Ich sollte vorausschicken, dass ich nicht objektiv bin. Denn ich erlag Classic Shadwans Charme schon vor Jahren, als ich ihn zum ersten Mal sah. Da war er noch ein unausgereifter „Halbstarker“ in dunkler Jacke, doch sein Typ und seine Ausstrahlung waren schon damals bemerkenswert und erinnerten an ein Gemälde von Vernet. Es dauerte nur ein paar Sekunden und er hatte mich für sich eingenommen. Und zwar für immer. Und mit jedem Jahr, das verging, wurde er noch ausdrucksstärker und edler. Für mich und viele seiner Bewunderer stellte er den Prototy eines rein ägyptischen Hengstes dar: Unbeschreiblich schön, trocken wie die Wüste und besonders den Menschen zugeneigt, die für ihn sorgten und die er schätzte.

Photo: www.ErwinEscher.com
Saida Bint Shahlia (Classic Shadwan x Ansata Shahlia von Ansata Halim Shah),
Reserve-Senioren-Championesse in Vilhelmsborg 2007
& Middle East Champion-Stute 2008
Obwohl Shadwan für seinen liebenswürdigen Charakter und sein spielerisches Wesen bekannt war, gab es einen Menschen in seinem Leben, dem er mehr Zuneigung entgegenbrachte als jedem anderen. Er und seinen Besitzer Erwin Escher verband echte Freundschaft. Obwohl er im Laufe seines Lebens unzählige arabische Pferde in aller Welt fotografiert hat, konnte sich Erwin Escher an Shadwans Schönheit nicht satt sehen. Wenn der Hengst sich vor den Stuten in all seiner Männlichkeit präsentierte oder spielerisch über die Weide tobte, betrachtete ihn sein Besitzer voller Stolz und freute sich immer wieder aufs Neue über seinen Hengst. „Für mich war Shadwan das Pferd meines Lebens“, meint Erwin Escher schlicht. Worte können kaum ausdrücken, was er im Augenblick empfindet, wenn er an Shadwans leerem Stall vorbeigeht. „Mit siebzehn Jahren war er noch viel zu jung, um schon zu gehen“, sagt er. „Annette und ich vermissen ihn sehr.“

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Shadwans herrliches Profil
Letzte Woche musste er nach einem tragischen Weideunfall eingeschläfert werden. Einer seiner Vorderfüße war so kompliziert gebrochen, dass es keine Aussicht auf Heilung gab. Ein schwarzer Tag auf dem Gestüt Rotheberg, auf dem der Hengst seit über zehn Jahren zu Hause war. Annette und Erwin Escher hatten ihn aus Frankreich importiert, wo er auf dem Gestüt von Ursula und Willi Poth zur Welt gekommen war.

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Shadwans Champion-Tochter Elha El Nile,
die im Besitz des Dubai Arabian Studs steht
Jeder hatte seinen eigenen Bezug zu ihm. Viele sahen in ihm den hochdekorierten Schau-Champion, der (unter anderem) Klassensieger in Wels (Österreich) wurde, Senioren-Champion und „Best in Show“ der Egyptian Classic Show (Holland), das Senioren-Championat der Internationalen Schau in Kaub (Deutschland) gewann und Champion des prestigeträchtigen Platin-Cups wurde.

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Shadwans wie aus Marmor gemeißeltes, trockenes Gesicht
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Andere bewunderten ihn für seinen exotischen Ausdruck, für sein wie aus Marmor gemeißeltes, herrlich trockenes Gesicht mit den riesigen schwarzen Augen und dem eleganten, hervorragend getragenen und ideal angesetzten Hals mit freier Kehle, für seinen eleganten Körperbau, den kerzengerade Schweif, die kraftvollen, doch leichtfüßigen Bewegungen.
Wieder andere überzeugte sein Pedigree, frei von Halim-Shah-Blut, das sich nahezu ideal für den Outcross mit Ansata-Linien anbot. Als Sohn des Alidaar (Shaikh Al Badi x Bint Magidaa) und der Shagia Bint Shadwan (Shadwan x Samar v. Shaarawi) war er auf Morafic ingezogen, was sich deutlich in seinem Erscheinungsbild zeigte. Durch seine Mutter, ein Original-Import aus El Zahraa, war er einer der ganz wenigen Hengste in Europa, die noch „dicht an der Wüste“ waren – eine Tatsache, die viele Züchter faszinierte.
Letztendlich überzeugte er die meisten aber durch seine Qualitäten als Vererber. Viele seiner Nachkommen waren auf Schauen erfolgreich, bereits zwei seiner Söhne erhielten die Goldschärpe auf der Hengstschau, darunter der von Annette und Erwin Escher gezogene und im Gestüt aufgestellte Schau-Champion GR Amaretto (x Halim’s Asmara v. Ansata Halim Shah). Er und sein schwarzer Bruder Maheeb (x Bint Bint Mahiba v. Ansata Halim Shah) traten bereits in die Fußstapfen ihres berühmten Vaters und verdienten sich durch vielversprechende Nachzucht Respekt und Anerkennung der Züchterschaft.

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Der Multi-Champion GR Amaretto
(Classic Shadwan x Halim's Asmara von Ansata Halim Shah),
gezogen und im Besitz vom Gestüt Rothenberg

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Maheeb (Classic Shadwan x Bint Bint Mahiba von Ansata Halim Shah)
ist einer der schönsten Shadwan-Söhne
Die Nachkommen von Classic Shadwan zieren Gestüte in aller Welt. Seine Champion-Tochter Elha El Nile ist im „Dubai Stud“ zu Hause, Saida Bint Shahlia (Middle East Champion-Stute 2008) lebt in Saudi-Arabien, GR Shawan ist der neue Beschäler im Gestüt Om El Arab International in den USA. GR Bashir steht im ägyptischen Rabab-Gestüt in Kairo, GR Shadow ist Beschäler in Jordanien. Nasha Bint Shadwan wurde nach Neuseeland exportiert und GR Amarillo und GR Amarilla repräsentieren ihren Vater in Australien.

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GR Shadwanah (Classic Shadwan x Dalima Shah von Ansata Halim Shah),
Junioren-Reserve-National-Championesse und
Junioren-Championesse des Egyptian Event Europe
Auf dem Gestüt Rothenberg lebt Shadwan neben seinen Söhnen in seinen bezaubernden Töchtern Shadwanah, Amaretta und Nashidah weiter, sowie durch Enkeltöchter wie GR Shatigah (Pasha Farid x Shadwanah v. Classic Shadwan) und GR Magidaa (Maheeb v. Classic Shadwan x GR Marianah). Mittlerweile gibt es bereits Urenkel auf dem Gestüt, die sein Erbe in die Zukunft tragen werden.

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Seine Enkeltochter GR Magidaa (Maheeb x GR Marianah)
Shadwan war ein ganz besonderer Hengst, ein Pferd wie ein kostbarer Schatz, den man nur allzu selten findet. Glücklich waren die, die ihn ein Stück des Weges begleiten durften, beneidenswert sind jene, die Nachkommen von ihm besitzen. Er war ein leuchtender Stern – doch dieser Stern ist nun für immer erloschen.
Mach’s gut, mein schöner Freund.
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