
Von Hannelore Hagedorn
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Es
gibt Momente im Leben eines jeden Züchters, die er niemals missen möchte, wenn er aus Liebe zur Kreatur züchtet. Ist es endlich so weit und die Stute legt ich nieder, halten wir vor Spannung fast den Atem an. Erst wenn’s ich herausstellt, dass die Geburt normal verläuft, die Vorderbeine in richtiger Lage sichtbar werden, lockert sich die Anspannung.
Die Stute benötigt ihre ganze Kraft dem neuen Leben ans Licht der Welt zu verhelfen. Bei Stuten, die schon öfter gefohlt haben, geht die Geburt meist rechts schnell voran. In kurzen Pausen zwischen den Presswehen erholt sie sich von der Anstrengung. Wenn das kleine Wesen mit der letzten Wehe in die neue kalte Welt gerutscht ist, spüren wir die Erleichterung der Stute. Es folgt ein erstes, vorsichtiges Schnuppern in Richtung des Fohlens, ein leichtes Wiehern – ganz zaghaft und liebevoll. Es ist ein bewegender Moment, wenn ein kleines Fohlen das erste Mal versucht aufzustehen, sich aufzurappeln und zuerst noch zurück ins Stroh purzelt. Meistens reißt der Nabel in dem Moment an der richtigen Stelle, in dem die Stute aufsteht. Nachdem dieser versorgt ist, kann man Stute und Fohlen vorerst sich selbst überlassen. Eine gute Mutterstute wird zuerst ihr Fohlen trockenlecken. Hat das Fohlen es geschafft auf die Beine zu kommen, beginnt die Suche nach der Milchquelle. Nachdem die Nachgeburt hochgebunden ist, damit die Stute nicht darauf tritt, betrachten wir in Ruhe den Neuzugang. Saugt das Kleine schließlich
zum ersten mal, ist die Welt für uns wirklich noch in Ordnung. Glücksgefühle
durchströmen uns. Darin liegt für mich der Sinn im Leben eines Züchters.
Besonders belohnt wird man, wenn man feststellt, dass ein Fohlen die züchterischen
Erwartungen erfüllt, die man in eine Anpaarung gesetzt hat.
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