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Wann immer die Vielseitigkeit
und Reit-
eignung des ägyptischen Arabers in Frage gestellt wird, dauert
es nicht lange und einer zieht mit überlegenem Grinsen ein As aus dem
Ärmel: Orashan. Eine Karte, die unter Garantie sticht!
Photo: Javan Schaller Orashan, wie wir ihn kennen Wenige rein ägyptischer Pferde in den USA können mit dem Multi-Talent konkurrieren. Orashan, der seinen Hafer im Imperial-Gestüt bekommt, wurde von Richtern in Deutschland, Nordamerika und Kanada an die Spitze gesetzt. Er gewann Championate und Platzierungen an der Hand, aber vor allem in den verschiedensten Reit- und Fahrdisziplinen. Und zwar nicht auf kleinen Wald- und Wiesenschauen, sondern auf den großen A-Schauen, in Scottsdale und bei den Kanadischen Nationals. Durch seine zahllosen Auftritte wurde er einer internationalen Fangemeinde bekannt, sein züchterischer Einfluss umspannt mehrere Kontinente. Orashan glänzte unter dem Sattel, genauer gesagt unter den Sätteln, denn er absolvierte Western-Klassen genauso souverän wie die klassische Variante des “English Pleasure”. Er war in Fahrprüfungen zu sehen und trabte bei Liberty-Klassen im Takt der Musik durch die Bahn. Die unterschiedlichsten Richter machten ihn in den unterschiedlichsten Disziplinen zum Champion. Beim Egyptian Event brillierte Orashan als “Pferd für alle Fälle”. In einem Jahr gewann er in der Schauklasse, im nächsten wurde er unter dem Westernsattel gezeigt, im Jahr darauf ritt ihn jemand im Damensattel, danach ging es ins Dressurviereck, er zog in entspanntem Trab einen leichten Wagen oder wurde als Liberty-Champion gefeiert. Orashan, der Bilderbuchathlet.
Auch er fing klein an. Auf dem Gestüt der Familie Maiworm kam er 1983 als Sohn von Messaoud und Ora zur Welt. Mütterlicherseits ein Urenkel der bekannten Zuchtstute Om El Arab (Alaa El Din x Tifla), die Heinz-Rüdiger Merz von Ägypten nach Deutschland importiert hatte.
Orashans Vater Messaoud (Madkour x Maymoonah v. Hadban Enzahi) gehört nach wie vor zu Deutschlands bedeutendsten Vererbern – in Bezug auf Qualität und Quantität. Seine Tochter Oraya (Orashans Vollschwester) ist die Mutter des verstorbenen Europa-Reserve-Champions Orayan (v. Maysoun).
Zu Beginn der achtziger Jahre durchkämmte Eileen Verdieck, die damalige Managerin des Imperial Gestüts, die Welt auf der Suche nach einem passenden Hengst für die Töchter von Moniet El Nafis und Ansata Imperial. Sie bildeten die züchterische Grundlage des Imperial-Gestüts. In Orashan und seinem jüngeren Halbbruder Madhin fand sie die richtigen. Beide kamen nach Amerika und sofort nach der Ankunft wurde Orashan für den Schauring vorbereitet. Er gewann viele Titel und 1989 rief man ihn zum "Supreme Champion" des Egyptian Events aus – der ultimative Titel für einen Ägypter in den USA. 1991 schaffte er es unter die besten Zehn der National-Schau – als dritter "Deutscher" nach El Shaklan und Jamil.
Während
seiner Schaukarriere fiel den Zuschauern Orashans Sanftmut auf. Wo
immer er gezeigt wurde, standen früher oder später kleine Kinder um
ihn herum und streichelten ihn. Auf Anordnung seiner Trainerin trabte
er seine Runden, blähte die Nüstern, schnaubte und trabte durch die
Bahn. Doch seine Natur diktierte ihm ein ruhiges, sanftes Benehmen.
Kein Wunder, dass Orashan der Liebling des Stallpersonals ist und
jeder, der ihn einmal erlebte begeistert über seine Umgänglichkeit
und Ruhe erzählt. Orashan ist kein kleiner, zierlicher Hengst mit
eleganten Linien und fragilen Beinen. Tatsächlich trabt er jede "russische
Bewegungsmaschine" in Grund und Boden. Ein Züchter hat einmal
folgendes über ihn gesagt: Er ist kein Ballett-Tänzer sondern ein
Athlet. Das trifft den Nagel auf den Kopf. Umso beeindruckender ist
seine Hingabe zu denen, die er liebt – dann verwandelt sich der mächtige
Hengst in einen liebevollen Schoßhund. Sie werden kein besseres Kindermädchen
finden als ihn...
Orashan ist nicht nur sympathisch, er ist vor allem ein talentiertes Reitpferd. Ein brauchbares Reitpferd. Klar denkend, leicht zu lenken, in jeder Disziplin einsetzbar. 1990 sicherte er sich alleine in Scottsdale (der größten Araberschau der Welt) und bei der kanadischen National-Schau einen Platz in der "Top Ten" – und zwar in der Disziplin "Country English Pleasure", einem Reitstil, der unserer klassischen Dressur recht nahe kommt. Dazu kamen zahlreiche Championate auf großen A-Schauen. Selbst wenn Orashan einen Wagen zieht, zeigt er die Versammlung eines Dressurpferdes. Es macht ihm Freude zu arbeiten: die Ohren stets gespitzt, den Schweif in der Luft, galt er jahrelang als erfolgreicher Botschafter für ägyptische Leistungslinien. Man konnte sich darauf verlassen, dass er das Banner für die Ägypter hissen würde – ganz gleich in welcher Disziplin. Die Frage ist nur: Wer tut das heute?
Daniel Hölzel |