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Sein Leben und sein Vermächtnis
Photo: Polly
Knoll
Von Cynthia
Culbertson
Wäre Ruminaja Ali ein Mensch gewesen, wäre sein Leben
ohne Zweifel verfilmt worden. Ein junger Drehbuchschreiber hätte
sich des Stoffes angenommen und ihn einem Hollywood-Produzenten
vorgeschlagen. Dann hätte man nach einem attraktiven männlichen
Hauptdarsteller gesucht und der Film ware weltweit in die Kinos
gekommen. Mit Sicherheit hätten auch Sie ihn gesehen.
Alle
Elemente eines klassischen Hollywoodstreifens sind vorhanden –
ein junger Bursche, dessen Großeltern aus einem fernen Land
nach Amerika gekommen waren, wird von zu Hause fortgeschickt. Doch
er wird abgelehnt und kehrt schmachvoll in sein Elternhaus zurück.
Dann findet er eine neue Adoptiv-Familie, nimmt an einem nationalen
Wettkampf für Jugendliche teil, aus dem er, der “Underdog”,
den niemand kennt, als strahlender Sieger hervorgeht. Nach dem Sieg
des nationalen Championats fällt er einem jungen dynamischen
Manager auf, der ihn zu noch größeren Leistungen antreibt.
Als Erwachsener steht er erneut im Rampenlicht. Ein Millionen-Syndikat
folgt. Auktionen, denen Berühmtheiten aus aller Welt beiwohnen
und die alle Rekorde brechen. Söhne, Töchter und Enkelkinder
erreichen Starstatus in vielen Ländern der Welt. Am Ende seines
Lebens kehrt er an den Ort seiner Jugend zurück und verbringt
die letzten Jahre bei seiner Familie, die ihn begleitete und ihm
treu zur Seite stand seit er zwei Jahre alt war.
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Photo: Polly
Knoll
Ruminaja Ali auf dem Gestüt von David Gardner in Texas
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Doch
Filme kommen und gehen. Längst sind sie vergessen, sobald die
nächsten ins Kino kommen. Vielleicht sollten wir doch dankbar
sein, dass Ruminaja Ali ein Pferd war? Nicht irgendein Pferd, sondern
ein arabischer Hengst überragenden Typs und Exterieurs, der
bereits zu seinen Lebzeiten eine eigene Dynastie gründete.
Ein Hengst, dessen Einfluss über die Jahrzehnte erhalten bleiben
wird; dessen Kinder und Kindeskinder bereits selbst Bedeutendes
in der Zucht bewirkten und durch die Schönheit und die Qualität,
die ihnen Ruminaja Ali vererbte, die Welt erobert haben.
Ruminaja Ali wurde am 11. Mai 1976 geboren. Gezogen wurde er von
Russel und Mildred Jameson auf ihrem Gestüt “Ranch Ruminaja”.
Sein Pedigree, eine gelungene Mischung der “neuen” ägyptischen
Importe (im Genensatz zu den “alten” Babson-Importen),
war ein Beispiel dafür wie wahr der alte Züchterspruch
ist, der da heißt: “Lass den Vater des Vaters den Großvater
der Mutter sein”. In seinem Fall war das Morafic, legendärer
Sohn des Nazeer und Vererber mit weltweiter Geltung.
Alle vier Großeltern von Ruminaja Ali, inklusive Morafic,
wurden von Doug und Margaret Marshall aus Ägypten importiert
und kamen in den sechziger Jahren in die USA. Sie und weitere Importpferde
bildeten den Nukleus ihrer “Gleannloch Farm” in Texas.
Zusammen mit den frühen Ansata-Importen leiteten sie eine Renaissance
ägyptischer Linien in den USA ein.
Photo: Johnny
Johnston
Ruminaja Alis Vater Shaikh Al Badi (Morafic x Bint Maisa El Saghira)
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Die
Welt hielt den Atem an und war hingerissen von Morafics Schönheit.
Doch auch die braune Nazeer-Tochter Bint Maisa El Saghira hat ihren
Teil dazu beigetragen den ägyptischen Araber in den USA bekannt
zu machen als sie mit enormen Trabschritten durch die Schauarenen
des Landes stürmte und einen Titel nach dem anderen gewann.
Ihr gemeinsamer Sohn Shaikh Al Badi, der 1969 zur Welt kam, wurde
zu einem der bedeutendsten Morafic-Söhne und zeugte fast 700
Fohlen – inklusive Ruminaja Ali.
Photo: Polly
Knoll
Ruminaja Alis Mutter Bint Magidaa (Khofo x Magidaa)
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Bint
Magidaa, Ruminaja Alis Mutter, war eine Halbschwester des bekannten
Hengstes Nabiel. Sie schenkte in ihrem Leben siebzehn Fohlen das
Leben. Darunter befanden sich viele Champions. Khofo, der Vater
von Bint Magidaa, ist ein weiterer Quell des so gesuchten Morafic-Bluts.
Seine Mutter war die hervorragende Anter-Tochter Nabilahh, eine
Halbschwester des ätherischen Farazdacs. Ali ist auf Nazeer
liniengezüchtet und führt außerdem die Hengste Anter,
Shahloul und Sid Abouhom im Pedigree. Die berühmten Stuten
in seiner Abstammung entstammen den besten Familien – es sind
Moniet el Nefous, Zareefa, Yosreia und Kateefa. Ruminaja Ali war
ein Abayyan Om Jurays, der in der Mutterlinie auf eine Stute des
Königs Abdul Aziz von Saudi Arabien zurückgeht, die in
den dreißiger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts als Geschenk
des arabischen Potentaten nach Ägypten gekommen war.
Nicht
verwunderlich, dass Ruminaja Ali ein bezauberndes Fohlen war, das
sich in einen beeindruckenden Junghengst verwandelte. Seine ersten
Schauen beendete er als Sieger. Bei einem dieser frühen Auftritte
in West Michigan führte das Schicksal Ruminaja Ali und die
Familie Bergren zusammen. Tom Bergren und seine Mutter standen wie
vom Donner gerührt und konnten ihre Blicke nicht mehr von dem
großen, stürmischen Junghengst abwenden, den sein Trainer
Gene Reichardt gerade zum Sieg geführt hatte. Tom rief sofort
seinen Bruder Jim an und bat ihn, sich den Hengst anzusehen. Und
zwar sofort!
Ali in all
seiner Pracht.
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“Es
war nicht leicht an Ruminaja Ali heranzukommen”, erklärt
Jim. “Als ich endlich Zeit hatte bis zum anderen Ende des
Staates zu fliegen, wo er sich befand, mussten wir erfahren, dass
wir zu spät gekommen waren. Ruminaja Ali war bereits verkauft!”
Die Zeit verging. Als die Bergrens wieder einmal einige ihrer Stuten
auf dem Gestüt der Jamesons abholten, wo sie von Shaikh Al
Badi belegt worden waren, kamen sie zufällig auf Ruminaja Ali
zu sprechen und hörten, dass der damalige Käufer ihn wieder
zurückgeschickt hatte und er erneut bei Gene Reichardt stand.
“Wir sprachen den ganzen Weg nach Hause über nichts anderes”,
erinnert sich Jim. “Wir entschieden, dass ich nach Milwaukee
in Wisconsin fliegen sollte, um ihn mir anzusehen.” Einfacher
gesagt als getan. Als Jim sich schon auf dem Rollfeld und auf dem
Weg zum Flugzeug befand, streifte der Wagen mit den Koffern der
Passagiere plötzlich einen Flügel der Maschine. “Die
Fluggesellschaft entschied, dass es zu unsicher sei mit diesem Flugzeug
zu fliegen und strich den Flug. Ich rief Gene Reichardt an und sagte
meinen Besuch ab. Wieder hatte ich Ali nicht gesehen!”
Schließlich schaffte es Jim doch bis nach Milwaukee –
und seitdem war das Leben der Bergrens nicht mehr dasselbe. “Ich
machte Videoaufnahmen von Ali. Mein erster Eindruck von ihm war
der, den ich durch die Kameralinse bekam”, sagt Jim. “Wir
standen in unebenem Gelände und Ali wirkte riesig. Ich nahm
an, er stünde auf einem kleinen Hügel. Dann stellte ich
mich neben ihn und merkte, dass er immer noch auf mich herabsehen
konnte. Da wurde mir klar, er war wirklich ein gewaltig großer
Bursche.”
Photo: Johnny
Johnston
Ruminaja Ali
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Ein
immer wiederkehrendes Thema für alle, die Ali kannten, ist
sein einzigartiger Charakter. Jim Bergren erinnert sich, dass ihm
sofort bewusst war, dass dieser Junghengst anders war als alle anderen,
die er zuvor gekannt hatte. “Als ich ihn mir genau betrachtete
bemerkte ich, dass er MICH ebenso genau musterte”, lacht er.
“Ich sagte mir, nun, er wird sich über mich ein Urteil
bilden wollen, genauso wie ich mir meines über ihn bilde!”
Was ihm noch ins Auge stach war Alis Harmonie. “Und natürlich
die Größe, dann sein wunderbares Exterieur und der Typ.
Was mich aber am stärksten fesselte, war seine Haltung, seine
Ausstrahlung.”
Jim berichtet, dass er an diesem Tag nur 100 Dollar in der Hosentasche
mit sich trug. Er benutzte dieses Geld, um den Vertrag mit den Jamesons
“dingfest” zu machen.
Für seine Zeit war Ali kein billiges Pferd. Aber die Bergrens
wollten kein Schnäppchen. Sie wollten Ali und bezahlten den
geforderten Betrag – der sich am Ende dann doch als Schnäppchenpreis
erwies…
Was
machte die Bergrens so sicher, dass Ali der richtige Hengst für
sie war? Zu dieser Zeit hatten sie sich einen ordentlichen Stutenbestand
amerikanischer Blutlinien aufgebaut, darunter Töchter der Hengste
Fadi und El Magato und einige Stuten mit ägyptischen Vorfahren.
“Wir waren es einfach leid unsere Stuten meilenweit durchs
Land zu fahren, um sie von Tuhotmos, Farazdac und Moatasim decken
zu lassen. Jeder von uns hat auf diesen schier endlosen Fahrten
bestimmt acht seiner neun Katzenleben verbraucht”, sagt Jim.
Doch die Familie glaubte an die “neuen” ägyptischen
Hengste. Sie gefielen ihnen nicht nur von Typ und Exterieur, die
Bergrens waren sich sicher, dass diese Blutlinien ihnen genau das
schenken würden, was sie für ihre Herde brauchten. “Nachdem
wir festgestellt hatten, dass die Ägypter den besten Einfluss
auf unsere Stuten hatten und ich Ali sah, gab es kein zurück
mehr! ‘Lass es uns versuchen’, sagte ich zu mir. Hier
war er, ein junger Hengst, doch er würde ein großartiges
Schaupferd werden und, ja, ich war auch davon überzeugt, dass
er zu einem bemerkenswerten Zuchthengst heranreifen würde.”
Die Zukunft würde zeigen, dass Jim in allen Punkten Recht behalten
sollte.
Der Stern von Ali begann in den Himmel zu schießen und hell
zu leuchten als er im Oktober 1979 als Dreijähriger im Ring
der U.S. Nationals in Albuquerque erschien. Die Bergrens hatten
niemals zuvor ein Pferd zu einer Nationalschau gebracht und dies
war erst die zweite nationale Schau, die sie besuchten. Der Trainer
Ted Gibson war der Mann an Alis Seite.
Photo: Polly
Knoll
Ali als Dreijähriger - zwei Wochen vor seinem
Sieg bei den U.S. Nationals im Jahr 1979
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Matt Bergren ist zwar zu jung, um sich an den Tag zu erinnern, aber
er sah alle Videoaufzeichnungen der Schau und hörte schon von
Kindesbeinen mit leuchtenden Augen seinen beiden Onkeln zu, wenn
sie ihm von dieser schickalshaften Schau erzählten. “Ted
war ein phantastischer Trainer und Ali, nun, Ali war einfach er
selbst!” Vielleicht sollte man sich daran erinnern, dass 1979
ein großartiges Jahr für die Dreijährigen des Landes
war. Unter den besten Zehn befanden sich die Ägypter Ansata
Halim Bey, Ansata Imperial und Ibn Zaghloul. Außerdem die
Bask-Söhne The Chief Justice und Grande Bask. Ali kam aus dem
Nichts und verwies den damals bekannteren Huckleberry Bey auf den
Reserveplatz. Was den Sieg von Ali im nachhinein noch beeindruckender
erscheinen lässt ist die Tatsache, dass die meisten der von
ihm besiegten Hengste später eine fabelhafte Karriere als Zucht-
oder Schaupferde hinlegten. Jim Bergren erinnert sich: “Wir
kannten niemand auf dieser Schau und wussten nicht, wie solch eine
Schau überhaupt ablaufen würde. Die Vorentscheidungen
begannen in der Woche vor dem Finale. Wir kamen mit Ali eine Runde
weiter, dann noch eine Runde, und wir sahen alle diese wunderschönen
Hengste, die aus dem Ring geschickt wurden und es nicht geschafft
hatten. Und wir waren immer noch dabei! Dann, als Ali zum National-Champion
gewählt wurde, konnten wir es einfach nicht fassen!”
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Ted Gibson
und Ruminaja Ali bei ihrem großen Sieg
Das Leben etlicher anderer Personen wurde an diesem Tag im Oktober
ebenfalls beeinflusst. David Garnder saß im Publikum. Oft
wurde er zitiert, dass in diesem Augenblick seine Liebe zu Ali began.
“Ali war vollkommen anders als alle anderen Hengste in seiner
Klasse. Vollkommen anders!”, erinnert er sich. Und nachdem
er einen Blick auf das Pedigree des Hengstes geworfen hatte, began
er sofort Kontakt mit der Familie Bergren aufzunehmen. Die Jagd
auf Ali hatte begonnen!
Photo: Johnny
Johnston
Der U.S. National Champion Focus Alimus,
einer von Ruminaja Alis ersten Söhnen
Auch Loy und Linda Davidson, die Besitzer der “Focus Farm”,
sahen Ali gewinnen. Die beiden waren bekannt für ihr scharfes
Auge und für ihr Talent immer den richtigen Hengst für
ihre Stuten auszuwählen – ohne Rücksicht auf Blutlinien
oder “Vermarktung”. Noch auf der Schau meldeten sie
mehrere Stuten für Ali an. “Die Davidsons glaubten an
Ali und hielten ihm jahrelang die Treue”, sagt Jim Bergren.
Die lange Liste der Focus-Champions, die von Ali abstammen und seine
Söhne, die für die Focus-Farm wiederum Champions hervorbrachten,
zeugt von ihrer züchterischen Weitsicht. Immerhin setzten sie
auf einen völlig unbedarften jungen Hengst.
Ted Gibson war von Alis Charakter überzeugt – wie so
viele, die mit ihm zusammentrafen. “Alis auftreten und sein
Charakter waren einzigartig”, schwärmt Ted. “Ich
bin nicht sehr emotional, wenn es um Pferde geht, aber dieser Hengst
hatte mehr Persönlichkeit als alle anderen Pferde, mit denen
ich gearbeitet habe.” Ted erinnert sich, dass Ali sowohl eingeritten
als auch eingefahren worden war und in beiden Disziplinen überzeugte.
Leider wurde er nie in einer Reit- oder Fahrklasse gezeigt. “Man
konnte Ali nur bis zu einem ganz gewissen Punkt antreiben. Dann
sah er einen an als ob er sagen wollte, ‘Okay Junge, ich habe
Dich verstanden. Nun reicht’s!’ Ali konnte einen mit
einem einzigen Blick förmlich niederstrecken.”
Als
Ted Ali im Training hatte, war er ein junges Pferd – ständig
auf der Hut, ständig in Bewegung, immer auf der Suche. Voller
Energie, die kanalisiert werden musste. Nie ging er in ruhigem Schritt,
immer tänzelte und hüpfte er den “Ali Shuffle”.
Eine der wenigen Personen, die einen beruhigenden Einfluss auf ihn
ausübten, war eine junge Frau namens Rhonda Vandermeullen.
“Sie machte mit ihm lange Spaziergänge am Abend, ließ
ihn an langer Leine laufen. Sie lauschten zusammen dem Vogelgezwitscher
und lernten einander zu vertrauen”, sagt Ted. Rhonda war eine
der Top-Pferdepflegerinnen ihrer Zeit und begleitete Ali zu den
Nationals des Jahres 1980, wo er um den Titel eines National-Champions
kämpfte.
Ted
Gibson erinnert sich an diese Klasse als ob es gestern gewesen wäre
und erklärt: “Wann immer Ali Zuhause Ärger machte,
sah ich ihn scharf an und rief mit lauter Stimme seinen Namen.”
Als die Bergrens auf der Schau erschienen, verteilten sie Buttons,
auf denen Alis Name gedruckt war und während der Vorführung
begann das Publikum vor Begeisterung im Chor “Ali, Ali”
zu rufen. Immer und immer wieder. “Natürlich dachte Ali
sofort, er hätte einen Fehler gemacht”, sagt Ted. “Sofort
began er seinen nervösen ‘Ali Shuffle’ zu tanzen
und ich versuchte verzweifelt zu ihm durchzudringen und ihm begreiflich
zu machen, dass alles in Ordnung war und er keinen Fehler gemacht
hatte.” Obwohl Ali ein wenig die Nerven verloren hatte, lieferte
er doch eine fast perfekte Vorstellung ab und präsentierte
sich als der Champion, der er war. Er gab Ted alles, was er zu geben
hatte. “Was ich wirklich bedaure”, sagt Ted, “ist
die Tatsache, dass ich als Trainer nicht gut genug für Ali
war. Er hätte mit einem anderen mehr erreichen können
als mit mir. Seine königliche Haltung, seine Ausstrahlung –
alles an ihm war großartig. Und wenn man sich seinen Respekt
verdient hatte, tat er alles für einen. Ich wäre so gerne
gut genug für ihn gewesen.”
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Photo: Bickle
Ruminaja Ali in als Vierjähriger in Kanada,
wo er in die "Top Ten" der Nationals kam
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In diesem Jahr hatte Ali gegen starke Konkurrenten anzukämpfen
und Jim Bergren spricht von dieser Schau nur als “die Schau
der Adler”. Auch mehr als zwanzig Jahre danach sind die Namen
der Teilnehmer noch in aller Munde. Muscat wurde National-Champion,
Bey Shah der Reserve-Champion und Ali stand auf dem dritten Platz.
Als Ted ihn nach seinem Auftritt an Rhonda übergab, legte der
seinen Kopf an ihre Brust und atmete tief ein. “Es war so
als ob er ihr sagen wollte, dass er alles getan hatte, um zu gewinnen”,
erinnert sich Ted an diesem emotionalen Moment zwischen Ali und
“seiner” Rhonda. Es war das einzige Mal in seinem Leben,
dass Ted Ali mit langen, ruhigen Schritten gehen sah – den
ganzen weiten Weg zurück zu den Stallungen, immer an der Seite
von Rhonda und den Kopf tief nach unten gebeugt.
Die
“Gardner Bloodstock”-Jahre kamen als nächstes und
Ali zog um nach Texas. David Gardner hatte Alis Karriere weiter
verfolgt, hatte gesehen, wie er bei den kanadischen und amerikanischen
Nationalschauen in die Gruppe der “Top Ten” eingezogen
war und war weiterhin davon überzeugt, dass aus Ali einer der
ganz Großen werden könnte – sowohl als Schau- als
auch als Zuchtpferd. Wieder versuchte er ihn zu kaufen, dieses Mal
schuf er aber ein Multi-Millionen-Syndikat – und konnte die
Bergrens schließlich überzeugen, ihren Hengst mit ihm
zu teilen. Denn natürlich waren sie Mitglieder dieses Syndikats.
Es gibt keinen Zweifel, dass David Gardner für Ruminaja Ali
ein Marketing-Programm auf die Beine stellte, dass es bis heute
in dieser Form nicht mehr gegeben hat. Man darf aber nicht vergessen,
dass Ali auch die Qualität besaß, die Erwartungen, die
mit dieser Kampagne geweckt wurden, zu erfüllen – und
manches Mal sogar noch zu übertreffen.
Als
Ruminaja Ali das nächste Mal bei den Nationals auftauchte,
hatte er zahlreiche neue Besitzer und Legionen von Fans, die ihn
anfeuerten. Ali schien mit jeder Schau immer schöner geworden
zu sein und die Zahl seiner Anhänger war kontinuierlich gestiegen.
Am Abend der Entscheidung schien das Publikum nur einen einzigen
Namen auf den Lippen zu haben – “Ali”. Als der
wunderschöne Hengst, unter dessen schimmernder, weißer
Jacke sich noch leichte Apfelschimmelflecken abzeichneten, schließlich
zum Reserve-National-Champion erkoren wurde, löste sich die
Anspannung im Publikum durch unendlichen Jubel.
Photo: Polly
Knoll
Ali auf dem Gestüt von David Gardner im Jahr 1983
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Ein Hengst kann durch Schausiege zu Ruhm und Ehre gelangen. Doch
wie vergänglich ist solcher Ruhm, wenn er nicht durch Erfolge
in der Zucht gekrönt wird. Nur durch seine Nachkommen macht
sich ein Hengst unsterblich. Ohne Zweifel hat Ali eine dominierende
Hengstlinie gegründet, die auch nach seinem Tod die Zuchten
in aller Herren Länder beeinflusst. Ali zeugte viele Champions
und von seinen 449 Nachkommen – seien es rein ägyptische
oder andere – haben überproportional viele wiederum Champions
hervorgebracht. Doch selbst wenn Ali nur ein einziges Fohlen gezeugt
hätte, wäre er in die Geschichte der Araberzucht eingegangen.
Und dieses Fohlen verdankt seine Existenz einem Zufall.
Bevor sie Ruminaja Ali erwarben, deckten die Bergrens ihre Stuten
mit seinem Vater Shaikh Al Badi. Eine von ihnen war die El Magato-Tochter
Heritage Memory. Doch dieses eine Mal nahm sie einfach nicht auf.
Das erste Mal, das so etwas bei ihr passierte. Die Bergrens nahmen
sie wieder mit nach Hause und deckten sie mit dem neuen Hengst.
Sofort wurde sie tragend und im nächsten Jahr wurde ein exquisites
braunes Hengstfohlen geboren. Sie gaben ihm den Namen Ali Jamaal
und wie sein Vater, gewann er als Dreijähriger zuerst die “U.S.
National Futurities” und später den Reserve-Titel der
Nationalschau. Noch beeindruckender ist wohl die Tatsache, dass
er ebenfalls einen “U.S. National Futurity”-Champion
zeugte (BST Dajamaal) und einen National-Champion (Dakar al Jamaal)
– genau wie sein Vater vor ihm. Heute haben die Söhne
von Ali Jamaal ihre eigenen Dynastien gegründet.
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Photo: Luiz
Rocco
Der "Starvererber" Ali Jamaal
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Was
machte Ali als Zuchthengst so besonders? “Man konnte sich
auf ihn verlassen”, sagt Jim Bergren. “Er vererbte
einige besondere Charakteristika sicher an seine Nachkommen. Als
erstes gab er seinen Typ weiter. Sie konnten seine Fohlen ansehen
und wussten – das ist ein ‘Ali’. Er verbesserte
das Exterieur – egal, ob die Stute einen kürzeren Rücken
brauchte, eine bessere Kruppe, Hüftpartie oder einfach mehr
Typ – Ali richtete es.” Es ist im Grunde unmöglich
einen seiner Nachkommen als den einflußreichsten herauszustellen,
denn so viele von ihnen haben erfolgreiche Karrieren im “Showbusiness”
oder als Deckhengste. Ein kurzer Blick auf einige seiner international
erfolgreichen Söhne ist beeindruckend – aber weit davon
entfernt komplett zu sein. In Qatar finden wir Kaamil Batal, National-Champion
des Landes. Brasilien ist die Heimat von Ali Jamaal. In Australien
ist der Einfluss von Anaza El Nizr zu spüren, während
sein Vollbruder Anaza El Farid in Argentinien und in den USA großen
Ruhm als Schausieger und Vater von Champions erworben hat. Coaltown
war Reserve-National-Champion von Italien, Ali Valentino und MA
Alishah hatten enormen Erfolg in Deutschland. In den USA hat The
Minstril seine eigene, weitverzweigte Dynastie gegründet,
die von seinem Thronfolger Thee Desperado gestützt wird,
der im übrigen auch ein “U.S. Reserve National Champion”
war. Die Focus-Pferde waren ebenfalls sehr einflussreich –
denken Sie an Pferde wie Focus Fanali, Focus Khemali und Focus
Alianna (um nur einige wenige zu nennen). Rein ägyptische
Ali-Töchter wie Bint Nourah, Ione, Bint Atallah, BKA Alisabbah,
Bint Bint Sonbolah und Bint Zaarina sind bekannt als außergewöhnlich
erfolgreiche Zuchtstuten. Ein Blick auf die komplette Liste seiner
Nachkommen zeigt, dass dies nur ein minimaler Ausschnitt ist,
kleine Beispiele, herausgepickt aus der Masse seiner hochbewährten
Nachkommen.
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Photo: Javan
Schaller
The Minstril (Ruminaja Ali x Bahila)
Ruminaja Ali starb am 29. August 1997 auf der Farm der Bergrens
in Michigan. Es scheint als sei das Leben aller, die ihn kannten
auf die eine oder andere Weise durch ihn beeinflusst worden. Ruminaja
Alis Vollbruder Ruminaja Fayez kam vor kurzem ebenfalls auf die
Farm der Bergrens. Dort steht er im Stall neben Ali El Din, dem
Vollbruder zu Ali Jamaal, und die Bergrens sind stolz über
so viel “Ali”-Einfluss auf ihrem Gestüt. Als Fayez
zu ihnen stieß, stellte Matt Bergren fest wie ähnlich
sich die beiden Brüder charakterlich waren. Beide ließen
Fremde nicht wirklich an sich heran und gingen auf Distanz. Eines
Tages aber, als Fayez frei umhertobte, schien er plötzlich
Matts Nähe zu suchen. Matt entschied, dass nun der Augenblick
der Annäherung zwischen ihm und Alis Bruder gekommen war. Er
führte ihn ins Gelände um die Farm und Fayez trottete
zufrieden neben ihm her, bis er urplötzlich anhielt und zu
grasen begann. Er hatte sich genau die Stelle ausgesucht, an der
sein Bruder begraben lag…
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Photo: Javan
Schaller
Ruminaja Alis Vollbruder Ruminaja Fayez
"Ich
glaube, dass Ali eine Qualität besaß, die unabhängig
war von der Zeit, in der er lebte”, sagt Jim Bergren. “Wenn
Sie sich einige Champions vergangener Tage ansehen, was stellen
Sie dann fest? Dass sie heute nicht einmal mehr in die ‘Top
Ten’ kommen würden. Doch ich bin mir sicher, Ali würde
immer zum Champion gekürt. In jeder Dekade, in jedem Land –
von den siebziger Jahren bis heute! Er war der Protoytyp des großen,
eleganten, schönen und charismatischen Hengstes. Ali war seiner
Zeit um Längen voraus.”
Ruminaja Ali
mit Matt Bergren in Michigan
Die Araber sagen, dass ein goldenes Schmuckstück nur aus Gold
gemacht werden kann. Ohne Zweifel war Ruminaja Ali der goldene Standard.

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