Zweiter Teil: Ramses Fayek

Nazeer! Der magische Name in den Pedigrees rein ägyptischer Pferde. In dieser Serie präsentieren wir seine einflußreichsten "amerikanischen" Söhne. Es ist die Fortsetzung unseres Features über die drei "deutschen" Nazeer-Söhne, das eines der Favoriten unserer Leser zu sein scheint. Zahlreiche mails erreichten uns mit der Anfrage, ob wir eine Serie dieser Art nicht auch über andere Länder machen könnten. Kein Problem, das machen wir doch gerne! Und endlich geht es weiter mit dem zweiten Teil unserer Serie über die Nazeer-Söhne in Nordamerika...

Photo: Johnston
Ramses Fayek

Der Schimmelhengst Fayek wurde 1958 im Gestüt der EAO geboren. Es war ein ausgesprochen guter Jahrgang, wenn man sich vor Augen führt, daß Pferde wie Aswan, Kaisoon, Ansata Ibn Halima oder Bint Mona im gleichen Jahr zur Welt kamen. Alle hatten Nazeer zum Vater, und früher oder später wurden alle exportiert (die meisten von ihnen in die USA).



Ramses Fayek in den USA

Fayek (so hieß er damals noch) war der einzige, der für lange Zeit in Ägypten bleiben sollte. Wie sein Vater, verbrachte auch er die frühen Jahre in einem der zahlreichen Hengstdepots der EAO. Der erste, der Fayeks Zuchtpotential erkannte war Sayed Marei, der Besitzer des bekannten Gestütes Al Badeia. Im Laufe der Jahre sandte er ihm einige seiner besten Stuten - mit beeindruckenden Resultaten. Zweifellos legten die Fayek-Töchter den Grundstein für die zahllosen Schauerfolge von Al Badeia-Pferden. Ihr Einfluß auf das Zuchtprogramm ist heute noch genauso stark wie vor zwanzig Jahren.



Photo: Bösche

Die bezaubernde Aneesat Albadeia ist eine Urenkelin von Fayek

Das erste Fayek-Fohlen kam 1964 zur Welt: die Stute Naeema (x Tifla). Sie wurde eine fruchtbare Zuchtstute und gebar 13 Fohlen - zehn Stuten und drei Hengste. Acht wurden exportiert, drei behielt man für die eigene Zucht. Ihre Tochter Nour El Sabah (von Kayed) landete mit ihrer Tochter Aneesat Albadeia (von Amir Albadeia) einen Volltreffer: Sie ist die unumstrittene Diva in der Herde von Al Badeia. Sie verkörpert in klassischer Weise die Feinheit des ägyptischen Arabers. Ihr Kopf läßt einem das Herz höher schlagen. Doch darf man sich durch ihre Feinheit nicht täuschen lassen: Wie eine Lokomotive trabt sie durch den tiefen Sand ihres Heimatgestütes. Und es kommt noch besser, denn auch als Zuchtstute ist sie ein voller Erfolg und ihre Töchter stehen ihr in Schönheit und Grazilität nicht nach.



Photo: Boiselle
Einer der schönsten und erfolgreichsten Hengste Ägyptens ist der Fayek-Enkel Farid Albadeia

Auch die Vollschwestern Malekat El Wadi (Fayek x Nagdia von Nazeer, geboren 1965) und Farida (geboren 1967) sind noch immer im Zuchtprogramm von Al Badeia gegenwärtig. Malekats Enkeltochter Ibtehag Albadeia hat mehr Championate gewonnen als jede andere Stute in Ägypten und wurde kürzlich an Marion Richmond verkauft. Und Faridas fabelhafter Sohn Farid Albadeia (von Ameer Al Badeia) steht als derzeitiger Hauptbeschäler der Stutenherde vor (und war ebenfalls National-Champion). Kann es sein, daß Sayed Marei einen guten Riecher hatte als er in den sechziger Jahren seine Stuten zu Fayek brachte? Doch zurück zu Fayek. Einige seiner ägyptischen Fohlen wurden in verschiedene Länder exportiert, doch es wurden keine einflußreichen Zuchttiere aus ihnen. Mit zwei Ausnahmen - der Hengst Fikri (Fayek x Nadeemah von Amrulla) und die Stute Bint Fayek (Fayek x Abeer von El Sareei) begründeten den ägyptischen Zuchtbestand des holländischen Gestütes "Smaroel Arabians".



Photo: van Lent

Der Hengst Fikri (Fayek x Nadeemah)

Ich weiß es noch wie heute als ich Fikri zum ersten Mal sah. Er hatte kein "Puppengesicht", aber er war durch und durch ein echter Hengst - ein Abbild seines Vaters. Allzeit bereit seinen Harem zu verteidigen, blickte er ständig in alle Richtungen, die Ohren gespitzt und den Schweif hoch erhoben und rief den Stuten seine Liebesbotschaft zu. Sein Körper war trocken, sein Genick wunderbar leicht - kein Strecken des Halses, kein Posieren war notwendig, damit es gut aussah. Für viele Jahre war Fikri die dominierende Persönlichkeit seines Heimatgestütes.



Photo: Sparagowski

Die bedeutendste Fayek-Enkelin in den USA war Amaala

Eine der dominierendsten Persönlichkeiten des amerikanischen Imperial-Gestütes war die braune Stute Amaala (Mowaffac x Aminaa). Robust und groß, brachte sie hintereinander Fohlen zur Welt, die sich durch exzellenten Typ und guten Körperbau auszeichneten. Ihre besten waren die "Fabelhaften Vier" - ihre Fohlen von Ansata Imperial: Imperial Imalaa, Imperial Intaada, Imperial Im Jasim und Imperial Imalana. Alle waren sogenannte "Multi-Champions" und verbanden die Größe und Korrektheit der Mutter mit dem exotischen Flair des Vaters. Sehr interessant, werden Sie jetzt denken, doch was haben diese Pferde mit Fayek zu tun? Eine gute Frage, darum lassen Sie uns einen kurzen Blick auf Amaalas Pedigree werfen: Ihr Vater ist Mowaffac, der 1970 in Ägypten geboren wurde. Und - Sie haben es längst erraten - er war ein Sohn von Fayek. Aber Mowaffac zeugte keinen einzigen Nachkommen mehr, der sich mit Amaala vergleichen konnte - offensichtlich war sie ein "Versehen"!



Photo: Sparagowski

Bis zu seinem frühen Tod galt Imperial Im Jasim als aufgehender Stern am Ägypterhimmel

1969 reiste Martin Loeber - der Besitzer der amerikanischen "Plum Grove Farm" zum ersten Mal nach Ägypten. Er hatte bereits die Marbacherin Sanacht (von Hadban Enzahi) erworben, die eine der führenden Championmütter in den USA wurde. In Ägypten sah er zwei Stuten, die es ihm antaten - eine davon war Bint Ghazallah (Sid Abouhom x Ghazallah). Sie wurde noch in Ägypten von Fayek gedeckt, doch ihr Fohlen kam in den USA zur Welt - Ramses Nefertari. Sie war das erste rein ägyptische Fohlen, das auf der Plum Grove Farm zur Welt kam. "Als ich sie und noch einige andere Fayek-Töchter sah, beschloß ich, ihn ebenfalls zu kaufen", sagte Martin Loeber.



Ramses Nefertari war das erste Fohlen von Fayek, das in den USA geboren wurde

Während die Verhandlungen mit der EAO liefen, wurde Fayek noch einigen Stuten in El Zahraa zugeführt. Die Fohlen waren der schon erwähnte Fikri und Mowaffac und vier weitere Hengste und Stuten. Die Schimmelstute Hakima (Fayek x Kamar) fand durch ihren charmanten Sohn Rihan (von Aseel) internationale Beachtung. Nayla Hayek importierte diesen kleinen Fuchshengst für ihr Hanaya-Gestüt in die Schweiz, wo er sein Leben als geachteter Zuchthengst und geliebter Freund verbrachte. Jahrelang galt er als einer der exotischsten Araber in der Schweiz.



Photo: van Lent
Rihan zählte zu den bekanntesten Fayek-Nachkommen in Europa

1970 war es dann soweit: Fayek bekam ein neues Zuhause und einen neuen Namen. Unter seinem neuen Namen "Ramses Fayek", den er zu Ehren des Pharaos Ramses II. erhielt, startete er im Alter von zwölf Jahren seine kurze aber spektakuläre Schaukarriere in den USA. Die australische Züchterin Marion Richmond erinnert sich an ihre erste Begegnung mit ihm: "Er war wahrhaftig kein 'Ölgemälde', doch er war ein gutes Rennpferd und einer der korrektesten Araber, die ich je gesehen habe." Sie kaufte seine Tochter Ramses Tinah (x Ramses Nagdia von Wahag), die später die Australische Reserve-Championstute Simeon Shuala (von Simeon Shai) zur Welt brachte. Die wiederum gebar in Anpaarung mit Asfour die Vollgeschwister Simeon Shemini (Champion-Hengst von Neuseeland) und Simeon Shiraz (Multi-Championstute in Australien).



Auch auf dem fünften Kontinent ist Fayeks Einfluß spürbar: hier die mehrfache Championesse Simeon Shiraz (Asfour x Simeon Shuala x Ramses Tinah von Ramses Fayek)

Doch zurück zu Ramses Fayek, der 1972 im Alter von 14 Jahren eine der großen Regional-Schauen gewinnen konnte und in die "Top Twenty" der U.S. Nationals einstieg. Ein beeindruckendes Ergebnis, wenn man bedenkt, daß er sich bereits im "Rentenalter" befand. Doch seine Söhne und Töchter - die "Amurath"-Pferde - sollten die wahren Champions der Pum Grove Farm werden. Ramses Fayek zeugte alleine zehn National-Sieger (nur Morafic und Ansata Ibn Halima brachten mehr) - gar nicht zu reden von den zahlreichen Champions der großen "A"-Schauen. Die National-Schau von 1978 wurde zu einem regelrechten "Ramses Fayek Special" - sein Sohn Amurath Bandolero gewann das Championat der Hengste, während der von den St. Clairs gezogene Keyaf das "Futurity"-Championat für sich entschied. Rames Fayek brachte im Laufe seines Lebens über 200 Nachkommen, und viele seiner Töchter wurden Mütter von National-Siegern.



Photo: Trees
Amurath Bandolero (v. Ramses Fayek), der "U.S. National Champion Stallion" von 1978

Trotzdem blieb Ramses Fayeks Einfluß auf die Ägypterzucht beschränkt. Ihm fehlte das Flair und die Exotik der anderen Nazeer-Söhne. Die Mehrheit seiner etwas bedeutenderen Nachkommen stammen aus nicht-ägyptischen Müttern. Auch sein bekanntester Enkel war nicht rein ägyptisch gezogen: LH Garcia (AN Malik x LH Tasha v. Ramses Fayek), der Scottsdale-Champion von 1985.



Photo: Johnston
Bint Magidaa war die bekannteste rein ägyptische Stute, die Ramses Fayek zugeführt wurde. Das Ergebnis war die hübsche Ruminaja Shakira, deren Einfluß allerdings begrenzt blieb.

"Vor zwölf Jahren wählte ich Rames Fayek aus, um unser ägyptisches Zuchtprogramm zu gründen. Er war einer der größten Söhne seines unsterblichen Vaters Nazeer", schrieb Martin Loeber 1982 zum Tode seines Hengstes. "Er war unser bester Zuchthengst, dessen Nachkommen in drei aufeinander folgenden Jahren das National-Futurity-Championat gewannen. Meines Wissens gibt es keinen zweiten Hengst in diesem Land, der das geschafft hat." Und achtzehn Jahre später gibt es immer noch keinen, der ihn darin geschlagen hat. Der Pharao wäre stolz auf ihn!

Linda Thol

KURZ-PROFIL   


Name:
"Ramses" Fayek

Vater:
Nazeer (Mansour x Bint Samiha)

Mutter:
Fayza II (Sid Abouhom x Nefisa)

Geboren:
02.02.1958

Importiert:
1970

Gestorben:
16.09.1982

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