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Etwa
hundert Züchter und Freunde des ägyptischen Vollblutarabers waren
Anfang August in den Norden Deutschlands gepilgert, um die Zuchtpferde
und den aktuellen Fohlenjahrgang zweier international einflussreicher
Gestüte zu sehen. Eingeladen hatten Cornelia Tauschke (Gestüt El
Thayeba) und Dr. Hans-Joachim Nagel (Katharinenhof). Alle wollten die
ersten deutschen Fohlen von Ashhal Al Rayyan sehen, der im vergangenen
Jahr ein Gastspiel auf dem Katharinenhof gegeben hatte.
In
diesen Monaten spricht jeder vom Wetter, ich auch. Besonders, wenn man
sich seit Wochen auf einen bestimmten Termin gefreut hat und dieser im
Unwetterchaos, genannt ”Sommer
2002”, unterzugehen droht. Schließlich sieht man nicht alle Tage
eine größere Nachzuchtsammlung eines Hengstes, laden nicht alle Tage
zwei der renommiertesten Ägyptergestüte Europas zu einer Gestütspräsentation
ein. Das schien auch Petrus beeindruckt zu haben -
pünktlich zu Beginn der Gestütsschau auf El Thayeba stellte
er den Regen ein und ließ ab und an sogar die Sonne scheinen. Beide
Präsentationen wurden gewohnt unterhaltsam von Klaus Beste
kommentiert.
Das
Gestüt El Thayeba hat in den vergangenen zehn Jahren einen deutlichen
Wandel vollzogen. Ursprünglich galten die Stuten Morawa (Nizam x
Momtaza), Mona II (Mahomed x Mahiba) und deren Tochter El Thay Maheera
(von Nizam) als Stammstuten. Ihre Familien sind inzwischen zahlenmäßig
deutlich reduziert zugunsten der Dahman Shahwan-Linien der Kamla II
(Ansata Halim Shah x Mona III) und El Thay Bint Mofeedah (El Thay Ibn
Halim Shah x Mofeedah). Die
Kohailan Rodan-Linie der Morawa repräsentierten El Thay Mansoura
(Machmut x Morawa) und ihre Tochter El Thay Mahfouza (von El Thay Ibn
Halim Shah).
El
Thay Maheeras Familie wurde würdig vertreten durch ihre Töchter El
Thay Matalla (von El Thay Mashour) und El Thay Magidaa (von El Thay
Mameluk). Gerade letztere zeigt nicht nur aufgrund ihrer Fuchsfarbe,
sondern auch durch den edlen, etwas längeren Kopf deutliche Ähnlichkeit
mit ihrer Ahnin Moniet El Nefous.
Anschließend folgte Kamla II mit ihren Nachkommen und die Zuschauer konnten sich von der gut durchdachten Linien- und Inzucht auf El Thayeba ein genaues Bild machen. Da ist zum einen Kamlas älteste Tochter El Thay Bint Kamla von El Thay Mansour (Ansata Halim Shah x El Thay Maheera) mit ihren Töchtern und zum anderen El Thay Rosetta (El Thay Ibn Halim Shah x Kamla II).
Cornelia
Tauschke paarte Kamla II mit ihrem Enkel El Thay Mashour (Madkour I x
El Thay Bint Kamla) und wurde mit vier wunderschönen Fohlen belohnt.
Herausragend ist dabei die in diesem Jahr überaus erfolgreiche, dreijährige
El Thay Kamla. Die jüngere El Thay Kadiya steht ihr in nichts nach.
Eine dritte Schwester wurde an den ägyptischen Züchter Omar Sakr
verkauft. In diesem Jahr wurde ein Hengstfohlen aus dieser Anpaarung
geboren, ein kleiner Pascha, der sich bestens in Szene setzte. Den
zweiten Stamm der Dahman Shahwan-Linie vertritt die Stute
El Thay Bint Mofeedah. Ihr Vater ist El Thay Ibn Halim Shah,
die Mutter Mofeedah (v. Hadban Enzahi) stammt aus der Malikah von
Ghazal aus der Malacha. Kamlas
Mutter Mona III (v. Hadban Enzahi) geht über Moheba II (v. Ghazal)
ebenfalls auf Malacha zurück. El Thay Bint Mofeedah wurde nach Kuwait
verkauft, im Gestüt blieb ihre typvolle Tochter El Thay Mashoura.
Das
Gestüt El Thayeba ist allerdings nicht allein für seine wundervolle
Stutenherde bekannt, sondern auch für herausragende Hengste.
Mittlerweile kommen 25 gekörte, beziehungsweise auf Verbandsschauen
prämierte Hengste aus dieser Zucht - darunter mehrere Siegerhengste.
Eine vermutlich einmalige Leistung in Deutschland. Immerhin stehen auf
dem Gestüt drei Siegerhengste von Verbandsschauen und ein mit
”Gold” prämierter Hengst im Deckeinsatz.
”Gold” hatte der Rappe Ansata Exemplar (Asjah Ibn Faleh x Ansata Jumana) erhalten. Der Achtjährige wurde im weltbekannten Ansata-Gestüt geboren und 1996 von Heinrich Kretschmann importiert. Ein Hengst mit viel Rahmen und guten Bewegungen. Beides vererbt er seinen Nachkommen. El
Thay Khemal Pasha (a.d. Kamla II) trat im Gestüt an die Stelle seines
Vaters El Thay Mansour, der seit kurzem in Jordanien steht. Von seiner
Großmutter väterlicherseits erbte er den längeren Kopf mit herrlich
großen Augen, die wachsam das Geschehen auf dem Gestüt beobachten. Interessant ist der Vergleich der zwei Madkour I-Söhne El Thay Mashour (a.d. El Thay Bint Kamla) und El Thay Malikh (a.d. El Thay Bint Mofeedah), die - wie El Thay Khemal Pasha - jeweils als Sieger aus der Verbandsschau hervorgingen.
El Thay Mashour fasziniert die Zuschauer
mit seiner charmanten Ausstrahlung, während El Thay Malikh ganz und
gar Vaters Sohn ist. Die Ähnlichkeit mit Madkour I in Typ und Körperbau
ist mehr als auffallend. Zum
Abschluss trat der Pachthengst Ansata Selman (Ansata Hejazi x G.
Shafaria) aus dem Gestüt Al Rayyan vor die Besucher. Der knapp dreijährige
Schimmel geht über Ansata Bint Misr auf die Ghazal-Vollschwester
Ansata Bint Bukra zurück. Der Hengst bleibt für zwei Jahre in
Deutschland und wer ihn an diesem Wochenende verpasst hat, kann ihn
beim All Nations Cup oder bei der Verbandsschau sehen. Nachdem
sich die Augen der Zuschauer rund anderthalb Stunden lang an
arabischem Adel erfreuen konnten, ging es weiter zu dem nur wenige
Autominuten entfernt liegenden Katharinenhof. Zunächst
wurden die Fohlen des Hengstes Ashhal Al Rayyan (Safir x Ansata
Majesta) vorgestellt. Dafür war sogar eigens sein Züchter Sheich
Abdulaziz aus Qatar angereist.
Der Schimmel Ashhal Al Rayyan stand 2001 einer begrenzten Anzahl Stuten zur Verfügung. Nun hatten alle Gelegenheit einen großen Teil der daraus resultierenden Fohlen zu bewundern.
Sechzehn Fohlen von elf
verschiedenen Züchtern aus ganz Deutschland wurden vorgestellt. Die
meisten liefen noch an der Seite der Mutter, so konnten sich alle
einen besonders guten Eindruck von Ashhals Vererbung machen.
Den Anfang machte die mit einem Jahr Älteste, eine hochelegante Jährlingsstute aus der Mesoudah-M, gezüchtet von Horst Preuss. Mit rund drei Wochen bildete ein bezauberndes, drei Wochen altes Stutfohlen aus der Malysha von Susanne Schreibvogel den Abschluss.
Dazwischen wurden vierzehn
Fohlen gezeigt, die alleine schon den Besuch lohnten! Trotz der
unterschiedlichen Mutterstuten zeigten sich alle Fohlen harmonisch und
geschlossen im Exterieur, langbeinig und elegant, mit viel Aufrichtung
in der Bewegung und ausgezeichneter Schweifhaltung. Angesichts dieser
Fohlengruppe mag mancher Besucher bedauern, keinen Sprung von Ashhal
Al Rayyan bekommen zu haben.
Dann
wurden die Hengste und Stuten des Katharinenhofs gezeigt. Diese Pferde
repräsentieren 35 Jahre erfolgreiche Vollblutaraberzucht und ein
wohldurchdachtes Zuchtkonzept, das im Wesentlichen auf der
Obeyan-Stute Hanan (Alaa el Din x Mona) basiert.
Zuerst
betrat der unumstrittene Herrscher des Katharinenhofes den Platz:
Salaa El Dine (Ansata Halim Shah x Hanan). Der 1985 geborene
Fliegenschimmel ist der letzte Nachkomme der berühmten Hanan. Ein
Hengst, dessen Kinder in vielen Zuchtstätten weltweit geschätzt
werden. Ihm
folgten sein charmanter, kompakter Enkel Ibn Nejdy (Nejdy v. Salaa El
Dine x Ghazala v. Ghazal x Hanan) und sein Ur-Enkel Hafid Jamil (Ibn
Nejdy x Helala), ein Hengst mit extremem Typ, wenn auch nicht
fehlerfrei. Einmal mehr bewies Dr. Nagel durch kluge Kombination mit
entsprechenden Stuten seine züchterische Weitsicht. Hafid Jamils
vielversprechender, einjähriger Sohn Jamaal El Dine (a.d. Ranya) ist
das beste Beispiel dafür. Mit
den Vollbrüdern Bolbol und Oteyba (Salaa El Dine x Sanana v. Nahaman
x Myrna v. The Egyptian Prince) stehen außerdem zwei Hengste aus der
Saklawi Gidran-Linie auf dem Katharinenhof. Beide vollkommen anders im
Typ – kräftiger in Körper und Fundament, weniger ätherisch,
trotzdem ansprechend.
Danach
betraten die Stuten die Szene, alle sechzehn edel, trocken,
hochelegant. Sie kommen aus unterschiedlichen Linien - Hanan (Obeyan),
Mahiba (Saklawi Gidran), Ansata Bint Bukra (Dahman Shahwan) und
Lotfeia (Hadban Enzahi) sind die Stammütter. Und doch sind sich alle
extrem ähnlich. Eine Stutenherde, wie sie in dieser Qualität und
Einheit nur selten zu finden ist.
Die
spannende Frage, die sich zum Schluß alle stellten: Wird
man sich im kommenden Jahr zu einem ähnlichen Anlass wiedersehen?
Vielleicht um die Fohlen von Ansata Selman zu inspizieren? Diesen
Termin sollten Sie dann auf keinen Fall verpassen. Susanne
Bösche Diesen
Artikel finden Sie auch in der aktuellen in September 2002 by www.straightEgyptians.com All rights reserved. |