|
Das erste Kapitel in der Lebensgeschichte von Imperial Mistilll wurde
auf dem Ansata-Gestüt geschrieben. Mitte der sechziger Jahre
pachteten Don und Judith Forbis einige Stuten aus der Zucht Henry
Babsons an. Unter ihnen befand sich auch Fa-Habba (Fadl x Bint Bint
Sabbah), Imperial Mistillls Urgroßmutter. Die Babson-Stuten
waren ausgewählt worden, um sie mit dem jungen, aufstrebenden
Hengst Ansata Ibn Halima anzupaaren. Ein Jahr später brachte
Fa-Habba sein erstes Stutfohlen zur Welt: eine berückende Schönheit,
die von Mrs. Forbis "Falima" getauft wurde - ein Name, der
sich aus Fa-Habba und Ibn Halima zusammensetzte. Die braune Falima
gründete die berühmte "Nile"-Dynastie des Ansata-Gestüts,
und ihre wenigen Töchter wuchsen zu wertvollen Zuchtstuten heran.
Eine dieser Töchter war Ansata Nile Mist (Ansata Ibn Sudan x
Falima). Doug und Barbara Griffith wählten sie als Stammstute
ihres Imperial-Gestüts in Maryland aus. Zu ihren bekanntesten
Nachkommen zählt der australische Natinal-Champion Imperial Madaar
(v. Imperial Madheen), doch ihr wertvollster Beitrag zur Erhaltung
der "Familienehre" ist ihre Tochter Imperial Mistilll (von
Jamil - da er in den USA als "Jamilll" registriert wurde,
führt auch seine Tochter die drei L im Namen). "Mistilll
vereinigte alle äußerlichen Merkmale, die mir an einer Zuchtstute
wichtig erschienen - Schönheit und Korrektheit", erklärt
Barbara Griffith. "Dazu kam ihre Persönlichkeit. Mistilll
war eine überaus liebenswerte Stute, die ganz besonders gerne
mit 'ihren' Menschen zusammenarbeitete. Ein elegantes Pferd mit den
typischen 'Jamil-Augen' und einer ungewöhnlichen Körperharmonie."
Diese Harmonie besaß sie von Anfang an. Einige arabische
Pferde sehen einfach immer gut aus. Ihr ganzes Leben. Keine ungünstigen
Phasen. Kein Hin-und-Herwachsen. Keine Zeiten des Zweifels bei den
Besitzern. Einfach immer schön. Imperial Mistilll gehörte
zu diesen Pferden. Und nie sah sie besser aus als wenn sie ein Fohlen trug. "Die meisten Menschen", überlegt
Barbara Griffith, "fühlten sich wohl zuerst von ihrem exotischen
Aussehen angezogen. Wenn sie Mistilll aber erst einmal kannten, dann
ließ sie ihre Persönlichkeit nicht mehr los."
Imperial Saahoura
(Ibn Safinaz x Imperial Mistilll) gewann das Reserve-Supreme-Championat
beim Egyptian Event 1991
Imperial Mistilll war eine der bedeutendsten Zuchtstuten des Imperial-Gestüts.
Natürlich hatte sie die besten Voraussetzungen und wurde mit einigen
der schönsten ägyptischen Hengsten des Landes zusammengeführt. Zuerst
kamen ihre Ibn-Safinaz-Fohlen, und diese Verbindung entpuppte sich
als Glücksfall. "Mistillls erstes Fohlen - Imperial Saahoura
- kam 1989 zur Welt. Was soll ich sagen? Dieses Fohlen sah einfach
hinreißend aus", berichtet Barbara Griffith. Es wahr ein angemessener
Beginn: Im zarten Alter von zwei Jahren gewann die kleine Lady das
Reserve-Supreme-Championat des Egyptian Events. Ein Jahr zuvor war
Imperial Saahoura von den Besitzern der ehemaligen Montebello-Farm
in Kanada auf dem "Pyramid Sale" für 50.000 US-Dollars ersteigert
worden. Sie nahm an der "Filly Fantasia" teil (bei der alle
in der Versteigerung verkauften Stuten gegeneinander antraten) und
stand auf dem ersten Platz. Für die neuen Besitzer gab es als Belohnung
einen Barscheck in Höhe von 40.000 Dollars. Ein wirkliches Schnäppchen!
Imperial Saahoura hat das langlinige Exterieur und die ergiebigen
Bewegungen ihres Vaters geerbt. Ihre jüngere Vollschwester Imperial
Dakilah wurde ebenfalls an die Montebello-Farm verkauft, und beide
Stuten brachten vielversprechenden Nachwuchs, der durch den Crash
der Farm leider in alle Richtungen verstreut wurde.

Photo: Stuart Vesty
Imperial Saturn (von Ibn Safinaz)
ist einer der erfolgreichsten Söhne seiner Mutter
Auch ihr nächstes Fohlen bekam Imperial Mistilll von Ibn Safinaz.
"Warum eine so treffliche Verbindung auseinanderreißen?",
fragt Barbara Griffith. Im Januar 1991 reckte ein Hengstfohlen sein
keckes Köpchen in die Welt. Ein hübscher, munterer Kerl, der vom Augenblick
seiner Geburt alle in seinen Bann schlug - eine Persönlichkeit von
Anfang an. Er erhielt den Namen Imperial Saturn und wuchs zu einer
männlichen Version seiner Mutter heran: aufrecht, mit langen Beinen
und dem sanftesten Temperament, das man sich vorstellen kann. Er ist
wohl Mistillls ähnlichster Nachkomme, ganz der Sohn seiner Mutter:
die gleiche breite Stirn und die hohe, kerzengerade Schweifhaltung.
Doch nicht nur sein Typ begeistert, auch sein langer, schön geschwungener
Hals und die in Amerika so beliebte kerzengerade Oberlinie. Die Richter
sahen das genauso und machten ihn auf den Nationals (nach wie vor
eine der größten Araberschauen der Welt) zum "Top Ten Futurity
Colt". Ein Titel, den bisher nur eine Handvoll ägyptischer Hengste
für sich verbuchen konnten.

Photo: Judith Wagner
Imperial Saturn
gewann auch in Reitklassen Championate
Heute steht Imperial Saturn als Hauptbeschäler des kleinen aber feinen
Gestütes "Willow Breeze" in Texas und hat unter seinen Nachkommen
schon etliche Champions. Er ist einer der Ägypter, der mehr bieten
kann als nur ein hübsches Gesicht: Seine Championate in Reitklassen
machen ihn besonders für Menschen attraktiv, die weit mehr wollen
als "nur" schöne Schaupferde.

Photo: Carol Maginn
Imperial Safillla (Ibn Safinaz x
Imperial Mistilll)
Imperial Safilla kam 1992 zur Welt - ein weitere Stute des bewährten
Ibn Safinaz/Mistilll-Gespanns. Bevor sie in die Imperial-Zuchtstutenherde
aufrückte bewegte sie einiges im Schauring - beim Egyptian Event,
auf A-Schauen und auf Regionalschauen gewann sie Championate. Ihre
Fohlen müssen sich keineswegs verstecken - die ersten Schauerfolge
haben sich schon eingestellt. Sie reihen sich würdig in die Reihe
ihrer "Tanten" und "Onkel" ein. Seit kurzem steht Safillla aber im Besitz der passionierten amerikanischen Züchterin Anne-Louise Toner.

Photo: Victor Steel
MB Mistaz (Ibn Safinaz x Imperial
Mistilll), eine exotischere "Version" seines Vaters
Das nächste Fohlen für Mistilll war der 1993 geborene MB
Mistaz (von Ibn Safinaz). Zu dieser Zeit waren ihre Nachkommen bereits
heiß begehrte "Markenartikel" und wurden Barbara Griffith
geradezu aus den Händen gerissen. So war es kein Wunder, daß
auch MB Mistaz an die Montebello Farm verkauft wurde. Und da Schauerfole
in der Familie liegen, wunderte sich niemand, daß der kleine
Mistaz etliche Junioren-Championate sammeln konnte. Auch auf dem Egyptian
Event war er ein gern gesehener (und erfolgreicher) Gast: 1994 gewann
er das Reserve-Junioren-Championat - gegen Ansata Sinan, was wahrhaftig
keine Schande ist. Doch als MB Mistaz drei Jahre alt wurde, warteten
größere "Aufgaben" auf ihn: die National-Schau
rief! Imperial Saturn hatte den Trend gestartet und MB Mistaz sollte
ihn fortsetzen.
Imperials frühere Managerin und Trainerin Eileen Verdieck, die
sein ganzes Leben mit MB Mistaz gerabeitet hatte, führte ihn
dann auch erwartungsgemäß zu einem Top-Ten-Erfolg. Sein
Selbstbewußtsein, die fehlerlosen Beine und die kraftvolle Aktion
sind zu seinen Markenzeichen geworden. Seine hervorragend gelagerte
Schulter und natürlich sein schönes Gesicht sind ebenfalls
verantwortlich für seinen Erfolg. Wie seine Vollgeschwister ist
auch MB Mistaz ein typischer "Spätentwickler". Doch
jetzt, als ausgereifter Hengst sieht er so aus, als könnte
er es mit jedem aufnehmen. So typvoll und elegnat, daß die
Stutenbesitzer aufhorchen. Auch in Europa finden sich bereits einige
Nachkommen. Mittlerweile steht MB Mistaz im Besitz von Melissa Huprich.

Photo: Ferrara
Imperials junger Beschäler
Imperial Kamilll (Imperial Al Kamar x Imperial Mistilll)
Im Jahr 1993 fällte Barbara Griffith eine Entscheidung.
Es war an der Zeit einmal einem anderen Hengst eine Chance zu geben.
Dieses Mal wählte sie ihren Hauptbeschäler Imperial Al Kamar (El Hilal
x Imperial Sonbesjul). Offensichtlich paßten Pedigree und Typ von
"Mr. Prepotent" (wie ihn seine Bewunderer gerne nennen)
und Mistilll gut zueinander, denn ihr gemeinsamer Sohn Imperial Kamilll
erwies sich als Volltreffer. Er entspringt der vierten Generation
des Imperial-Zuchtprogramms und stellt für Mrs. Griffith den logischen
"nächsten Schritt" in ihrem züchterischen Konzept dar. Für
sie steht fest: "Imperial Kamilll vereinigt die besten Eigenschaften
aus beiden Seiten seines Pedigrees." Doch genug von Pedigree
und Aussehen! Was zählt, sind schließlich die inneren Werte. Kein
Problem - man kann Kamilll ohne Sattel reiten, einfach mit ihm durch
die Gegend strolchen. "Ein wundervoll liebenswertes Pferd",
begeistert sich Mrs. Griffith. In das amerikanische "Showgeschäft"
stieg er genauso erfolgreich ein wie seine Vollgeschwister. Seine
erste große Schau absolvierte er als Dreijähriger. Der bekannte Trainer
Steve Dady führte ihn zum Championatstitel. Wenige Monate später hatte
er das Championat der "East Coast Championships" in der
Tasche - und zwar mit einstimmigem Richterspruch! Was ist dran an
diesem Hengst, das ihn von den anderen unterscheidet? Nun, da ist
zuerst einmal das, was jedem sofort ins Auge fällt - sein ungwöhnlicher
Typ. Dann seine Körperharmonie. Egal, von welcher Seite man ihn betrachtet,
alles paßt zusammen. Und seine großen, dunklen Rehaugen verfehlen
ihre Wirkung ebenfalls nicht. Die nächste große Schau für Steve Dady
und Imperial Kamilll waren die Nationals. "Kamilll hat ein Herz,
das so groß ist wie er selbst", meint Steve Dady. "Er würde
alles für Dich tun. Wenn es sein müßte, ließe er sich die ganze Nacht
lang aufstellen. Er ist sehr sanft, aber trotzdem voller Temperament
und Feuer. Und er liebt die Schauarena!" Aber es sollte nicht
sein. Eine Verletzung hinderte Kamilll daran im Finale zu erscheinen.
Trotzdem, und das gilt es festzuhalten, war er in der Qualifizierungsrunde
von allen vier Richtern auf den ersten Platz gesetzt worden! Mittlerweile
ist Imperial Kamilll in den Besitz von Donald Duke in Großbritannien
übergegangen und hat in Europa schon auf einigen Schauen für
Furore gesorgt. Und seine Fohlen fallen zur vollen Zufriedenheit seines
Besitzers aus.

Photo: Scott Trees
Imperial Misterin (Say Amen x Imperial
Mistilll)
Für Mistillls nächste Fohlen wählte Barbara Griffith die Hengste
Say Amen (von The Minstril) und PVA Kariim (von Imperial Imdal) aus.
Zwei Töchter und ein Sohn wurden geboren. Die Töchter -
Imperial Misterin und Imperial Mistillla - sind mittlerweile zu respektablen
Zuchtstuten herangewachsen. Doch ihr Sohn Imperial Mistaal (von PVA
Kariim) ist zwar mit einem bezaubernden Gesicht gesegnet, wuchs sich
aber nicht zu ordentlicher Größe aus. Obwohl er als Junghengst
einige Championate gewinnen konnte, wurde er kurzerhand gelegt.

Photo: Scott Trees
Der hübsche Wallach Imperial
Mistaal (PVA Kariim x Imperial Mistilll)
Die letzten zwei Mistilll-Nachkommen von Bedeutung sind Vollgeschwister
von Imperial Baarez. Die Tochter, Imperial Baarillla, wurde zuerst in die Stutenherde des Imperial-Gestüts integriert, wo sie zwei hervorragende Töchter von Imperial Al Kamar brachte. Als Imperial im Jahr 2007 seine Tore schloss, wurde sie nach Ägypten an das Gestüt "El Farida" verkauft. Ihre neuen Besitzer schickten Baarillla erst einmal nach Europa, wo sie sich im Schauring beweisen sollte. Mit Erfolg - sie sicherte sich u.a. das Senioren-Championat des Egyptian Events in Italien.

Photo: Joanna Jonientz
Imperial Baarillla (Imperial Baarez x
Imperial Mistilll)
Ihr Vollbruder kam am 2. Juni 2002 zur Welt. Ein brauner Hengst,
genauso elegant wie seine Geschwister. Einige sagen, er sei Mistillls Meisterstück, ihr edelster Sohn. Sein Name: Imperial Mistaar.
Seine Bestimmung? Wer kann schon in die Zukunft sehen - aber die Chancen
stehen gut, daß wir ihn eines Tages auf den Nationals bewundern können.
Genau wie seine drei Brüder. Beim Egyptian Event hat er schon einige Auszeichnungen errungen. Mittlerweile haben ihm etliche Züchter bereits ihre besten Stuten geschickt - der Grundstein ist demnach gelegt. Er gehört dem "Imperial Mistaar LLC", einem Syndikat mehrerer engagierter Züchter in den USA.

Photo: Suzanne Sturgill
Der Kronprinz Imperial Mistaar (Imperial
Baarez x Imperial Mistilll)
Für Barbara Griffith war Mistilll der Idealfall einer Zuchtstute
- eine, die Jahr für Jahr exzellente Fohlen lieferte. Sie wurde
zur Hüterin der "Nile"-Dynastie und mehrte deren Ruhm
in ganz Amerika. Ihr Name in einem Pedigree steht für Schönheit
und Typ. Als Zuchtstute war sie ein Traum - fast immer nahm sie bereits
beim ersten Mal auf und fohlte ohne irgendwelche Probleme. "Sie
war eine absolute Schönheit", schwärmt Barbara Griffith.
"Und wenn sie tragend war, wurde sie jedes Mal noch schöner.
Es war ihre Bestimmung die perfekte Mutter zu sein."
Imperial Mistilll verstarb im Dezember 2005
Daniel Hölzel
|