
Die Vierte National-Schau
Von Susanne Bösche
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Nach seinem ersten Aufenthalt in Qatar behauptete ein Freund, dass dieses Land süchtig mache. Wie recht er damit hatte! Die Pferde, die Menschen und das Land selbst bilden ein faszinierendes Kaleidoskop unwiderstehlicher Schönheit, eine Vielfalt an Farben und Ansichten. Allein die Wüste mit ihren magischen Sonnenuntergängen ist die längste Reise wert. Gar nicht zu reden von den Gestüten mit ihren verschiedenen Zuchtprogrammen: Die internationalen Champions von Al Shaqab, Al Rayyans ätherische ägyptische Schönheiten, das Nasser Farm Programm, welches Schönheit und Funktionalität verbindet und Al Naifs internationaler Mix verschiedenster Blutlinien. Hätte ich doch nur einen fliegenden Teppich – ich reiste zweimal pro Woche nach Qatar...
Die meisten Europäer und Amerikaner denken bei Qatar an ein homogenes Zuchtprogramm. Das ist nicht der Fall. Es gibt verschiedene Programme mit verschiedenen Zuchtzielen, verschiedenen Blutlinien und verschiedenen Typen. Die Gestüte mögen einige Pferde tauschen, ihre Philosophien diskutieren und gelegentlich die gleichen Hengste benutzen, doch im Grunde ist jedes Gestüt für sich eine eigene Welt. ![]() Photo: Rik van Lent jr Die Welt von Al Shaqab Al Rayyan ist die einzige Farm, auf der ausschließlich reine Ägypter gehalten werden. Das Gestüt des Emirs von Qatar - Al Shaqab - und die kleineren Gestüte entwickelten ihre eigenen ”Show”-Typen, indem sie unterschiedliche Blutlinien mischten. Trotzdem fließt der ägyptische Blutstrom auch in diesen Gestüten – Al Shaqab besitzt das größte ägyptische Zuchtprogramm des Landes, das bekannte Pferde wie Imperial Phanilah, Al Aadeed Al Shaqab und die selbst gezogene Championesse Amira Al Shaqab umfasst.
Al Aadeed Al Shaqab (Ansata Halim Shah x Sundar Alisayyah) Trotzdem dürfte das Pferd, das Europäer und Amerikaner mit diesem Gestüt verbinden ein anderes sein: der braune Hengst Gazal Al Shaqab – ein Repräsentant des ”Showpferde”-Programms. Seine Mutter ist die frühere amerikanische National-Championesse Kajora (polnisch), der Vater der einstige Champion des Egyptian Events, Anaza El Farid (ägyptisch). Gazal Al Shaqab hat Schauen in Amerika und Europa gewonnen und steht zur Zeit in Deutschland im Training, um sich im Dezember auf dem Salon du Cheval von seiner besten Seite zu zeigen.
mit Gazal Al Shaqab Scheich Abdulazizs Al Rayyan Farm ist im Gegensatz zu Al Shaqab ein kleines Gestüt – aber nur, was die Anzahl der Pferde betrifft. Jahr für Jahr beeindruckt Al Rayyan die Besucher der internationalen Schau im März durch eine beispiellose Kollektion klassisch schöner Stuten.
Ich denke an Damen wie Aisha, Ansata Majesta, Ansata Selket, Turkiya Al Rayyan, RN Farida und RN Sultana. Wer am Paddock von Al Rayyan steht und die gazellenartige Eleganz der Stuten genießt, die mit gespitzten Ohren und wehenden Schweifen vorbeilaufen, erfährt die wahre Bedeutung des schlichten Wortes ”Schönheit”.
Doch auf Al Rayyan regieren nicht nur die Damen: der junge, selbst gezogene Ashhal Al Rayyan (der aus Deutschland wieder in seine Heimat zurückgekehrt ist) hielt beim Tag der offenen Tür Hof und sammelte seinen Harem um sich. Schnaubend paradierte er in wunderbarer Versammlung einher, jeder Zentimeter ein stolzes arabisches Pferd. Ein hoffnungsvoller Anwärter auf den Thron von Al Rayyan, den sein Vater Safir vor Jahren bestieg.
Die jüngsten Gestüte sind Al Naif und Nasser. Beide traten auf dieser Schau sehr erfolgreich in Erscheinung. Die bekanntesten Gesichter des Nasser-Gestüts sind Imperial Madanah, der vielfache Reitklassen-Gewinner Imperial Injah und der führende Vererber dieser Schau, Imperial Mahzeer (Imperial Madheen x Maar Bilahh).
Al Naif setzt zur Zeit gleich drei importierte ägyptische Hengste ein: Ansata Shalim, Ansata Nile Echo und Ansata Haisam. Der Erste stammt von Ansata Halim Shah, die beiden anderen von seinem Sohn Ansata Hejazi. Alle drei gehen auf verschiedene Mutterlinien zurück und unterschieden sich auch im Typ voneinander.
Ansata Nile Echo überstrahlt alle in seiner Umgebung durch sein großes Charisma und begeistert mit gewaltigen Bewegungen, während Ansata Haisam der geborene Athlet zu sein scheint (dank Gharib in seinem Pedigree). Auf den ersten Blick wird Ansata Shalim dagegen recht unauffällig, doch nach einem Blick auf seine beachtlichen Fohlen mag man ihm das nachsehen. Die neuesten Errungenschaften des Gestüts kommen aus dem fernen Australien: Einige von Marion Richmond gezogene Pferde, die das Blut von Asfour, Anaza Bay Shahh und 27 Ibn Galal V nach Qatar brachten.
Die
Schau
Es
war interessant die Nachkommen der arrivierten Vererber Imperial Mahzeer,
Ansata Halim Shah oder Alidaar mit den Fohlen der neuen Beschäler-Generation
(Al Aadeed Al Shaqab, Gazal Al Shaqab, Ansata Nile Echo, Ansata Shalim
und Ashhal Al Rayyan) zu vergleichen. Gerade die Nachkommen der in Qatar
gezogenen Hengste sind von besonderem Interesse, da diese Fohlen bereits
die zweite oder dritte Generation wieder in “der Wüste” gezogener
Pferde repräsentieren. Ihre Qualität spricht deutlich dafür, dass die
Scheichs sich mittlerweile als Züchter etabliert haben – und nicht
mehr nur Käufer von spektakulären Pferden sind!
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