Sein Leben und sein Vermächtnis

 

Photo: Polly Knoll

Von Cynthia Culbertson


Wäre Ruminaja Ali ein Mensch gewesen, wäre sein Leben ohne Zweifel verfilmt worden. Ein junger Drehbuchschreiber hätte sich des Stoffes angenommen und ihn einem Hollywood-Produzenten vorgeschlagen. Dann hätte man nach einem attraktiven männlichen Hauptdarsteller gesucht und der Film ware weltweit in die Kinos gekommen. Mit Sicherheit hätten auch Sie ihn gesehen.

Alle Elemente eines klassischen Hollywoodstreifens sind vorhanden – ein junger Bursche, dessen Großeltern aus einem fernen Land nach Amerika gekommen waren, wird von zu Hause fortgeschickt. Doch er wird abgelehnt und kehrt schmachvoll in sein Elternhaus zurück. Dann findet er eine neue Adoptiv-Familie, nimmt an einem nationalen Wettkampf für Jugendliche teil, aus dem er, der “Underdog”, den niemand kennt, als strahlender Sieger hervorgeht. Nach dem Sieg des nationalen Championats fällt er einem jungen dynamischen Manager auf, der ihn zu noch größeren Leistungen antreibt. Als Erwachsener steht er erneut im Rampenlicht. Ein Millionen-Syndikat folgt. Auktionen, denen Berühmtheiten aus aller Welt beiwohnen und die alle Rekorde brechen. Söhne, Töchter und Enkelkinder erreichen Starstatus in vielen Ländern der Welt. Am Ende seines Lebens kehrt er an den Ort seiner Jugend zurück und verbringt die letzten Jahre bei seiner Familie, die ihn begleitete und ihm treu zur Seite stand seit er zwei Jahre alt war.

 

Photo: Polly Knoll

Ruminaja Ali auf dem Gestüt von David Gardner in Texas
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Doch Filme kommen und gehen. Längst sind sie vergessen, sobald die nächsten ins Kino kommen. Vielleicht sollten wir doch dankbar sein, dass Ruminaja Ali ein Pferd war? Nicht irgendein Pferd, sondern ein arabischer Hengst überragenden Typs und Exterieurs, der bereits zu seinen Lebzeiten eine eigene Dynastie gründete. Ein Hengst, dessen Einfluss über die Jahrzehnte erhalten bleiben wird; dessen Kinder und Kindeskinder bereits selbst Bedeutendes in der Zucht bewirkten und durch die Schönheit und die Qualität, die ihnen Ruminaja Ali vererbte, die Welt erobert haben.

Ruminaja Ali wurde am 11. Mai 1976 geboren. Gezogen wurde er von Russel und Mildred Jameson auf ihrem Gestüt “Ranch Ruminaja”. Sein Pedigree, eine gelungene Mischung der “neuen” ägyptischen Importe (im Genensatz zu den “alten” Babson-Importen), war ein Beispiel dafür wie wahr der alte Züchterspruch ist, der da heißt: “Lass den Vater des Vaters den Großvater der Mutter sein”. In seinem Fall war das Morafic, legendärer Sohn des Nazeer und Vererber mit weltweiter Geltung.
Alle vier Großeltern von Ruminaja Ali, inklusive Morafic, wurden von Doug und Margaret Marshall aus Ägypten importiert und kamen in den sechziger Jahren in die USA. Sie und weitere Importpferde bildeten den Nukleus ihrer “Gleannloch Farm” in Texas. Zusammen mit den frühen Ansata-Importen leiteten sie eine Renaissance ägyptischer Linien in den USA ein.

 

Photo: Johnny Johnston

Ruminaja Alis Vater Shaikh Al Badi (Morafic x Bint Maisa El Saghira)
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Die Welt hielt den Atem an und war hingerissen von Morafics Schönheit. Doch auch die braune Nazeer-Tochter Bint Maisa El Saghira hat ihren Teil dazu beigetragen den ägyptischen Araber in den USA bekannt zu machen als sie mit enormen Trabschritten durch die Schauarenen des Landes stürmte und einen Titel nach dem anderen gewann. Ihr gemeinsamer Sohn Shaikh Al Badi, der 1969 zur Welt kam, wurde zu einem der bedeutendsten Morafic-Söhne und zeugte fast 700 Fohlen – inklusive Ruminaja Ali.

 

Photo: Polly Knoll

Ruminaja Alis Mutter Bint Magidaa (Khofo x Magidaa)
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Bint Magidaa, Ruminaja Alis Mutter, war eine Halbschwester des bekannten Hengstes Nabiel. Sie schenkte in ihrem Leben siebzehn Fohlen das Leben. Darunter befanden sich viele Champions. Khofo, der Vater von Bint Magidaa, ist ein weiterer Quell des so gesuchten Morafic-Bluts. Seine Mutter war die hervorragende Anter-Tochter Nabilahh, eine Halbschwester des ätherischen Farazdacs. Ali ist auf Nazeer liniengezüchtet und führt außerdem die Hengste Anter, Shahloul und Sid Abouhom im Pedigree. Die berühmten Stuten in seiner Abstammung entstammen den besten Familien – es sind Moniet el Nefous, Zareefa, Yosreia und Kateefa. Ruminaja Ali war ein Abayyan Om Jurays, der in der Mutterlinie auf eine Stute des Königs Abdul Aziz von Saudi Arabien zurückgeht, die in den dreißiger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts als Geschenk des arabischen Potentaten nach Ägypten gekommen war.

Nicht verwunderlich, dass Ruminaja Ali ein bezauberndes Fohlen war, das sich in einen beeindruckenden Junghengst verwandelte. Seine ersten Schauen beendete er als Sieger. Bei einem dieser frühen Auftritte in West Michigan führte das Schicksal Ruminaja Ali und die Familie Bergren zusammen. Tom Bergren und seine Mutter standen wie vom Donner gerührt und konnten ihre Blicke nicht mehr von dem großen, stürmischen Junghengst abwenden, den sein Trainer Gene Reichardt gerade zum Sieg geführt hatte. Tom rief sofort seinen Bruder Jim an und bat ihn, sich den Hengst anzusehen. Und zwar sofort!

 


Ali in all seiner Pracht.
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“Es war nicht leicht an Ruminaja Ali heranzukommen”, erklärt Jim. “Als ich endlich Zeit hatte bis zum anderen Ende des Staates zu fliegen, wo er sich befand, mussten wir erfahren, dass wir zu spät gekommen waren. Ruminaja Ali war bereits verkauft!” Die Zeit verging. Als die Bergrens wieder einmal einige ihrer Stuten auf dem Gestüt der Jamesons abholten, wo sie von Shaikh Al Badi belegt worden waren, kamen sie zufällig auf Ruminaja Ali zu sprechen und hörten, dass der damalige Käufer ihn wieder zurückgeschickt hatte und er erneut bei Gene Reichardt stand. “Wir sprachen den ganzen Weg nach Hause über nichts anderes”, erinnert sich Jim. “Wir entschieden, dass ich nach Milwaukee in Wisconsin fliegen sollte, um ihn mir anzusehen.” Einfacher gesagt als getan. Als Jim sich schon auf dem Rollfeld und auf dem Weg zum Flugzeug befand, streifte der Wagen mit den Koffern der Passagiere plötzlich einen Flügel der Maschine. “Die Fluggesellschaft entschied, dass es zu unsicher sei mit diesem Flugzeug zu fliegen und strich den Flug. Ich rief Gene Reichardt an und sagte meinen Besuch ab. Wieder hatte ich Ali nicht gesehen!”

Schließlich schaffte es Jim doch bis nach Milwaukee – und seitdem war das Leben der Bergrens nicht mehr dasselbe. “Ich machte Videoaufnahmen von Ali. Mein erster Eindruck von ihm war der, den ich durch die Kameralinse bekam”, sagt Jim. “Wir standen in unebenem Gelände und Ali wirkte riesig. Ich nahm an, er stünde auf einem kleinen Hügel. Dann stellte ich mich neben ihn und merkte, dass er immer noch auf mich herabsehen konnte. Da wurde mir klar, er war wirklich ein gewaltig großer Bursche.”

 

Photo: Johnny Johnston

Ruminaja Ali
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Ein immer wiederkehrendes Thema für alle, die Ali kannten, ist sein einzigartiger Charakter. Jim Bergren erinnert sich, dass ihm sofort bewusst war, dass dieser Junghengst anders war als alle anderen, die er zuvor gekannt hatte. “Als ich ihn mir genau betrachtete bemerkte ich, dass er MICH ebenso genau musterte”, lacht er. “Ich sagte mir, nun, er wird sich über mich ein Urteil bilden wollen, genauso wie ich mir meines über ihn bilde!” Was ihm noch ins Auge stach war Alis Harmonie. “Und natürlich die Größe, dann sein wunderbares Exterieur und der Typ. Was mich aber am stärksten fesselte, war seine Haltung, seine Ausstrahlung.”

Jim berichtet, dass er an diesem Tag nur 100 Dollar in der Hosentasche mit sich trug. Er benutzte dieses Geld, um den Vertrag mit den Jamesons “dingfest” zu machen.
Für seine Zeit war Ali kein billiges Pferd. Aber die Bergrens wollten kein Schnäppchen. Sie wollten Ali und bezahlten den geforderten Betrag – der sich am Ende dann doch als Schnäppchenpreis erwies…

Was machte die Bergrens so sicher, dass Ali der richtige Hengst für sie war? Zu dieser Zeit hatten sie sich einen ordentlichen Stutenbestand amerikanischer Blutlinien aufgebaut, darunter Töchter der Hengste Fadi und El Magato und einige Stuten mit ägyptischen Vorfahren. “Wir waren es einfach leid unsere Stuten meilenweit durchs Land zu fahren, um sie von Tuhotmos, Farazdac und Moatasim decken zu lassen. Jeder von uns hat auf diesen schier endlosen Fahrten bestimmt acht seiner neun Katzenleben verbraucht”, sagt Jim. Doch die Familie glaubte an die “neuen” ägyptischen Hengste. Sie gefielen ihnen nicht nur von Typ und Exterieur, die Bergrens waren sich sicher, dass diese Blutlinien ihnen genau das schenken würden, was sie für ihre Herde brauchten. “Nachdem wir festgestellt hatten, dass die Ägypter den besten Einfluss auf unsere Stuten hatten und ich Ali sah, gab es kein zurück mehr! ‘Lass es uns versuchen’, sagte ich zu mir. Hier war er, ein junger Hengst, doch er würde ein großartiges Schaupferd werden und, ja, ich war auch davon überzeugt, dass er zu einem bemerkenswerten Zuchthengst heranreifen würde.” Die Zukunft würde zeigen, dass Jim in allen Punkten Recht behalten sollte.

Der Stern von Ali begann in den Himmel zu schießen und hell zu leuchten als er im Oktober 1979 als Dreijähriger im Ring der U.S. Nationals in Albuquerque erschien. Die Bergrens hatten niemals zuvor ein Pferd zu einer Nationalschau gebracht und dies war erst die zweite nationale Schau, die sie besuchten. Der Trainer Ted Gibson war der Mann an Alis Seite.

 

Photo: Polly Knoll

Ali als Dreijähriger - zwei Wochen vor seinem
Sieg bei den U.S. Nationals im Jahr 1979
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Matt Bergren ist zwar zu jung, um sich an den Tag zu erinnern, aber er sah alle Videoaufzeichnungen der Schau und hörte schon von Kindesbeinen mit leuchtenden Augen seinen beiden Onkeln zu, wenn sie ihm von dieser schickalshaften Schau erzählten. “Ted war ein phantastischer Trainer und Ali, nun, Ali war einfach er selbst!” Vielleicht sollte man sich daran erinnern, dass 1979 ein großartiges Jahr für die Dreijährigen des Landes war. Unter den besten Zehn befanden sich die Ägypter Ansata Halim Bey, Ansata Imperial und Ibn Zaghloul. Außerdem die Bask-Söhne The Chief Justice und Grande Bask. Ali kam aus dem Nichts und verwies den damals bekannteren Huckleberry Bey auf den Reserveplatz. Was den Sieg von Ali im nachhinein noch beeindruckender erscheinen lässt ist die Tatsache, dass die meisten der von ihm besiegten Hengste später eine fabelhafte Karriere als Zucht- oder Schaupferde hinlegten. Jim Bergren erinnert sich: “Wir kannten niemand auf dieser Schau und wussten nicht, wie solch eine Schau überhaupt ablaufen würde. Die Vorentscheidungen begannen in der Woche vor dem Finale. Wir kamen mit Ali eine Runde weiter, dann noch eine Runde, und wir sahen alle diese wunderschönen Hengste, die aus dem Ring geschickt wurden und es nicht geschafft hatten. Und wir waren immer noch dabei! Dann, als Ali zum National-Champion gewählt wurde, konnten wir es einfach nicht fassen!”

 


Ted Gibson und Ruminaja Ali bei ihrem großen Sieg

Das Leben etlicher anderer Personen wurde an diesem Tag im Oktober ebenfalls beeinflusst. David Garnder saß im Publikum. Oft wurde er zitiert, dass in diesem Augenblick seine Liebe zu Ali began. “Ali war vollkommen anders als alle anderen Hengste in seiner Klasse. Vollkommen anders!”, erinnert er sich. Und nachdem er einen Blick auf das Pedigree des Hengstes geworfen hatte, began er sofort Kontakt mit der Familie Bergren aufzunehmen. Die Jagd auf Ali hatte begonnen!

 

Photo: Johnny Johnston

Der U.S. National Champion Focus Alimus,
einer von Ruminaja Alis ersten Söhnen

Auch Loy und Linda Davidson, die Besitzer der “Focus Farm”, sahen Ali gewinnen. Die beiden waren bekannt für ihr scharfes Auge und für ihr Talent immer den richtigen Hengst für ihre Stuten auszuwählen – ohne Rücksicht auf Blutlinien oder “Vermarktung”. Noch auf der Schau meldeten sie mehrere Stuten für Ali an. “Die Davidsons glaubten an Ali und hielten ihm jahrelang die Treue”, sagt Jim Bergren. Die lange Liste der Focus-Champions, die von Ali abstammen und seine Söhne, die für die Focus-Farm wiederum Champions hervorbrachten, zeugt von ihrer züchterischen Weitsicht. Immerhin setzten sie auf einen völlig unbedarften jungen Hengst.

Ted Gibson war von Alis Charakter überzeugt – wie so viele, die mit ihm zusammentrafen. “Alis auftreten und sein Charakter waren einzigartig”, schwärmt Ted. “Ich bin nicht sehr emotional, wenn es um Pferde geht, aber dieser Hengst hatte mehr Persönlichkeit als alle anderen Pferde, mit denen ich gearbeitet habe.” Ted erinnert sich, dass Ali sowohl eingeritten als auch eingefahren worden war und in beiden Disziplinen überzeugte. Leider wurde er nie in einer Reit- oder Fahrklasse gezeigt. “Man konnte Ali nur bis zu einem ganz gewissen Punkt antreiben. Dann sah er einen an als ob er sagen wollte, ‘Okay Junge, ich habe Dich verstanden. Nun reicht’s!’ Ali konnte einen mit einem einzigen Blick förmlich niederstrecken.”

Als Ted Ali im Training hatte, war er ein junges Pferd – ständig auf der Hut, ständig in Bewegung, immer auf der Suche. Voller Energie, die kanalisiert werden musste. Nie ging er in ruhigem Schritt, immer tänzelte und hüpfte er den “Ali Shuffle”. Eine der wenigen Personen, die einen beruhigenden Einfluss auf ihn ausübten, war eine junge Frau namens Rhonda Vandermeullen. “Sie machte mit ihm lange Spaziergänge am Abend, ließ ihn an langer Leine laufen. Sie lauschten zusammen dem Vogelgezwitscher und lernten einander zu vertrauen”, sagt Ted. Rhonda war eine der Top-Pferdepflegerinnen ihrer Zeit und begleitete Ali zu den Nationals des Jahres 1980, wo er um den Titel eines National-Champions kämpfte.

Ted Gibson erinnert sich an diese Klasse als ob es gestern gewesen wäre und erklärt: “Wann immer Ali Zuhause Ärger machte, sah ich ihn scharf an und rief mit lauter Stimme seinen Namen.” Als die Bergrens auf der Schau erschienen, verteilten sie Buttons, auf denen Alis Name gedruckt war und während der Vorführung begann das Publikum vor Begeisterung im Chor “Ali, Ali” zu rufen. Immer und immer wieder. “Natürlich dachte Ali sofort, er hätte einen Fehler gemacht”, sagt Ted. “Sofort began er seinen nervösen ‘Ali Shuffle’ zu tanzen und ich versuchte verzweifelt zu ihm durchzudringen und ihm begreiflich zu machen, dass alles in Ordnung war und er keinen Fehler gemacht hatte.” Obwohl Ali ein wenig die Nerven verloren hatte, lieferte er doch eine fast perfekte Vorstellung ab und präsentierte sich als der Champion, der er war. Er gab Ted alles, was er zu geben hatte. “Was ich wirklich bedaure”, sagt Ted, “ist die Tatsache, dass ich als Trainer nicht gut genug für Ali war. Er hätte mit einem anderen mehr erreichen können als mit mir. Seine königliche Haltung, seine Ausstrahlung – alles an ihm war großartig. Und wenn man sich seinen Respekt verdient hatte, tat er alles für einen. Ich wäre so gerne gut genug für ihn gewesen.”

 

Photo: Bickle

Ruminaja Ali in als Vierjähriger in Kanada,
wo er in die "Top Ten" der Nationals kam
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In diesem Jahr hatte Ali gegen starke Konkurrenten anzukämpfen und Jim Bergren spricht von dieser Schau nur als “die Schau der Adler”. Auch mehr als zwanzig Jahre danach sind die Namen der Teilnehmer noch in aller Munde. Muscat wurde National-Champion, Bey Shah der Reserve-Champion und Ali stand auf dem dritten Platz. Als Ted ihn nach seinem Auftritt an Rhonda übergab, legte der seinen Kopf an ihre Brust und atmete tief ein. “Es war so als ob er ihr sagen wollte, dass er alles getan hatte, um zu gewinnen”, erinnert sich Ted an diesem emotionalen Moment zwischen Ali und “seiner” Rhonda. Es war das einzige Mal in seinem Leben, dass Ted Ali mit langen, ruhigen Schritten gehen sah – den ganzen weiten Weg zurück zu den Stallungen, immer an der Seite von Rhonda und den Kopf tief nach unten gebeugt.

Die “Gardner Bloodstock”-Jahre kamen als nächstes und Ali zog um nach Texas. David Gardner hatte Alis Karriere weiter verfolgt, hatte gesehen, wie er bei den kanadischen und amerikanischen Nationalschauen in die Gruppe der “Top Ten” eingezogen war und war weiterhin davon überzeugt, dass aus Ali einer der ganz Großen werden könnte – sowohl als Schau- als auch als Zuchtpferd. Wieder versuchte er ihn zu kaufen, dieses Mal schuf er aber ein Multi-Millionen-Syndikat – und konnte die Bergrens schließlich überzeugen, ihren Hengst mit ihm zu teilen. Denn natürlich waren sie Mitglieder dieses Syndikats. Es gibt keinen Zweifel, dass David Gardner für Ruminaja Ali ein Marketing-Programm auf die Beine stellte, dass es bis heute in dieser Form nicht mehr gegeben hat. Man darf aber nicht vergessen, dass Ali auch die Qualität besaß, die Erwartungen, die mit dieser Kampagne geweckt wurden, zu erfüllen – und manches Mal sogar noch zu übertreffen.

Als Ruminaja Ali das nächste Mal bei den Nationals auftauchte, hatte er zahlreiche neue Besitzer und Legionen von Fans, die ihn anfeuerten. Ali schien mit jeder Schau immer schöner geworden zu sein und die Zahl seiner Anhänger war kontinuierlich gestiegen. Am Abend der Entscheidung schien das Publikum nur einen einzigen Namen auf den Lippen zu haben – “Ali”. Als der wunderschöne Hengst, unter dessen schimmernder, weißer Jacke sich noch leichte Apfelschimmelflecken abzeichneten, schließlich zum Reserve-National-Champion erkoren wurde, löste sich die Anspannung im Publikum durch unendlichen Jubel.

 

Photo: Polly Knoll

Ali auf dem Gestüt von David Gardner im Jahr 1983
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Ein Hengst kann durch Schausiege zu Ruhm und Ehre gelangen. Doch wie vergänglich ist solcher Ruhm, wenn er nicht durch Erfolge in der Zucht gekrönt wird. Nur durch seine Nachkommen macht sich ein Hengst unsterblich. Ohne Zweifel hat Ali eine dominierende Hengstlinie gegründet, die auch nach seinem Tod die Zuchten in aller Herren Länder beeinflusst. Ali zeugte viele Champions und von seinen 449 Nachkommen – seien es rein ägyptische oder andere – haben überproportional viele wiederum Champions hervorgebracht. Doch selbst wenn Ali nur ein einziges Fohlen gezeugt hätte, wäre er in die Geschichte der Araberzucht eingegangen. Und dieses Fohlen verdankt seine Existenz einem Zufall.

Bevor sie Ruminaja Ali erwarben, deckten die Bergrens ihre Stuten mit seinem Vater Shaikh Al Badi. Eine von ihnen war die El Magato-Tochter Heritage Memory. Doch dieses eine Mal nahm sie einfach nicht auf. Das erste Mal, das so etwas bei ihr passierte. Die Bergrens nahmen sie wieder mit nach Hause und deckten sie mit dem neuen Hengst. Sofort wurde sie tragend und im nächsten Jahr wurde ein exquisites braunes Hengstfohlen geboren. Sie gaben ihm den Namen Ali Jamaal und wie sein Vater, gewann er als Dreijähriger zuerst die “U.S. National Futurities” und später den Reserve-Titel der Nationalschau. Noch beeindruckender ist wohl die Tatsache, dass er ebenfalls einen “U.S. National Futurity”-Champion zeugte (BST Dajamaal) und einen National-Champion (Dakar al Jamaal) – genau wie sein Vater vor ihm. Heute haben die Söhne von Ali Jamaal ihre eigenen Dynastien gegründet.

 

Photo: Luiz Rocco

Der "Starvererber" Ali Jamaal
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Was machte Ali als Zuchthengst so besonders? “Man konnte sich auf ihn verlassen”, sagt Jim Bergren. “Er vererbte einige besondere Charakteristika sicher an seine Nachkommen. Als erstes gab er seinen Typ weiter. Sie konnten seine Fohlen ansehen und wussten – das ist ein ‘Ali’. Er verbesserte das Exterieur – egal, ob die Stute einen kürzeren Rücken brauchte, eine bessere Kruppe, Hüftpartie oder einfach mehr Typ – Ali richtete es.” Es ist im Grunde unmöglich einen seiner Nachkommen als den einflußreichsten herauszustellen, denn so viele von ihnen haben erfolgreiche Karrieren im “Showbusiness” oder als Deckhengste. Ein kurzer Blick auf einige seiner international erfolgreichen Söhne ist beeindruckend – aber weit davon entfernt komplett zu sein. In Qatar finden wir Kaamil Batal, National-Champion des Landes. Brasilien ist die Heimat von Ali Jamaal. In Australien ist der Einfluss von Anaza El Nizr zu spüren, während sein Vollbruder Anaza El Farid in Argentinien und in den USA großen Ruhm als Schausieger und Vater von Champions erworben hat. Coaltown war Reserve-National-Champion von Italien, Ali Valentino und MA Alishah hatten enormen Erfolg in Deutschland. In den USA hat The Minstril seine eigene, weitverzweigte Dynastie gegründet, die von seinem Thronfolger Thee Desperado gestützt wird, der im übrigen auch ein “U.S. Reserve National Champion” war. Die Focus-Pferde waren ebenfalls sehr einflussreich – denken Sie an Pferde wie Focus Fanali, Focus Khemali und Focus Alianna (um nur einige wenige zu nennen). Rein ägyptische Ali-Töchter wie Bint Nourah, Ione, Bint Atallah, BKA Alisabbah, Bint Bint Sonbolah und Bint Zaarina sind bekannt als außergewöhnlich erfolgreiche Zuchtstuten. Ein Blick auf die komplette Liste seiner Nachkommen zeigt, dass dies nur ein minimaler Ausschnitt ist, kleine Beispiele, herausgepickt aus der Masse seiner hochbewährten Nachkommen.

 

Photo: Javan Schaller

The Minstril (Ruminaja Ali x Bahila)

Ruminaja Ali starb am 29. August 1997 auf der Farm der Bergrens in Michigan. Es scheint als sei das Leben aller, die ihn kannten auf die eine oder andere Weise durch ihn beeinflusst worden. Ruminaja Alis Vollbruder Ruminaja Fayez kam vor kurzem ebenfalls auf die Farm der Bergrens. Dort steht er im Stall neben Ali El Din, dem Vollbruder zu Ali Jamaal, und die Bergrens sind stolz über so viel “Ali”-Einfluss auf ihrem Gestüt. Als Fayez zu ihnen stieß, stellte Matt Bergren fest wie ähnlich sich die beiden Brüder charakterlich waren. Beide ließen Fremde nicht wirklich an sich heran und gingen auf Distanz. Eines Tages aber, als Fayez frei umhertobte, schien er plötzlich Matts Nähe zu suchen. Matt entschied, dass nun der Augenblick der Annäherung zwischen ihm und Alis Bruder gekommen war. Er führte ihn ins Gelände um die Farm und Fayez trottete zufrieden neben ihm her, bis er urplötzlich anhielt und zu grasen begann. Er hatte sich genau die Stelle ausgesucht, an der sein Bruder begraben lag…

 

Photo: Javan Schaller

Ruminaja Alis Vollbruder Ruminaja Fayez

"Ich glaube, dass Ali eine Qualität besaß, die unabhängig war von der Zeit, in der er lebte”, sagt Jim Bergren. “Wenn Sie sich einige Champions vergangener Tage ansehen, was stellen Sie dann fest? Dass sie heute nicht einmal mehr in die ‘Top Ten’ kommen würden. Doch ich bin mir sicher, Ali würde immer zum Champion gekürt. In jeder Dekade, in jedem Land – von den siebziger Jahren bis heute! Er war der Protoytyp des großen, eleganten, schönen und charismatischen Hengstes. Ali war seiner Zeit um Längen voraus.”

 


Ruminaja Ali mit Matt Bergren in Michigan

Die Araber sagen, dass ein goldenes Schmuckstück nur aus Gold gemacht werden kann. Ohne Zweifel war Ruminaja Ali der goldene Standard.

 



Ruminaja Ali

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Shaikh Al Badi

Morafic
Nazeer x Mabrouka

B. Maisa El Saghira
Nazeer x Maisa
Bint Magidaa

Khofo
Morafic x Nabilahh

Magidaa
Alaa El Din x Maysa

 

Artikel mit freundlicher Genehmigung des "Desert Heritage Magazine"

This feature was brought to you
in May 2003 by
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