|
|
|
Kaisoon Die Lebensgeschichte von Kaisoon beginnt in Ägypten im Jahr 1958. Seine Eltern waren erlauchte, berühmte Pferde. Der Vater Nazeer bedarf keiner genaueren Vorstellung. Die jüngere Ägypterzucht ist unvorstellbar ohne ihn. Die Mutter Bint Kateefa (v. Sid Abouhom) war eine typische Vertreterin der Rodania-Linie aus dem Stamm der Kuhaylan Rodan. Ein Stamm, der sich hauptsächlich durch großrahmige, schlanke und mit langen Linien versehene Pferde auszeichnet. Auch die Köpfe sind länger, selten eingesattelt, die Ohren lang, weniger "eingedreht". |
| Der Ausdruck ist nicht
lieblich, wie beispielsweise bei Dahman-Pferden, sondern eher "hart" und
ursprünglich. Eine besondere Härte und Energie ist ihnen dann zumeist auch zu eigen.
Auffallend: Füchse dominieren diesen Stamm ein Erbe der großen Ahnin Rodania.
Obwohl man Kaisoon gerne im ägyptischen Staatsgestüt als Deckhengst gesehen hätte,
durchkreuzte die weltliche Politik die Zuchtpolitik. Der Schimmelhengst reiste als
Staatsgeschenk in die Bundesrepublik Deutschland. Wohin nun mit dem edlen Pferd? Für
Staatsgeschenke gelten besondere Regeln. Obwohl mancher Privatzüchter dem edlen Hengst
nur zu gerne ein Zuhause geboten hätte, entschied man sich für den Duisburger Zoo als
"neutralen" Standort.
Dort wurde er in der Reitschule des Zoos als Schulpferd eingesetzt. Man stelle sich vor, er wäre der Bequemlichkeit halber kastriert worden, um ihn einfacher im Reitbetrieb zu halten...Dennoch wurde Kaisoon der Körkommission vorgestellt und erfuhr ein gerechtes Urteil: Gekört! Die Halsung war ausreichend lang und gut angesetzt, mit leichtem Genick, die Oberlinie gut, das Fundament trocken, die Bewegungen ergiebig. Dies überwog die nicht ganz ideale Schulterpartie und die leicht überbaute Hinterhand. In einem waren sich die Herren aber einig: Hier stand ein Hengst in bestem Rasse- und Geschlechtstyp vor ihnen. Dank seiner Mutterlinie hatte Kaisoon auch Braune und Füchse unter seinen Nachkommen - im Gegensatz zu seinen Halbbrüdern Hadban Enzahi und Ghazal. Pigmentprobleme bekam Kaisoon erst im hohen Alter. Im Jahr 1966 im Alter von acht Jahren (!) - durfte er erstmals decken - und die deutschen Araberzüchter wählten ihn zum "schönsten Araberhengst Deutschlands". Nachdem Ghazal 1972 tödlich verunglückte und Hadban Enzahi 1975 starb, stand Kaisoon als letzter Nazeer-Sohn in Deutschland plötzlich im Rampenlicht. Er avancierte zum meistgenutzten Araberhengst Deutschlands, wahrscheinlich von ganz Europa. Fast fünfhundert direkte Nachkommen (nicht ausschließlich VA) zeugte Kaisoon. Typlose Stuten vermochte er nicht vollkommen zu verbessern. Züchter mit edlen Stuten aber hatten Glück mit ihm - egal ob die Stuten ägyptischen, polnischen oder gemischten Linien entsprangen. Er vererbte seinen Fohlen lange Linien und schwungvolle Bewegungen sowie ein waches, lebhaftes Temperament.
Einige Kaisoon-Söhne Den größten Einfluß hatte Maymoon (x Maymoonah v. Hadban Enzahi x Malikah v. Ghazal). Der von Dr. Erwin Filsinger gezogene Schimmel vereinigte alle drei "deutschen" Nazeer-Söhne in sich. Er war nicht nur extrem typvoll, sondern auch ein Ausbund an Energie und Härte. Maymoon verkörperte den drahtigen Saklawityp. Doch er starb jung. Erschrocken über einen Tiefflieger geriet er in Panik und brach sich so unglücklich ein Vorderbein, daß er eingeschläfert werden mußte. Er war erst elf Jahre alt.
Photo: Toischel Hakeel Ibn Kaysoon (Kaisoon x Hania)
Sein Halbbruder Hakeel Ibn Kaysoon (x Hania v. Tuhotmos) geboren 1979, blickt dagegen auf ein langes Leben zurück - und seine Vitalität scheint ungebrochen. Er legte nicht nur mit typvollen Nachkommen Ehre für seine Eltern ein, sondern bewies auf verschiedenen Distanzritten sein Leistungsvermögen. Familie Thierer, Bad Schönborn, hatte Kaisoon zum exklusiven Beschäler ihrer Stuten erkoren. Moneera (v. Alaa el Din) und Salha (v. Sameh) brachten mehrere Fohlen von ihm. Über viele Jahre waren zwei Kaisoon-Söhne bei Thierers aufgestellt: Moneer (x Moneera) und Shareef (x Salha), der sich vor allem auf Distanzritten bewährte.
El Karnak (Kaisoon x Om El Arab)
Mit der Stute Om el Arab (v. Alaa el Din) zeugte Kaisoon gleich drei überzeugende Söhne: Bakil, Chalil und El Karnak. Bakil schlug sich erfolgreich auf der Rennbahn und verließ Deutschland als gekörter und prämierter Hengst in Richtung USA. Die ebenfalls gekörten Hengste Chalil und El Karnak stehen in Belgien beziehungsweise Deutschland im Deckeinsatz.
Photo: Toischel Amir Mahabb (Kaisoon x Morasha)
Einer der letzten Söhne Kaisoons - und noch dazu einer der schönsten - ist Amir Mahabb. Ein Hengst mit herrlich großen Augen. Er ist in Zentimetern nicht der Größte, verfügt jedoch über so viel Aufrichtung und Charme, daß es dem Betrachter nicht auffällt. Seine Mutter ist die typvolle Morasha (Anchor Hill Halim x Mofeedah). Susanne Fritz wagte mit diesen beiden Pferden Inzestpaarungen. Ein Produkt dieser Anpaarungen - Amira Mailah Bint Morasha - war anläßlich des Asil Cups 1997 zu sehen, wo sie Reserve-Championesse der Junioren wurde.
Einige Kaisoon-Töchter
Photo: Escher Jaszirah (Kaisoon x Jeszikah)
Erfolgreichste und einflußreichste Tochter ist die 1974 geborene Fuchsstute Jaszirah (x Jeszikah v. Wisznu) Sie begründete den Ruhm des Gestüts "Am Saalegrund" von Walter Koch. Jaszirah ist die Mutter unzähliger Champions auf höchster Ebene: Europa- und National-Champions fast im Dutzend. Die Stute Jassrah (selbst erfolgreich in der Zucht) und der Hengst Jericko seien stellvertretend erwähnt.
Photo: Boiselle Nazeerah (Kaisoon x Nadia)
1971 importierte Carl-Heinz Dömken nicht nur die Morafic-Tochter Afifa, er nahm auch gleich die Schimmelstute Nadia (Amlan-Eman x Foze) mit. Wie war das mit den Regeln, die durch Ausnahmen bestätigt werden? Diese rahmige Stute wünschte man sich im Typ etwas feiner, und Kaisoon vollbrachte dieses Kunststück. Die Töchter Nazeerah und Naadiyah sind die Perlen des Dömken-Gestütes. Eine weitere Ausnahmestute ist El Kantara (Kaisoon x Diedje). Die 1969 geborene Fliegenschimmelstute, selbst vielbeachtete DLG-Siegerin, brachte mit Amun El Kantar (v. Anchor Hill Halim) einen Körungssieger sowie eine Reihe hervorragender Töchter. Ihre Enkelin, die dunkelbraune Amun Kareemah, gilt als eine der schönsten Gharib-Töchter.
Photo: Toischel Amun Kareemah - eine von Kaisoons schönsten Enkeltöchtern
Im "Hamasa-Gestüt" wurde Kaisoon intensiv eingesetzt und verwöhnte Dr. Olms mit einigen noblen Töchtern. Dazu gehörte Hamasa Kahila (x Shar Zarqa), die mit enormen Bewegungen ausgestattet ist. Sie brachte von 15 Fohlen alleine drei gekörte Hengste.
Photo: Toischel Nafteta (Kaisoon x Moneera)
Doch über allen Stuten des Hamasa Gestüts steht in einsamer Höhe die "ägyptische Königin" Nafteta (Kaisoon x Moneera) aus der Zucht der Familie Thierer. Sie ist für ihre Schönheit und ihre fulminante Vererbungskraft bekannt. Überhaupt war die Kombination von Moneera und Kaisoon berühmt für typstarke Töchter wie Malinche, Manaya oder Moniet. Möglicherweise gründet sich die gleichmäßige Vererbung aus dieser Kombination auf zwei Punkte: Zum einen ist Moneera eine Alaa el Din-Tochter (Nazeer x Kateefa), also eng verwandt mit Kaisoon. Zum anderen waren sich beide Pferde auch im Phänotyp sehr ähnlich.
Photo: Schneider Die nächste Generation - Moneera Siptah (Moneef x Shaheera v. Kaisoon)
Selbst im hohen Alter machte Kaisoon seinen Besuchern klar, wer da vor ihnen stand. Seine Augen sprühten noch immer vor Temperament und ließen vergessen, daß der Körper gealtert war. Eine Aura des Besonderen schien ihn zu umgeben. Kaisoon war ein Hengst, den "man" einfach gesehen habe mußte. Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte er 1983 bei der internationalen Schau in Aachen. Er betrat den Ring "außer Konkurrenz" und riß die Zuschauer zu Beifallsstürmen hin. Eine Augenzeugin erinnert sich: "In seiner Box wirkte er unscheinbar, denn er war schon ein recht altes Pferd. Im Freien, in der Bewegung stach er jedoch alle anderen Hengste aus. Plötzlich war da eine Spannung in ihm - von der Nüster bis zum Hinterhuf. Alles an ihm war Adel, Grazie und Eleganz. Kaisoon war nicht rasiert, nicht geschminkt und wurde ganz natürlich vorgestellt. Und er war sich seiner Schönheit bewußt." Am 22.September 1987 konnte Kaisoon ohne Hilfe nicht mehr aufstehen. Der Zoodirektor beschloß, den alten Hengst von seinem Leiden zu erlösen. Mit Kaisoon starb das vielleicht prominenteste Tier, das jemals in einem Zoo zu Hause war. |
|
|
|
Gregor Wimmer
|
|
This article was brought
to you by
www.straightEgyptians.com
All rights reserved.