Ruminaja Ali - StraightEgyptians.com

Der Abschied von einem amerikanischen Helden

 

Legenden leben für immer, Helden sterben jung, und alte Helden geraten in Vergessenheit! Das sind die Gesetze des Lebens. Für angegraute Helden ist auf dieser Welt kein Platz. Wer unvergessen sein will, muß sich früh vom Leben verabschieden. Ein tragischer Tod in junger, strahlender Schönheit bürgt für Unsterblichkeit.

Hengste wie Morafic, Ghazal oder Halim Shah sind für alle Zeiten in unser Gedächtnis eingebrannt, weil sie jung starben und lange vor ihrer Zeit abberufen wurden. Doch wer denkt an die alten Recken, die noch unter den Lebenden weilen? Wer spricht noch von Menes, von Aladdinn oder von Padron? Die Helden von einst fallen der Vergessenheit anheim. Bis zu ihrem Tod...

Ruminaja Ali teilte ihr Schicksal. Still war es in den letzten Jahren um ihn geworden, um ihn, von dem einst die Welt gesprochen hatte. Vor zehn Jahren nannten Züchter seinen Namen noch mit Ehrfurcht. Später mischte sich Gleichgültigkeit darunter. Und plötzlich war er nur noch einer von vielen.

Verdient hatte er das nicht. Denn er war eine Ausnahmeerscheinung. Ein Hengst wie aus dem Bilderbuch. Ein Charakter. Und eine Persönlichkeit. Ein Vererber von Weltrang, dessen Söhne und Töchter ihm in Schönheit und Qualität nicht nachstanden.

Der Aufstieg

Als unbekannter "Hinterwäldler" sorgte Ali 1979 für eine Sensation, als er das amerikanische Nationalchampionat der dreijährigen Hengste gewann - die sogenannten "Futurities". Keiner kannte ihn, keiner hatte mit ihm gerechnet - doch jeder klatschte begeistert Beifall, als er seine Ehrenrunde trabte. Ruminaja Ali deklassierte an diesem Abend die gesamte amerikanische Show-Elite. Noch nie zuvor hatte es solch begeisterten Applaus für einen Champion gegeben. Er war der zum Leben erweckte "amerikanische Traum", die allgegenwärtige Geschichte des Tellerwäschers, der zum Millionär aufsteigt: Ruminaja Ali betrat mit einem Paukenschlag die Show-Bühne und wurde über Nacht zu einem Star. "Unglaublich war das", erinnert sich Alis Besitzer Jim Bergren. "Mein Bruder, meine Mutter und ich saßen auf der Tribüne und hielten uns aneinander fest. Alis Züchter, Russ und Mildered Jameson, saßen kreidebleich neben uns. Da saßen wir nun, fünf Unbekannte aus Michigan, die es mit der gesamten 'Industry' aufgenommen hatten. Und Ali stach sie alle aus. Ein großartiges Gefühl. Noch heute bekomme ich Gänsehaut!"

Der Höhepunkt

Dann trat David Gardner in Alis Leben, ein exzellenter Marketing-Stratege und Ex-Manager der gigantischen Bentwood-Farm. "Ali faszinierte mich vom ersten Augenblick an", erklärt er. "Und ich gab nicht auf, bis er schließlich in meinem Stall stand!"

Alistand.jpg (24797 bytes) Photos: Knoll

Damit begann der Aufstieg und Fall des Ruminaja Ali. Er wurde für Millionen syndikatisiert (6,5 Millionen US-Dollars, um präzise zu sein), und David Gardner überwachte jeden seiner Schritte mit Argusaugen. Nichts blieb mehr dem Zufall überlassen. Und als Ali 1983 erneut in den Schauring stieg war er bereits so bekannt, daß ganze "Fankurven" seinen Namen schrien. Es gab Wimpel mit seinem Namen, Anstecker, Jacken, Mützen und Schals, die verkündeten, daß Ali der einzig wahre National-Champion sei. Die Rechnung ging - fast - auf. Unter dem Jubel seiner Fans wurde Ruminaja Ali Reserve-National-Champion.

Schon nach kurzer zeit stellte sich heraus, welches Vererberpotential in Ali schlummerte. Sein Vater Shaikh Al Badi (Morafic x Bint Maisa El Saghira) wurde einzig und allein durch Ali zum Star, denn er blieb mit Abstand sein bestes Produkt. Nichts, was Shaikh Al Badi vor oder nach Ali gezeugt hat, reicht an diesen heran. Einzig seine Vollgeschwister näherten sich ihm - doch ein Abstand blieb!

Seine Mutter Bint Magidaa (Khofo v. Morafic x Magidaa v. Alaa El Din) entstammt einer der stärksten und erfolgreichsten Mutterlinien der amerikanischen Ägypterzucht. Der Halbbruder seiner Mutter ist Nabiel (Sakr x Magidaa), dessen Stern am Ägypterhimmel einst so hell leuchtete wie Alis.

Alis Schönheit machte ihn berühmt, doch seine Reputation als Vererber folgte auf dem Fuße. Er zeugte über vierhundert Nachkommen. Und wer Söhne wie Ali Jamaal, Anaza El Farid oder Focus Khemali hervorbringt, muß ohnehin nichts weiter beweisen. Allein Ali Jamaal hätte ihm als Vererber Krone und Lorbeer eingebracht, denn er gilt auf der ganzen Welt als Maßstab für arabischen Typ, Harmonie, Eleganz und alles in den Schatten stellende arabische Schönheit! Seine Kinder haben auf fast allen Kontinen gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Er selbst stand als National-Champion in Kanada und in den USA im Rampenlicht. War Ruminaja Ali seinem Vater in der Vererbung weit überlegen, so ist Ali Jamaal seinem Erzeuger zumindest um eine Nasenlänge voraus. Lenita Perroy in Brasilien ist Ali Jamaals langjährige Besitzerin, die seine Geschicke mit Umsicht und großer Liebe leitet. Auch unter Ali Jamaals Söhnen sind einige, die ihrem Vater nicht nur ebenbürtig sind, sondern ihn sogar übertreffen. "Man wünscht sich in seinem Leben zwei Pferde wie Ali Jamaal", sagt Lenita Perroy. "Doch glauben Sie mir, man ist der glücklichste Mensch der Welt, wenn man nur eines wie ihn hat!"

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Ali Jamaal - der Traum vieler Araberzüchter

In Europa sind die Hengste MA Alishah, Focus Khemali, Ali Valentino, Coaltown und die bezaubernden Stuten BSA Aliya, MA Pistol und BKA Alisabbah (um nur einige zu nennen) als Botschafter des Ali-Blutes sehr erfolgreich. Focus Khemali gewann 1996 u.a. das Welt-Championat in Paris und den "All Nationas Cup" in Aachen, bei dem seine Schwester BSA Aliya das Stuten-Championat für sich verbuchte.

Der Rapphengst Coaltown, der durch sein wie aus Marmor gemeißeltes Gesicht besticht, gewann das Reserve-National-Championat von Italien, MA Alishah erregte aufgrund seines extrem exotischen Typs überall Aufsehen und Ali Valentino wurde Anfang 1997 anläßlich der Verbandshengstschau in Aachen mit überragenden Typnoten Sieger der Senioren-Hengste und siegte Anfang 1998 auf der internationalen Schau in Wels im Senioren-Championat.

Alishah.jpg (19302 bytes) Photo: Escher

Der in Europa erfolgreiche Alishah

 

Im übrigen siegten und siegen Alis Nachkommen überall auf der Welt. Kaum ein araberzüchtendes Land, das keinen bedeutenden Nachkommen von ihm aufweisen kann.

Die Persönlichkeit

Ruminaja Ali war kein sanfter Hengst. Typisch für die Morafic-Linie besaß er ein feuriges Temperament und einen ausgeprägten eigenen Willen. Er verstand es, sich deutlich mitzuteilen und drückte seinen Unwillen genauso temperamentvoll aus wie seine Freude.

Die bekannte Fotografin Polly Knoll, die einige der schönsten Fotos von ihm schoß, kannte ihn lange und gut. "Er besaß immer dieses besondere Feuer, daß ihn von anderen unterschied und ihn zum Champion machte", erinnert sie sich. Es war nicht immer leicht, sein Temperament in geordnete Bahnen zu lenken. David Gardner konnte das am besten, bei ihm fühlte sich Ali sichtlich wohl! Nie wieder jedoch habe ich Ali so glücklich gesehen wie im Umgang mit Davids Tochter Katie. Sie ritt ihn ohne Sattel. Barfuß. Einfach so. Sie schwang sich auf seinen Rücken und los ging's. Kein anderer hätte das wagen können. Keiner!" Denn Ali war kein Schoßpüppchen, das schmusend im Stall stand, sondern durch und durch ein Hengst. "Nachdem Ali von David Gardner und - vor allem - von Katie getrennt wurde, war er nicht mehr der Alte", meint Polly Knoll. "Ich habe ihn noch einige Male fotografiert, und ich hatte immer das Gefühl, er vermißt etwas. Vielleicht habe ich mir das nur eingebildet, doch der Glanz, die Freude in seinen Augen war verschwunden."

Auch David Gardner vermißte Ali. Der knallharte Profi, der Kühlschränke an Eskimos verkaufen konnte und ihnen dabei das Gefühl gab, sie hätten das Geschäft ihres Lebens gemacht, bekam einen verträumten Blick, wenn er von Ali sprach. Schließlich hatte er ihm viel zu verdanken. Oder war es Ruminaja Ali, der es ohne ihn, seinen fähigen Manager, nicht an die Spitze geschafft hätte? Wer kann das heute sagen, wer kann die beiden voneinander trennen?

Tatsache jedoch ist, daß Alis eigener Sohn zu seinem Verhängnis wurde. Und diesen Sohn züchtete David Gardner.

Das Aus

Es war The Minstril (Ruminaja Ali x Bahila). Er war der Grund, warum Ruminaja Ali von David Gardner auf Eis gelegt wurde. Er baute The Minstril systematisch zum Star auf und verdiente mit ihm das sprichwörtliche "große Geld". An Ruminaja Ali besaß David Gardner nur ein paar wenige Anteile. The Minstril gehörte ihm ganz. Er konnte ihn vermarkten, wie er wollte. Und das tat er nach allen Regeln der Kunst. In der Ägypterzucht Amerikas kommt heute kaum einer an ihm vorbei. Während Ruminaja Alis Stern langsam erlosch, schoß The Minstrils Name wie ein Komet in den Himmel. Seine Nachkommen haben das halbe Tausend erreicht, und sein Sohn Thee Desperado gehört heute zu den Top-Verdienern unter Amerikas Deckhengsten. Der überaus elegante braune Thee Desperado konnte nicht nur auf Schauen bestehen (Scottsdale-Grand-Champion, National-Reserve-Champion), sondern besticht durch beste Nachzucht auf fast allen Kontinenten dieser Welt.

Minstril.jpg (16065 bytes) Photo: Javan

The Minstril

Da David Gardner um die Gesetze des Lebens und des Marktes weiß, ließ er The Minstril rechtzeitig "sterben" - er nahm ihn vom Markt und ließ ihn für Fremdstuten sperren. Wie gesagt: Helden müssen jung von der Bühne abtreten, um Helden zu bleiben...

Alis neuer Manager Lyle Bertsch interessierte sich zu Zeiten des "Crashs" der Araber-Industrie - als die Preise fielen und kein Geld mehr mit Pferden zu verdienen war - nicht mehr für ihn. So holten ihn die Bergren-Brüder Ende 1989 zurück nach Michigan, wo er im Jahre 1976 geboren wurde. Einige Züchter hielten Ali die Treue, doch die meisten wanderten ab zu besser vermarkteten Hengsten. Er starb am 29. August des Jahres 1997 - fast unbemerkt von der Welt. Doch vergessen wird Ruminaja Ali nicht. Denn wie wir wissen, leben Legenden für immer!

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Oliver Wibihal