Mein Eindruck




Von Carmel Rowley

In schnellen, aufregenden Zeiten spricht man gerne von einem "Leben auf der Überholspur". Mein erster Besuch beim All Nations Cup in diesem Jahr brachte mir diesen Satz wieder ins Bewusstsein. Das lautstarke Publikum, die anfeuernden Moderationen des Kommentators und die dröhnende Musik ließen förmlich das Haus einstürzen.
Stellen Sie sich begeisterte Zuschauer vor, die wie auf dem Fußballplatz ihre Favoriten anfeuern, eine Halle, die vom Zigarettenrauch eingenebelt ist, sechs Richter mit ihren Helfern im Ring, die ständig hin und her hüpfen, um den heißgemachten Pferden Platz zu machen, die von ihren sportlich fitten Trainern vorgestellt werden, verfolgt von Helfern, die mit einer Peitsche hinter dem Pferd hersausen, um zu garantieren, dass es auch nicht eine Sekunden in Entspannung verfällt. Manchmal führte das ganze Szenario dazu, dass man sich in die Zeit der Gladiatorenkämpfe in das Kolosseum in Rom versetzt fühlte. So erlebten wir tatsächlich drei aufregende Tage "auf der Überholspur"!

Auf den ersten Blick kann einen die Art und Weise, wie die Pferde vorgeführt werden, richtig abschrecken - besonders wenn man an die jungen Pferde denkt. Aber: Egal, was man selbst davon hält, jedem Züchter und Besitzer steht es frei, eine eigene Entscheidung zu treffen und sich für oder gegen eine Schau zu entscheiden.
Eine - sagen wir - besondere Erscheinung, die das Publikum amüsierte, war der Peitsche schwingende Helfer im Ring. Ursprünglich sollte eine Schau den Sinn haben, Zuchtpferde einem breiten Publikum vorzustellen. Aber diese neue Praxis des Peitschen-Clowns verwandelt die alte Tradition der Zuchtschau in einen Zirkus. Manches Mal richtete sich die gesamte Aufmerksamkeit des Publikums auf dieses Helferlein, das auf alles einzuschlagen schien, was sich bewegte - inklusive der armen Richter. Amüsant gewiss, aber wirklich notwendig?

Auch Aachen bleibt nicht von den Stereotypen verschont, die überall auf der Welt auf Araberschauen zu beobachten sind. Zum Beispiel war es eine Schande, dass manch wunderschönes Pferdegesicht mit einer Art Gloss eingeschmiert war, das es aussehen ließ, als wäre es mit einer Gesichtsmaske behandelt. Auch einige "Pandabären-Augen" waren zu sehen - schwarz geschminkt schauten sie traurig in die Welt. Es gibt sicher genügend Regeln und wenige wurden verletzt. Aber das Auslegen dieser Regeln scheint immer noch zu viel Spielraum zu lassen und lässt auf den persönlichen Geschmack der Aussteller schließen...

Nach all der Kritik kommen wir nun zu den positiven Aspekten des All Nations Cup, dessen Besuch für viele Züchter weltweit zu einer lieben Tradition geworden ist. Er vereint Freunde, erbitterte Rivalen und freundliche Konkurrenten. Die Organisation läuft wie am Schnürchen und der Moderator macht seine Sache ausgezeichnet.
Man sieht wirklich einige der schönsten und besten arabischen Pferde der Welt und wenn man Glück hat sitzt man so nahe, dass man nur die Hand auszustrecken braucht, um sie zu berühren. Die geblähten Nüstern (bei Pferden und bei den vor Anstrengung schnaufenden Trainern!), aufmerksam gespitzte Ohren und weit geöffnete Augen ließen die ganze Schönheit der trockenen Gesichter erstrahlen.
Erstaunt habe ich übrigens feststellen müssen, dass trotz der beschriebenen Umstände die meisten Pferde erstaunlich gut mit der lauten Musik, der Aufregung und dem Lärm der Zuschauer zurecht kamen und nicht verängstigt aussahen. Im Gegenteil - viele präsentierten sich mit dem "Extra" an Präsenz und Ausstrahlung, die wir am arabischen Pferd so lieben.

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Photo: Erwin Escher

Loubna
(Imperial Imdal x Imperial Kalatifa)

Zwei der Pferde, die mir in Erinnerung bleiben werden, sind die aristokratische Champion-Stute Loubna und die elegante Reserve-Championesse Maroutssia. Zwei überaus charmante Stuten, auf die ihre Züchter, Besitzer, Trainer und nicht zuletzt das Land, in dem sie gezüchtet wurden, stolz sein können.


Photo: Erwin Escher

Maroutssia
(Estaman Ibn Estopa x Bouria Des Meures)


Die spektakuläre Vorstellung der Hengste gab dem Wort "Charisma" eine völlig neue Bedeutung. Der auffällige Imperial Baarez zeigte Größe und die Gänge eines Champions, musste sich aber dem späteren Senioren-Champion Eternity Ibn Navarrone D geschlagen geben, der einen durch seine schönen Linien in Atmen hielt. Der spektakuläre Fuchs Kubinec, dessen Fans ihn an der Spitze gesehen hatten und der schöne Pesal hatten den Jubel und den spontanen Applaus des Publikums wahrlich verdient.


Photo: Erwin Escher

Etenity Ibn Navarrone D
(Ansata Sinan x Navarrone P)

Die jungen Pferde ließen einen hoffnungsfroh in die Zukunft blicken. Meine persönliche Favoritin war Pianissima, die das Junioren-Championat gewann; eine ungewöhnlich ausbalancierte junge Dame, deren grazile Schönheit von einem außerordentlich hübschen Kopf gekrönt wird.


Photo: Dominique Cognee

Pianissima
(Gazal Al Shaqab x Pianosa)

Die Reserve-Championesse Sundos Al Nasser zeigte nicht nur einen besonders harmonischen Körper, sondern vor allem einen ausgesprochen elastischen und raumgreifenden Trab. Lady Sorrel stach nicht nur durch ihre Fuchsfarbe, sondern durch Korrektheit, Typ und feminine Ausstrahlung aus der Masse heraus.


Photo: Dominique Cognee

Sundos Al Nasser
(Ashhal Al Rayyan x MS Elvira)

Nijem Ibn Eternity, der Junioren-Champion, hisste die Fahne für seinen Vater (Eternity Ibn Navarrone D) als vielversprechender Vererber und der der großartige JJ Carismatico, dessen Präsenz und Vitalität mit perfekten Manieren einhergingen, gewann verdient das Reserve-Championat.


Photo: Erwin Escher

Nijem Ibn Eternity
(Eternity Ibn Navarrone D x Naravna)

Die Anzahl hervorragender Pferde in Aachen war enorm - ein Fest für die Augen und für die Seele. Es gab bewegende und bedeutungsvolle Momente: Da war der 27jährige Hengst, der seinen letzten Schauauftritt absolvierte oder das Fohlen, das sein Debüt gab. Augenblicke, die uns in Erinnerung bleiben werden und uns aneinander binden. Ja, der All Nations Cup ist hektisch und laut. Ja, er bietet Stoff für ernsthafte Diskussionen und bringt uns zum Nachdenken. Doch es sind drei Tage "auf der Überholspur", die keiner von uns auslassen sollte.

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This feature was brought to you in October 2004 by:
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