Dein Stern wird für immer strahlen...
1984  -  2002

Im Laufe seines Lebens hat Imperial Madheen viele Herzen in vielen verschiedenen Ländern berührt. In Deutschland wurde er von seinem Züchter Prof. Siegfried Paufler und dessen Frau geliebt. In den USA bewunderte ihn Barbara Griffith, die Besitzerin des Imperial Gestüts, die ihn nach Amerika geholt hatte. In Südamerika begeisterte sich Baron Zichy-Thyssen für ihn und kaufte ihn schließlich, um Madheens wertvolles Blut in seine Herde zu integrieren. In Ägypten schließlich, seiner letzten Heimat, fand Imperial Madheen Ruhe und Frieden in den Stallungen des Züchters Omar Sakr, wo er wie ein König herrschte. Das waren die Menschen, die ihn für eine Weile besitzen durften. 
Aber es gab unzählige andere. Manche sahen ihn nur ein einziges Mal, andere brachten ihm ihre Stuten oder besitzen eine Tochter, einen Sohn oder Enkelkinder von ihm. Alle wurde sie von ihm berührt. Mir erging es ebenso. Ich bewunderte ihn für alles, was ihn ausmachte – er war ein Champion, ein Reitpferd, der charmante Freund, der ”dollarschwere” Vererber.  Es fiel so leicht ihn zu bewundern...


Photo: Jerry Sparagowski
Imperial Madheen auf der Koppel 
des Imperial-Gestüts

Wenn ich die Augen schließe, sehe ich ihn vor mir, wie er im Paddock des Imperial-Gestüts umhertobt. Stolz, mit hochgerecktem Hals, weit geöffneten Augen und gespitzten kleinen Ohren ruft er den Stuten seine Liebesbotschaft über den Zaun. Er steigt und paradiert vor mir. Wenn ich ihn doch nur noch ein einziges Mal sehen dürfte!  


Photo: Paufler
Imperial Madheen als Fohlen

Und alles begann ganz beschaulich in Deutschland. Auf dem kleinen Gestüt von Siegfried Paufler kam Madhin (so hieß er damals noch) auf die Welt. Als Drittgeborener seiner Mutter Madinah (Ibn Galal x Mona II). Sein Vater war Messaoud (Madkour OA x Maymoonah), der noch immer zu den gefragten Beschälern in Deutschland gehört.  


Photo: Erwin Escher
Messaoud - der Vater...

Madhin war der Erste in einer Reihe von fünf Vollgeschwistern. Seine bekannteste Schwester Mesoudah-M kann am besten als weibliches Gegenstück zu ihm beschreiben werden. Nahezu alle ihre Kinder haben Championate gewonnen oder Nachkommen gezaubert, die ihrerseits wieder Championate errungen haben.


Photo: Erwin Escher
... und Madinah, die Mutter

Madhin gewann seine erste Schau noch an der Seite seiner Mutter. In Gieboldehausen wurde er im zarten Alter von nur drei Monaten Reserve-Junioren-Champion. Ein verheißungsvoller Start!  


Photo: Scott Trees
Imperial Madheen in Schaukondition

Der Rest ist Geschichte, wie die Amerikaner sagen. Imperials Managerin Eileen Verdieck durchstreifte auf der Suche nach dem idealen Outcros-Hengst auch Deutschland und nahm gleich zwei Messaoud-Söhne mit über den großen Teich: Madhin und Orashan. Als ”Imperial Madheen” wurde er in Amerika auf schauen geschickt und gewann einige beachtliche Titel. Doch sein Geschick lag auf einem anderen Gebiet. Schnell etablierte er sich als Vererber, der vor allem durch seine Söhne in den Brennpunkt des züchterischen Interesses rückte. Denn die wuchsen sich ebenfalls zu verläßlichen Beschälern aus. Ob in Australien, Ägypten, den USA, Marokko oder Qatar – die Madheen-Söhne erregten Aufmerksamkeit auf fast jedem Kontinent.

Imperial Madaar (x Ansata Nile Mist) des Simeon-Gestüts wurde 1992 australischer Champion und hat seitdem einige hervorragende Nachkommen für seine Besitzerin Marion Richmond geliefert. Seine bezaubernde Tochter Simeon Sarice (im Besitz von Uwe-Jürgen Wagner und Thomas Bobrzyk) kam gerade rechtzeitig zum Egyptian Event Europe in Deutschland an, wo sie auf Anhieb den zweiten Platz erreichte.  


Photo: Nicole Sachs
Eine Botschafterin des Madheen-Blutes
in Deutschland ist Simeon Sarice

Im Gestüt des verstorbenen Königs Hassan von Marokko standen gleich drei Madheen-Söhne Schulter an Schulter. Einer von ihnen war der frühere Junioren-Welt-Champion Imperial Mashhar (x Imperial Janaabah). Schwarz wie Ebenholz, war er der Favorit des Königs. Seine Nachkommen finden sich mittlerweile in vielen Ländern Europas.  


Photo: Scott Trees
Imperial Janaabah (vorne) mit ihrem 
Fohlen Imperial Mashhar 

In Qatar vermochte jahrelang keiner die Stute Imperial Madanah (x Imperial Naffata) in der ”Most Classic Head”-Klasse zu schlagen, während sich sein Sohn Imperial Mahzeer als großartiger Vererber etablierte. Der typvolle Al Rayyan (x Imperial Naffata), der nach Saudi Arabien verkauft wurde, war Reserve-Champion des Arabian Horse Cups in Jeddah und zog die Besucher durch seinen extremen Kopf in seinen Bann.  


Photo: Rik van Lent jr.
Imperial Madanah mit ihrem Besitzer, Sheikh Nawaf Al Thani

Selbst weltbekannte Züchter wie Judith Forbis streckten ihre Hand nach Madheen aus. Sie sandte ihm eine ihrer besten Stuten – Ansata Samantha, Gründerin einer weltweiten Dynastie. Das Resultat war kein anderer als Ansata Sokar, der Hengst mit der fabelhaften Oberlinie, der auf dem Ansata-Gestüt als Deckhengst aufgestellt ist und sich leise und unauffällig einen Namen als Vererber erarbeitet hat. Seine Fohlen sind die mit den ”Bette Davis-Augen”.  


Photo: Jerry Sparagowski
Ansata Sokar 
(Imperial Madheen x Ansata Samantha)

Madheens Tochter Madinah Bint Saariyah schließlich gewann 1997 das Supreme-Championat des Egyptian Events in Kentucky. Natürlich gibt es noch viele andere Nachkommen von Madheen, die der Stolz ihrer Besitzer in aller Welt sind. Doch wer wollte und könnte sie alle aufzählen?  


Photo: privat
Il Nasek (Imperial Madheen x Il Naheefa)
steht ebenfalls in Ägypten

Imperial Madheen wechselte mehrfach den Besitzer. Natürlich wollten ihn viele ihr eigen nennen. Doch Pferde sind wie Bäume und bleiben zeitlebens am liebsten an einem Standort. Aber Imperial verkaufte ihn nach Kanada an die Montebello-Farm, ein obskures ”Gestüt”, dessen Besitzer einzig und allein daran interessiert waren mit arabischen Pferde Geld zu verdienen. 1995 entschloss sich Baron Zichy-Thyssen Madheen zu kaufen, flog nach Texas (wo Madheen zum Decken stand) und unterschrieb den Vertrag – es kostete ihn genau fünf Minuten Zeit, denn er wollte den Hengst unbedingt. Madheen wurde nach Argentinien transportiert und begann das sorgenfrei Leben eines arabischen Paschas – es gab reichlich Futter und reichlich Haremsdamen. Es war wie im Pferdehimmel.  


Photo: Rik van Lent jr.
Imperial Madheen, fotografiert in Argentinien

Als Omar Sakr hörte, dass Madheen eventuell zu haben sei, flog er sofort nach Argentinien. Er wollte der Erste sein. Das war er auch – aber beileibe nicht der Einzige. Obwohl einer der Scheichs aus Qatar großes Interesse an Madheen hatte, erhielt Omar Sakr den Zuschlag. Er brachte ihn nach Ägypten (mit einer Zwischenstation auf Dr. Nagels Katharinenhof, wo viele seiner deutschen Fans ihn noch einmal sehen konnten) – es war Madheens letzte Reise.

”Es hat Jahre gedauert bis sich mein Traum endlich erfüllte und Madheen in Ägypten war”, sagt Omar Sakr. ”Vor zwei Jahren, als Baron Zichy-Thyssen mein Angebot für Maheen akzeptierte, ging ich auf Wolken. Es ist mehr als tragisch, ihn so plötzlich und so früh zu verlieren. Mein Zuchtprogramm baut auf ihm auf; seine Kinder, Enkel und Urenkel sind die Säulen des Gestüts. Sein Erbe wird weiterleben, doch sein Tod ist schwer zu verkraften. Vor seinem Abflug in den USA verletzte er sich – und seitdem war er nicht mehr der Alte. Er verlor Gewicht und diejenigen von Ihnen, die ihn bei seinem Zwischenstopp bei Dr. Nagel sahen, sprachen mich voller Sorge darauf an. Er erholte sich zwar ein wenig, blieb aber ein Schatten seiner selbst.”


Photo: Susanne Bösche
Imperial Madheen auf Zwischenstation in Deutschland

”Dann folgte eine leichte Kolik – doch er war schon zu schwach, um dagegen ankämpfen zu können. Drei Tage lang mussten wir zusehen wie er uns entglitt. Schließlich versagte sein Herz. Wir trauern um ihn, denn er war der wahre Herrscher des Gestüts, der nach Ägypten zurückgekehrt war, um seinen rechtmäßigen Platz einzunehmen. Mir bleiben zwei großartige Söhne und zwei Stuten, die von ihm tragend sind und Ende des Jahres fohlen werden.”


Photo: Erwin Escher
Der Nachfolger: Omar Sakrs Imperial Madori

Die zwei Söhne sind keine geringeren als Imperial Madori (x Imperial Orianah v. Orashan) und Tallahsman (x Bint Atallah v. Ruminaja Ali). Ohne Zweifel zwei seiner prominentesten Söhne mit Legionen erfolgreicher Nachkommen. Alleine bei der letzten Züchterschau in Ägypten stellten die beiden vier Champions und Reserve-Champions – von insgesamt sechs!


Photo: Carola Toischel
Nayla Sakr (v. Imperial Madori), 
Junioren-Championesse
in Ägypten

Imperial Madoris siegreichste Tochter, Gelgelah Al Badeia, reiste in diesem Jahr nach Deutschland, um sich mit europäischen Pferde zu messen. Ihr erster Schauauftritt geriet zum Triumph – bei Egyptian Event Europe wählten sie die Richter zum ”Ägypter des Jahres”! Die Zuschauer waren begeistert von ihrem Charme und ihrer gewaltigen Trabaktion und jubelten ihr zu. Sie nahm Deutschland im Sturm! Eine weitere Madori-Tochter befindet sich in England (im Besitz von Hassanain Al Nakeeb): die schwarze Samara SQR, die in diesem Jahr den dritten Platz ihrer Klasse in Towerlands errang.


Photo: Nasr Marei
Gelgelah Al Badeia

Leb wohl, mein Freund. Vielen Dank für die schönen Erinnerungen, die Du so vielen von uns schenktest. Wenn wir jetzt in den Himmel schauen, werden wir einen neuen, leuchtenden Stern sehen, der auf Deine Kinder und Kindeskinder herableuchtet. Du wirst immer bei ihnen sein – und bei denen, die Dich kannten.

Thomas Ellrott & Oliver Wibihal


Photo: Rik van Lent jr.


This feature was brought to you in September 2002 by:

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