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Es
scheint als sei in den letzten zehn Jahren alles über Qatar gesagt und
geschrieben worden. Mittlerweile kennen Sie das Land wahrscheinlich
besser als Ihre Westentasche. Sie haben die unglaublichen Fotografien
von Pferden in den Sanddünen gesehen, eingefangen von Rik van Lent oder
Gigi Grasso. Fotos von Pferden, die dem endlosen Horizont entgegen
galoppieren oder knietief im grün-blauem Wasser des Golfs stehen.
Pferde, in aller Welt von den Sheichs gekauft, um hochkarätige
Zuchtprogramme zu begründen. Pferde, deren schiere Schönheit einem die
Tränen in die Augen treiben können. Sie kennen die Namen der meisten,
ihre Pedigrees und Schauerfolge.
Doch Fotos und Beschreibungen können
nur ein blasser Abklatsch dessen sein, was ein Besuch in Qatar zu bieten
hat. Jeder von Ihnen sollte mindestens einmal im Leben gesehen haben wie
die neugeborenen Fohlen von Al Rayyan auf Entdeckungsreise gehen oder
die Stuten des Al Shaqabs-Gestüt friedlich grasend über die Weiden
ziehen. Bilder der Harmonie und des Friedens. ”So eine Reise ist doch
viel zu teuer”, werden manche von Ihnen denken. Falsch gedacht! Abhängig
von Ihrem Wohnort kann es sogar ein relativ preisgünstiger Urlaub
werden. Versuchen Sie es mal und planen Sie den Besuch der
internationalen Schau im nächsten März. Ich verspreche Ihnen, Sie
werden nicht enttäuscht sein. Die Gastfreundschaft der Menschen ist
noch beeindruckender als die Qualität der Pferde – gar nicht zu reden
von den köstlichen Desserts! Meine Taille ist um mindestens zwei
Zentimeter gewachsen...
Doch nun zu der diesjährigen Schau. Wie
immer lag die Organisation der Veranstaltung in den Händen des
Rennvereins von Qatar und stand unter der Aufsicht von Scheich Abdulaziz
Al Thani, dem Besitzer des Gestüts Al Rayyan. Obwohl einige der
vierbeinigen Stars wie Al Aadeed Al Shaqab, Gazal Al Shaqab und Johara
Al Naif in Europa weilten, um dort beim Nations Cup und dem
Welt-Championat teilzunehmen, füllten die verbliebenen Pferde die Lücke
mehr als zufriedenstellend aus. Wie gewöhnlich waren die Stutenklassen
qualitativ und quantitativ besser besetzt als die Hengstklassen.
Simeon
Se’ate, die es in ihrer Klasse nur auf den zweiten Platz geschafft
hatte (hinter Hazmia Al Shaqab, die jedoch im Championat übergangen
wurde), wählten die Richter zur Reserve-Junioren-Championesse. Sie
stammt vom fünften Kontinent aus dem Gestüt von Marion Richmond und
vereint in ihrer Abstammung die bekannten Pferde Anaza Bay Shahh,
Imperial Madaar
Senioren-Championesse
wurde die in ihrer weiblichen Ausstrahlung vorzüglichen Mezna Al Rayyan,
eine Enkeltochter des kürzlich verstorbenen Imperial Madheen. Sie wurde
auf Al Rayyan geboren, gehört aber dem Al Naif-Gestüt. Ihre Mutter
Ansata Magnifica ist eine Vollschwester zu Ansata Majesta (Ansata Halim
Shah x Ansata Malika). Meznas Pedigree lässt sich in mehreren Linien
auf eine der bedeutendsten Stammstuten der deutschen Vollblutaraberzucht
zurückführen, der Schimmelstute Moheba (Sid Abouhom x Halima), einer
Halbschwester zu Ansata Ibn Halima.
Auf
dem Reserve-Platz sahen die Richter RN Ajeeba, eine besonders schöne
Tochter von Ruminaja Ali aus der in Deutschland gezogenen Stute Bint
Amal (Ansata Halim Shah x Amal). Sie wurde gezogen und steht im Besitz
von Al Rayyan und ist der besondere Liebling des Trainers Bart van
Buggenhout. Oft
wird erzählt, El Zahraa habe seine besten Pferde bereits in den
sechziger und siebziger Jahre in die USA und nach Europa verkauft und
nichts zurückbehalten. Das dies nicht stimmt sieht man u.a. auch in
Qatar. Al Shaqab und Al Rayyan haben Stuten aus El Zahraa in ihre
Programme eingegliedert und hervorragende Resultate erzielt. Eines
dieser “Resultate” gewann das Junioren-Championat der Hengste: Adnan
Al Shaqab (Al Aadeed Al Shaqab x Tebrah, gezogen in El Zahraa), ein Fuchs
mit guter Aktion und solidem Körperbau.
Zweiter
hinter ihm in der Klasse der Jähringe und im Championat war Monzer Al
Shaqab, ebenfalls ein Sohn von Al Aadeed Al Shaqab – dieses Mal aber
aus der Championstute Kajora, die vor kurzem verstarb. Sie ist Mutter
vieler Champions, wovon Gazal Al Shaqab der in Europa bekannteste sein dürfte.
Bei den älteren
Hengsten gab es nur eine einzige Klasse, aber was war das für eine!
Vier hervorragende Hengste trabten durch den Ring, jeder würdig den
Championatstitel zu bekommen. Doch bei aller Objektivität muss gesagt
werden, dass der schimmernd weiße Ashhal Al Rayyan einfach nicht zu
schlagen war! Er tänzelte und paradierte vor den Richtern, hielt nicht
eine Minute lang still, war immer in Bewegung, wieherte in Richtung der
Konkurrenz – ein Anblick zum Niederknien. Wer wollte ihm widerstehen?
Seine Abstammung ist königlich, der Vater ist Safir (Salaa El Dine x
Hanan), die Mutter die bereits erwähnte Ansata Majesta. Er erhielt Höchstnoten
und beendete seine Vorstellung mit 92 Punkten – der höchsten
Gesamtnote aller Hengste. Bart van Buggenhout präsentierte ihn
eindrucksvoll. Es machte Spaß die Interaktion der beiden zu
beobachten.
Die Überraschung der Schau war die Klasse der alten Stuten. Klein, nur zwei Stuten nahmen daran teil, aber ein Augenschmauss für alle. Siegerin wurde die frühere Europa-Meisterin Esklawa, die im polnischen Michalow zur Welt kam und Scheich Abdulaziz Al Thani im letzten Jahr von einem befreundeten Scheich zum Geschenk gemacht wurde. Esklawa wurde von dem jungen belgischen Trainer Hendrik Mens vorgestellt, der seine Sache exzellent meisterte. Sie warf sich gekonnt in Pose und ließ sich auch im Trab nicht lange bitten. Sie bot ein Bild sportlicher Eleganz. Esklawa ist zur Zeit tragend von Ashhal Al Rayyan. In diesem Jahr brachte sie ein Hengstfohlen von Ekstern zur Welt. Kein Pferd erreichte eine höhere Punktzahl als sie – die Richter belohnten ihren Auftritt mit 92,6 Punkten.
Auf
dem zweiten Platz folgte Ansata Selket, eine ätherische Schönheit, die
vor ihrem Export nach Qatar in den USA einige Championate gewonnen hat.
Ohne Frage ist sie eine Ikone für alle, die ein Auge für Typ und
Eleganz haben, wenngleich sie nicht die gleichen schwungvollen
Bewegungen zeigte wie Esklawa. Ihr schöner Sohn Ansata Osiron ist in
Kuwait zu Hause, ihre Tochter Ansata Serqit gehört zum Zuchtbestand von
Claudia de Quentins Gestüt in Uruguay. Die siegreichen Vollschwestern
Jamila und Asrar Al Rayyan wurden jedoch bereits von Scheich Abdulaziz
in Qatar gezogen. Wunderschöne
Stuten, beeindruckende Hengste, großartiges Wetter, relaxte Atmosphäre
– wir alle hatten eine hervorragende Zeit in Qatar. Gar nicht zu reden
von den verschiedenen Gestütspräsentationen, dem exquisiten Hotel, den
Ausflügen in die Wüste und zum Bazar mit seinen verführerisch
orientalischen Düften. Ach – und habe ich die Desserts schon erwähnt? Hier
geht's zu den Klassensiegern
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