Nazeers Söhne in Deutschland - StraightEgyptians.comTeil 1

Hadban Enzahi

 

Hadban Enzahi

Erinnern Sie sich noch an die sechziger Jahre? Wie sah die deutsche Vollblutaraberzucht damals eigentlich aus? Vor allen Dingen polnisch! Polnische Stuten und Hengste bildeten den Kern der damaligen Zucht.

Ägypter gab es nur vereinzelt: Hadban Enzahi und Nadja in Marbach. Malacha und deren Ghazal-Tochter Moheba II in den Stallungen des Fürsten Knyphausen, ihre Vollschwester Malikah bei Dr. Erwin Filsinger. Carl-Heinz Dömken schließlich besaß den Silberschimmel Ghazal (v. Nazeer), während Kaisoon (v. Nazeer) als Reitpferd im Zoo von Duisburg stand.

Zu dieser Zeit wurden alle ägyptischen Stuten von polnischen Hengsten gedeckt. Von ägyptischer "Reinzucht" sprach damals kaum einer.

Dr. Erwin Filsinger war einer der ersten, der sie praktizierte. Carl-Heinz Dömken einer der ersten, der sie forderte. Letzterer lud sich den Zorn der Polen-Züchter auf sein Haupt, denn sie sahen ihre Existenz gefährdet. Polnische Araber gab es "wie Sand am Meer", doch Ägypter... So kam es zu erbitterten "Stammesfehden" zwischen den Züchtern. Erst die überdurchschnittliche Nachzucht der ägyptischen Hengste ließ die Polenverfechter verstummen.

Ghazal hatte die Ägypterwelle ausgelöst. Er galt für viele als Inbegriff aller orientalischen Pferdeschönheit. Seiner Ausstrahlung, seinem Flair vermochten sich nur wenige Standhafte zu widersetzen. Doch gemäkelt wurde - damals wie heute - auch an ihm: Sein Vorderbein sei nicht zu tolerieren, der Senkrücken für einen Zuchthengst geradezu verwerflich und der Hals sei viel zu tief angesetzt. Das Ergebnis: Ghazal erhielt von der Körkommission die Note 4. Die schlechteste, die es damals gab! Doch die Zeiten änderten sich: Hadban Enzahi kam in Marbach zum Großeinsatz und Kaisoons züchterische Trumpfkarte wurde nach Jahren endlich entdeckt: Die "Ägypterwelle" setzte ein und die Massenimporte der ägyptischen Araber nach Deutschland begannen.

Am schwersten von allen drei Nazeer-Söhnen in Deutschland hatte es Kaisoon gehabt, der von den Polenzüchtern als "pin-up-Girl-Schönheit" verlacht worden war. Als Deckhengst hielten sie ihn für untragbar. Doch er rächte sich durch allerbeste Nachkommenschaft... Und Ghazal wurde im Besitz von Carl-Heinz Dömken zur Inspiration für viele – seine Nachkommen waren ohnehin über jeden Zweifel erhaben.

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Aber es war einzig Hadban Enzahi, den Deutschland von Anfang an wie einen König willkommen hieß. Und das hatte einen Grund: Er war der einzige Ägypterhengst, der für ein staatliches Gestüt erworben wurde. Da wagten die wenigsten Protest...

Eine Ankaufskommission hatte ihn im November 1955 im ägyptischen Staatsgestüt El Zahraa ausgewählt. Der Züchter von Hadban Enzahi war General von Szandtner, der einst Babolna geführt hatte und El Zahraa von 1949 bis 1958 leitete. Er war einer der wenigen, der die Bedeutung der orientalischen Araberhengste für europäische Zuchten von Anfang an realisierte und ägyptische Araber nicht mit den Augen des "deutschen Fehlerguckers" betrachtete. Denn die Beduinen und die ägyptischen Paschas stellten das reine Blut, Adel, Schönheit und Ausdauer an die erste Stelle. Was bei uns als Mangel galt, sah man hier nicht als solchen an.

Dr. Wenzler war nach Ägypten gereist, um der Tradition entsprechend für Marbach einen orientalischen Hengst zu erwerben - wenn möglich gar einen zweiten Jasir. Und da war er nun: Hadban Enzahi, dreijährig, ein ungeschliffener Diamant. Ein Sohn der Wüste, trocken und hart wie der Boden, auf dem er stand.

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Der bedeutende Ernst Bilke, der bei der Besichtigung von El Zahraa zugegen war, erinnerte sich an die Eltern von Hadban Enzahi: "Der damals 20-jährige silberweiße Nazeer war das Edelste vom Edelsten. Er war sehr gut auf den Beinen, ein Netz von Adern war über seinen Körper gebreitet. Er war der Vater der beiden für Deutschland angekauften Hengste Hadban Enzahi und Ghazal. Die Vorführung der Mutterstuten in Gruppen von je sechs Stuten bot herrliche Bilder von Schönheit und Adel, von Trockenheit und von traumhaftem Glanz extremster Schönheit des Orients! Als eine Stutengruppe auf dem Kreis ging, fiel sofort eine Forellenschimmelstute auf. Bei der Frage nach dem Namen sagte Szandtner erfreut: ‚Das ist Bukra, die Mutter von Ghazal!‘ Und als einige Runden weiter wiederum nach den Namen einer marmorweißen Schimmelstute gefragt wurde, antwortete Szandtner darauf: ‚Das ist Kamla, die Mutter des Hengstes, den Marbach bekommen soll.‘ Die Mutterstuten von El Zahraa waren eine herrliche Ansammlung von Elite-Arabern, eine Anhäufung von Schönheit und Adel."

Innerhalb von 19 Zuchtjahren gelang es Hadban Enzahi in Marbach aus vier Stuten eine knapp zwanzigköpfige Stutenherde zu formen, die lange Zeit als eine der besten und einheitlichsten der Welt galt. Die "silberne Herde von Marbach", die ihre Existenz zum größten Teil Hadban Enzahi verdankte, wurde weltweit zu einem Begriff.

Bereits Hadbans erstes Fohlen wurde zu einem züchterischen Erfolg: Die 1957 geborene Sahmet (x Jatta v. Jasir). Sie galt lange Zeit als die beste Hadban Enzahi-Tochter und errang auf etlichen Ausstellungen erste Preise. Ihre besten Söhne dürften Saher (v. Ghazal) und der in Australien erfolgreiche Sindibad (v. Hadban Enzahi) gewesen sein. Im Laufe der Jahre stellte sich übrigens die Kombination der beiden Nazeer-Söhne Ghazal und Hadban Enzahi als erfolgreiches Zuchtprinzip heraus. Einige der besten Hadban-Nachkommen wurden von Ghazals Töchtern geboren: Madkour I, Mameluck, Moneef und Mona III stammen aus der Moheba II (v. Ghazal). Und Mahomed, Malik, Maymoonah und Maisa sind Kinder der Ghazal-Tochter Malikah.

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Photo: Boiselle

Madkour I im Gestüt Ismer

Madkour I galt als der einflußreichste Hadban Enzahi-Sohn. Seine Nachkommen bestätigten ihn als Weltklasse-Vererber. Auch er hatte in der Kombination mit Ghazal-Blut einige seiner bedeutendsten Zuchtprodukte – man denke nur an den internationalen Champion-Hengst Mashour (x Shiwa v. Ghazal).

Die Vollgeschwister Mahomed, Malik & Co galten als Maßstab der deutschen Ägypterzucht. Was Typ, Adel und Schönheit anbetraf, hatte sich Hadban Enzahi hier selbst übertroffen. Maymoonah (Hadban Enzahi x Malikah v. Ghazal) - eine dieser Vollgeschwister - gebar in Anpaarung mit dem dritten "deutschen" Nazeer-Sohn Kaisoon den unvergessenen Maymoon. Er galt als unbestritten bedeutendster Kaisoon-Sohn der Geschichte. Und das nicht nur aufgrund seiner international erfolgreichen Nachkommen. Nein, alleine seine charismatische Erscheinung machte ihn zu einem Ereignis!

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Photo: Filsinger

Maymoon, der einzige Hengst, der die drei "deutschen" Nazeer-Söhne in direkter Folge in seinem Pedigree vereint

Malik war zusammen mit seinen Brüdern Madkour I und Moneef der Star des ersten europäischen "Egyptian Events". Selten hat man einen solch vitalen Ausbund an Kraft, Schönheit und männlicher Präsenz erlebt. Maliks kohlschwarze Augen funkelten. Seine Nüstern weiteten sich und sein forderndes Gewieher machten jedem deutlich: Hier kommt ein arabisches Pferd! Der Applaus, der seine Auftritte begleitete, war frenetisch. Doch auch seine züchterischen Leistungen sollten nicht vergessen werden: Zu seinen Nachkommen zählen nationale und internationale Champions und seine Söhne decken in aller Welt.

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Photo: Filsinger

Malik beim "Egyptian Event" - es war sein letzter öffentlicher Auftritt

70 eingetragene Töchter von Hadban Enzahi bereicherten und bereichern weltweit die Vollblutaraberzuchten. Von seinen rein ägyptischen Töchtern in Marbach waren es vor allem die Stuten Nabya und Noha (beide aus der Nadja v. Nazeer), die durch überragende Nachzucht auf sich aufmerksam machten. Nohas bekanntester Sohn ist der nach Kanada exportierte Norus (v. Gharib), dessen Sohn Hadidi das Welt-Championat in Paris gewann.

Von Hadban Enzahis zahlreichen herrlichen Töchtern profilierte sich besonders Mohena, deren Söhne El Mokari und Sanadik El Shaklan (beide v. El Shaklan) in Dänemark bzw. in den USA zu den Top-Vererbern zählen. Apropos USA: Dort gehörte Sanacht (Hadban Enzahi x Hathor v. Halef) lange Jahre zu den führenden Zuchtstuten.

Hadban Enzahis Leben wurde am 22. Juli 1975 von einem Hitzschlag beendet. Er war bereits zu Lebzeiten eine Legende. Sein herrischer, in die Weite gerichteter Blick und sein unahbares Wesen trugen nicht unerheblich dazu bei. Er war einer der letzten großen Pferdefürsten der internationalen Araberzucht. Die Erinnerung an ihn hat bis heute überlebt.

 

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KURZ-PROFIL

Name: Hadban Enzahi

Vater: Nazeer (Mansour x Bint Samiha)

Mutter: Kamla (Sheikh El Arab x Samha)

Geboren: 15. 08. 1952

Importiert: 1955

Gestorben: 22. 07. 1975

Oliver Wibihal


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