Von Martin Brogli
Im Titel:
Die Kamar-Urenkelin
Sally Al Naby (Misk x Yosra)
des Gestüts Shams El Assil in Ägypten

Photo: www.ErwinEscher.com
Aliah Al Shaqab (Ansata Halim Shah x Imperial Im Pharida),
die in der Mutterlinie auf die Kamar-Tochter Tamria zurückgeht
General Tibor von Pettkö-Szandtner, früherer Direktor des ungarischen Gestüts Bábolna, kam Ende 1948 nach Ägypten, um die Leitung des Gestüts El Zahraa zu übernehmen, das im Besitz der E.A.O. („Egyptian Abgricultural Organization“) stand. Er strukturierte das gesamte Gestüt neu, dünnte den Bestand aus, behielt nur die besten Pferde und suchte nach geeigneten, neuen Beschälern für den Stutenbestand.
„General von Szandtner führte ein handgeschriebenes Stutbuch, in das er ein Standfoto jedes Pferde einfügte, die Abstammung, die Familienzugehörigkeit und die Maße und präzise Beschreibungen jedes einzelnen Pferdes von Kopf bis Fuß, einschließlich einer Beurteilung seiner Gänge“, erklärt Judith Forbis in ihrem Buch „Authentic Arabian Bloodstock II“.
Kurz vor seiner Pensionierung im Jahre 1955 verlangte die E.A.O. von ihm einen abschließenden Lagebericht seiner sechsjährigen Dienstzeit und er schrieb u.a. folgendes: „Die Hengste, die ich 1949 vorfand als ich die Leitung von El Zahraa übernahm waren zumeist alt und nicht geeignet, um den Standard zu verbessern. In den letzten sechs Jahren konnte ich etwa fünfzig Prozent des fehlerhaften Materials eliminieren und durch junge, neue, bessere Hengste mit bekannter Herkunft ersetzen.“
Seine Hauptstütze im Hengststall war der Mansour-Sohn Nazeer. In einem Hengstdepot unweit von Kairo hatte er ihn entdeckt und nachdem er sowohl das Exterieur als auch das Pedigree einer eingehenden Prüfung unterzogen hatte, machte General von Szandtner den damals fünfzehnjährigen Nazeer zum neuen Hauptbeschäler von El Zahraa. „Der Rest ist Geschichte“, wie die Amerikaner es so treffend formulieren.
Nazeers erstes Fohlen wurde 1950 geboren, dem 1951 ein weiteres folgte. Der erste große Fohlenjahrgang präsentierte sich 1952, als neun Nazeer-Nachkommen zur Welt kamen – u.a. der berühmte Hadban Enzahi, der später Hauptbeschäler in Marbach wurde. 1953 brachten die Stuten der E.A.O. schon zwölf Nazeer-Kinder – sieben Söhne und vier Töchter. Die Töchter waren Fatin, Mamlouka, Kamar und Abla (in dieser Reihenfolge). Alle vier wurden zu Säulen für El Zahraa und für Gestüte in den USA und Europa, aber es war allein Kamar, die Gründerin einer weltweiten Dynastie wurde.

Photo: Judith Forbis, Al Rayyan Archive
Kamar (Nazeer x Komeira)
Kamars Mutter war Komeira, eine Tochter des in der Wüste gezogenen Nabras aus der Bint Sabah-Tochter Layla (von Ibn Rabdan). Die von der R.A.S. gezogene Bint Sabah (Kazmeen x Sabah) gebar nicht nur Komeiras Mutter Layla, sondern auch den Hauptbeschäler von El Zahraa, den Schimmel Sheikh El Arab (von Mansour), den berühmten Babson-Import Bint Bint Sabbah (von Baiyad) und die bedeutende Forellenschimmelstute Bukra (von Shahloul), die der General liebevoll seine „prima Stute“ nannte.

Photo: Richard Pritzlaff
Eine Kopfstudie von Kamar
Um ein genaues Bild von Kamar zu zeichnen, können wir uns auf von Szandtners Aufzeichnungen stützen. „Schimmel. Sehr edel. Sehr edler Kopf, lebhafte, schöne Augen, gut gesetzte Ohren, gut angesetzter Hals, aber mit leichter Tendenz zum Unterhals, guter Widerrist, Rücken, Lende und Kruppe, hoch angesetzter Schweif, normale Tiefe und Breite, schwaches Fundament, lange Röhrbeine, etwas eingeschnürt, etwas steile Fesseln, etwas steile Hufe, zehenweit, gute Bewegungen.“ Das mag etwas negativ klingen, aber man sollte bedenken, dass der General alle Fohlen einer sorgfältigen Prüfung unterzog. Sein kurzer und knapper militärischer Stil liest sich heutzutage harsch, aber seine Aufgabe war das Zuchtprogramm von El Zahraa zu verbessern – und dazu musste er die Schwachpunkte seiner Pferde genauso kennen wie deren gute Seiten!

Photo: Judith Forbis, Al Rayyan Archive
Kamar tragend von Anter
Judith Forbis, die Kamar während ihrer Besuche in El Zahraa oft sah, ergänzte folgendes: „Als ausgereifte Stute extrem fein in der Kopf- und Maulpartie; sehr edler Gesamteindruck. Wie von Szandtner sie beschrieb, aber definitiv mit einer kurzen, steilen Kruppe, die man oft im Zusammenhang mit extremen Köpfen findet."

Photo: Siegfried Kübe
Der Kamar-Enkel Akhtal (Amrulla x Hagir),
der lange Jahre Hauptbeschäler in El Zahraa war
Für ihr erstes Fohlen paarte Dr. Marsafi, der Nachfolger des Generals, Kamar mit dem kupferbraunen El Sareei (Shahloul x Zareefa) an, der über eine gute Kruppen- und Hinterhandpartie verfügte. Das daraus entstandene Fohlen war Hagir, deren Sohn Akhtal (von Amrulla), 1968 geboren, einer der führenden Hengste in El Zahraa wurde. Ich hatte das Vergnügen ihn und zahlreche seiner Nachkommen in Ägypten zu sehen. Akhtal war ein kleiner, feiner, sehr edler Hengst, der sich gut bewegen konnte und ebenbürtige Töchter und auch Söhne zeugte. Akhtal findet sich auch heute noch häufig in den Pedigrees zeitgenössischer Pferde in Ägypten, besonders über seine Fuchssöhne Ibn Akhtal, Ibn Adaweya (Lokman), Aybac und Farag Allah.

Photo: Judith Parks
Der Akhtal-Sohn Farag Allah (x Nagham) ...

Photo: Gabriele Boiselle
... und die Akhtal-Tochter Omnia (x Bint El Nil), die Mutter des
einflussreichen Hengstes...

Photo: Carola Toischel
... Gad Allah (Adeeb x Omnia)
Die Hagir-Töchter Gaazbeya (von Nasralla) und Hegrah (von Alaa El Din) wurden in die USA verkauft, wo sie aber nur bedingt Einfluss nahmen. Immerhin konnte sich aber zumindest Gazbeyas brauner Sohn El Barraka (von Tuhotmos) einen Namen als bedeutendes Leistungspferd machen, denn er gewann unzählige Championate in verschiedenen reiterlichen Disziplinen. Selbst bei den großen Nationalschauen in Kanada und den USA kam er mehrfach in die „Top Ten“ und im Jahr 1982 holte er sich den Titel des "U.S. National Champion Trail Horse"!

Photo: Yarc
Saab (Anter x Kamar)
Kamar wurde viermal hintereinander mit dem Hamdan-Sohn Anter angepaart und brachte von ihm einige ihrer besten Fohlen. Drei von ihnen brachten es zu Ruhm und Ehre: Saab, Wahag und Kahramana.
Als erster erschien Saab. 1963 startete er ins Leben und man kann sich vorstellen, dass er schon als Fohlen ein richtiges Kraftpaket war. Wie beschreibt man diesen alabasterweißen, klassischen Athleten am besten? Maskulin. Stark. Voller Energie. Das sind die Worte, die einem spontan in den Sinn kommen. Saab bewegte sich wie eine Dampflok und war berühmt für seine starke Aktion. Es war ein Vergnügen ihn traben zu sehen, so gleichmäßig wie eine Maschine! Saab war eine große Pferdepersönlichkeit mit Ecken und Kanten, stolz und immer bereit sein bestes zu geben, aber nicht einfach im Umgang. Sobald er ein paar Menschen an seinem Paddock stehen sah, schmiss er den Schweif über den Rücken und begann schnaubend und prustend im Stolztrab seine Runden zu ziehen. 1976 war er nach England verkauft worden, doch aufgrund der sehr strengen Quarantänebestimmungen hatte er einen Zwischenstopp in Deutschland eingelegt, wo er – damals noch in Verden an der Aller – gekört und prämiert wurde. Er war ein absoluter Spätentwickler und sah niemals schöner, trockener und markanter aus als in seinen letzten Jahren.
In England hinterließ Saab einige erfolgreiche Nachkommen (zumeist aus nicht-ägyptischen Stuten). Im Jahr 1983 exportierte der österreichische Züchter Gustl Eutermoser den zwanzigjährigen Hengst nach Spanien, wohin er sein Gestüt gerade verlegt hatte. Eutermoser war ein leistungsorientierter Züchter und Saabs solider Körperbau, seine Aktion und die Leistungsbereitschaft begeisterten ihn. „Saab war ein perfekt ausbalanciertes Pferd“, sagte Eutermoser. „Kein Zweifel, er war ein ganz besonderer Hengst!“ In Spanien wurde er bald heimisch und zeugte noch einige schöne Nachkommen für die Eutermoser-Zucht. Er lebte Tag und Nacht draußen und hatte seinen eigenen Berg, von dessen Spitze er stundenlang die Stutenherde beobachtete. Wie ein König wachte er über sein kleines Reich. 1986 starb er auf der Weide – eine Geschwulst im Dickdarm kostete ihn das Leben.

Photo: Gabriele Boiselle
Wahags überaus männliches Gesicht
Sein jüngerer Vollbruder Wahag, 1964 geboren, enttäuschte ebenfalls nicht. Er wurde in El Zahraa als Hauptbeschäler eingesetzt und zeugte annährend siebzig Nachkommen. In Typ und Gebäude war er ganz der Sohn seines Vaters und zeigte die gleiche beeindruckende Aktion wie Saab. Allerdings wirkte er schwerer, gar wie ein Bodybuilder, aber keinesfalls grob. Er repräsentierte den robusteren Koheilan-Typ und war ein Garant für gute Gebäude. Heute gehen einige der gangstärksten Pferde in Ägypten auf ihn zurück. Seine erste Tochter war die 1974 geborene Nabda, die in die USA exportiert wurde und dort den bedeutenden Ahtleten Makhsous (von Sultan) brachte, der das Kehilan-Gestüt maßgeblich formte. Seine beiden stärksten Söhne – Marquis I und Makhnificent KA – sind dort heute als Beschäler aufgestellt. Auch sie sind bekannt für athletischen Körperbau und kraftvolle Bewegungen.

Photo: Siegfried Kübe
Wahag (Anter x Kamar)
Wahags Nachfolger in El Zahraa wurde der Braune Hafeed Anter (x Basima von Alaa El Din), geboren 1975. Dieser feurige Hengst fand aber nicht nur im Staatsgestüt Einsatz, er war einer der beliebtesten Beschäler bei den privaten Züchtern des Landes. Wie sein Vater wurde er für seine hervorragenden Bewegungen geschätzt, besaß darüber hinaus aber deutlich elegantere Linien, eine längere, feine Halsung und große Aufrichtung. Allerdings senkte sich sein Rücken bereits in seinen mittleren Jahren so sehr, dass viele Züchter davor zurückschreckten weiter mit ihm zu decken.

Photo: Gabriele Boiselle
Wahags Nachfolger in El Zahraa war sein
feuriger brauner Sohn Hafeed Anter
Ein anderer Wahag-Sohn, der in Ägypten viele Bewunderer fand, war der Fuchs Misk, der im Gestüt Shams El Assil von Madam Wegdan El Barbary deckte. Zu seinen Nachkommen zählen die ägyptischen National-Champions Molly und SEA Sukkar Maaoud, der leider viel zu früh starb.

Photo: Gabriele Boiselle
Misk (Wahag x Nazeema) war, neben Bilal I, vielgeliebter
Hengst-Star im Gestüt Shams El Assil
Immerhin hinterließ Sukkar Maaoud seiner Besitzerin einige edle Töchter, von denen die Fuchsstute Bahdadah, 1999 geboren, sicher eine der Schönsten ist. Der Familientradition entsprechend bewegt sie sich mit müheloser Leichtigkeit.

Photo: Gigi Grasso
Bahdadah (Sukkar Maaoud x Nirvana)
Kahramana (Anter x Kamar), die einzige Stute in diesem Trio, kam 1966 zur Welt und wurde als Zweijährige von Douglas B. Marshall für seine Gleannloch-Farm in Texas erworben. Sie entwickelte sich zu einer tiefen, rahmigen Stute, die deutlich edler als Wahag war, aber über ebenso raumgreifende Trabaktion verfügte. Sie erbte den wunderschönen Kopf der Mutter und ihren eleganten, langen Hals – überwand aber gleichzeitig deren schlechte Hinterhand.

Photo: Rhita McNair
Kahramana (Anter x Kamar) wurde in die USA exportiert
Sie gebar elf Fohlen: Fünf Champions; drei, die wiederum Champions hervorbrachten und zwei, die National-Sieger brachten. Ihre bedeutendsten Nachkommen bekam Kahramana von dem Nazeer-Sohn Morafic. Die drei Vollbrüder Fehris, Ibn Morafic und Shah Nishan legten erfolgreiche Schaukarrieren aufs Parkett und sammelten Championate über Championate.

Photo: Polly Knoll
Ibn Morafic (Morafic x Kahramana) wurde 1976
"U.S. National Champion" der Junioren-Hengste
Ibn Morafic, der 1973 zur Welt kam, war einer der wenigen ägyptisch gezogenen Pferde in den USA, die es zum Gewinn des „Supreme Merit Awards“ brachten. Dies ist eine Auszeichnung für Pferde, die im Schauring sowohl in Zucht- als auch in Reitklassen gesiegt haben. Seinen größten Sieg feierte Ibn Morafic als Dreijähriger, als er zum „U.S. National Champion Futurity Stallion“ ernannt wurde. Danach wurde er nur wenig gezeigt, weil er stattdessen in der Zucht eingesetzt wurde, aber im Spätherbst 1978 wurde er „U.S. National Top Ten Stallion“ in der englischen Reitweise und zog auch bei den kanadischen Nationalmeisterschaften in die „Top Ten“ ein. Nebenbei gewann er zahllose Auszeichnungen als „klassischster Araber“. Seine Siege im Schauring waren die eine Seite, aber weit wichtiger war die Tatsache, dass Ibn Morafic, im Gegensatz zu seinem Vater, über einen überaus sanftmütigen Charakter verfügte. Er war ein Schaf im Wolfspelz, ruhig, verständig, mit Nerven aus Draht. Nach Morafics unerwartetem Tod im Jahre 1974 suchte man auf der Gleannloch-Farm einen Sohn, der die Lücke würde schließen können. Trotz der unübersehbaren Ähnlichkeit zu seiner Mutter, sowohl was den Typ als auch den Körperbau betraf, wählte ihn Douglas B. Marshall als Morafics Nachfolger aus. Er wurde nicht enttäuscht: Ibn Morafic zeugte überragende Nachkommen, die Einfluss in allen Ländern nahmen. In diesem Jahr wurde sein Sohn Ibn Morafic II (x Aslah von Soufian) nach Ägypten importiert. Er ist das erste Pferd, welches das Blut der Kahramana zurück in die Wüste bringt...
Nachdem die Gleannloch-Farm ihre Tore für immer geschlossen hatte, wurde Ibn Morafic an die Thistlewood-Farm verkauft, wo er noch einige Jahre wirkte, bevor er 1997 starb.

Photo: Jerry Sparagowski
Ibn Morafic gewann zahllose Championate
an der Hand und unter dem Sattel
Der Fuchs Shah Nishan war ein ganz anderer Typ Pferd. Elegant, langbeinig, feurig, war er ganz des Vaters Sohn. Er war lange Jahre Beschäler in Andrew und Dorian Weils Gestüt „Dorian Arabians“, bevor er im Alter an das Gestüt Zahara verkauft wurde, wo er 1990 starb.

Photo: Judith Wagner
Ibn Morafics Vollbruder Shah Nishan
Kahramanas Töchter Khaleela (von Faleh), Shirzada (von Amaal) und Kamaara (von Al Metrabbi) wurden ebenfalls zu geachteten Zuchtstuten, aber letztendlich konnte sich keine mit den Leistungen der Mutter messen.

Photo: Jerry Sparagowski
Shirzada (Amaal x Kahramana) als aufstrebende Jungstute
Im Oktober 1976 kam Kamars zweite bedeutende Tochter auf die Welt. Sie erhielt den Namen Tamria. Ihr Vater war Tuhotmos (El Sareei x Moniet El Nefous) und Tamria erbte das elegante, schmale, lange Profil ihrer Großmutter. „Viele Züchter auf der ganzen Welt erzählen immer wieder sie hätten eine Stute, die wie Moniet El Nefous aussieht“, sagt der deutsche Züchter Dr. Nagel in einem Interview mit Cynthia Culbertson. Dr. Nagel war derjenige, der Tamria für das ungarische Staatsgestüt Bábolna in Ägypten ausgesucht hatte. „Aber obwohl einige diesem Idealbild sicher nahe kamen, war Tamria mit ihrem langen Gesicht, der feinen Nüsternpartie und dem konkaven Schwung ihres Profils ein getreues Abbild der alten Moniet El Nefous.“ Andere Züchter, die Tamria in Bábolna sahen, beschrieben sie als langbeinige Stute, mit harmonischem Körper und langem, schön geformten und feinen Hals und leichter Kehle. Im vergleich zu ihrer Mutter wikte sie wohl noch einen Hauch edler und feiner in der Gesamterscheinung. „Die Wüste hat dieses Pferd geformt“, sagte ein deutscher Züchter, nachdem er sie in Ungarn gesehen hatte.

Photo: Reinhard
Kamars wohl schönste Tochter Tamria (von Tuhotmos)
Ursprünglich hatte Dr. Nagel sich entschieden ihre Halbschwester Kahramana nach Bábolna zu holen, aber nachdem er den kleinen Absetzter Tamria in einem Paddock entdeckt hatte, wählte er sie aus. Wie alle anderen Pferde in Bábolna wurde auch Tamria mit zwei Jahren eingefahren und später eingeritten, wobei ihr der Sattel mehr lag als die Kutsche! So lange sie lebte wurde sie für ihre Schönheit wertgeschätzt, doch erst ihre Zuchtleistung machte sie berühmt! Ihr erstes Fohlen war die ätherische Pharrah (von Farag), die in die USA verkauft und zur Stammstute des Imperial-Gestüts wurde.

Photo: Fortuna
Pharrah (Farag x Tamria)
Ihren Einfluss machte Pharrah weitgehend über ihre Töchter und Enkeltöchter geltend. Imperial Phanilah (Ansata Imperial x Imperial Phanadah von Ibn Moniet El Nefous x Pharrah) war Welt-Champion-Stute in Paris und brachte ihrerseits die internationale Championesse von Qatar – die überaus edle Amirat Al Shaqab (von Al Adeed Al Shaqab).

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Amirat Al Shaqab (Al Adeed Al Shaqab x Imperial Phanilah),
eine Urenkelin der Pharrah
Pharrah war der Maßstab, an dem alle weiteren Tamria-Fohlen gemessen wurden. Ihre fuchsfarbene Vollschwester 28 Farag war ähnlich herausragend im Typ und hatte den gleichen langen, fein gemeißelten Kopf. Ihre erfolgreichste Tochter war die zarte, kleine 211 Zohair (v. Zohair), die im Alter von neunzehn Jahren von Nayla Hayek in die Schwez exportiert wurde. Sie ist vor allem durch ihre Töchter Tamria II (von Ansata Halim Shah) und Abbas Pasha I-12 (von Abbas Pasha I) bekannt geworden.

Photo: private
211 Zohair (Zohair x 28 Farag) ist die Mutter von...

Photo: Carola Toischel
...Tamria II (von Ansata Halim Shah)
Tamria II ist die unangefochtene Königin im Gestüt Hammerhof von Christine und Dr. Hans Wettke. Sie ist eine der schönsten Erscheinungen in der Araberwelt. Ihre Seele scheint sich in ihren sanften Augen widerzuspiegeln. In Bábolna hinterließ sie den Champion-Sohn Teyszir B (von dem russischen Hengst Mangan). Ihre bekannteste Tochter dürfte die Hamasa Nabih-Tochter Tabanya sein (Linienzucht auf Farag), die im Jahr 2000 u.a. das Championat der „Classic Egyptian Show“ in Holland gewann.

Photo: Carola Toischel
Tamria II zeigt sich in ihrer bestechenden Schönheit
Die Stammstute im Gestüt „Al Zamet“ von Susanne Schreibvogel ist Abbas Pasha I-12. Die Verköperung des vielseitigen arabischen Pferdes: In ihrer Jugend war sie das Reitpferd ihrer Besitzerin und trug sie über unzählige Kilometer, danach legte sie eine internationale Schaukarriere hin und krönte ihre Laufbahn als erfolgreiche Mutterstute. Ihre Kinder finden sich in Saudi Arabien, Spanien, Kuwait und natürlich in Deutschland. Ihre erstgeborene Tochter Muniah (von Halim Shah I, der ebenfalls aus der Tamria-Linie stammt) war im Schauring ähnlich erfolgreich wie die Mutter und erhielt den Titel einer „Prämienstute“. Im Augenblick ist Muniah zusammen mit ihrem Sohn Al Aaqib Al Zamet (von Ashhal Al Rayyan) an das Gestüt Al Zobair Stud in Sharjah verpachtet.

Photo: Gigi Grasso
Abbas Pasha I-12 (Abbas Pasha I x 211 Zohair),
Stammstute des Gestüts Al Zamet
Neben Pharrah und ihrer Vollschwester 28 Farag wurde auch die Tamria-Tochter 214 Ibn Galal I (von Ibn Galal I) zu einem züchterischen Erfolg. Sie brachte die Hengste Halim Shah I (von Ansata Halim Shah), der 2001 in Israel wirkte und den nach Deutschland exportierten Teymur B (von Assad), der auf der Hengstschau mit Gold ausgezeichnet wurde und einige Championatssiege erringen konnte.

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214 Ibn Galal I (Ibn Galal I x Tamria) ist die Mutter von...

Photo: Chen Kedar
...Halim Shah I (von Ansata Halim Shah), der wiederum Vater
folgender Schausiegerinnen ist...

Photo: www.yegershira.com
...Al Amal (Halim Shah I x The Vision HG), gezogen und
im Besitz von Ariela Arabians in Israel...

Photo: www.ErwinEscher.com
...und Halim Shah I-1 (x 227 Ibn Galal I ), die mittlerweile im
Ajman-Gestüt/UAE ihr Zuhause hat
Wie so viele arabische Pferde, die aus der kargen Welt El Zahraas auf üppige Weiden trafen, erkrankte auch Tamria an Hufrehe. Man hielt sie in möglichst knapper Kondition, aber im Lauf der Zeit wurde die Erkrankung so schlimm, dass sie kaum noch stehen konnte. Als Judith Forbis sie zum ersten Mal sah, konnte sie schon nicht mehr alleine aufstehen. „Ihr fein gemeißeltes Gesicht war wunderschön“, schreibt sie in „Authentic Arabian Bloodstock II“. „Nur ihre großen schwarzen Augen ließen erahnen, welche Schmerzen sie so würdevoll ertrug.“ Tamria wurde 1984 erlöst.

Photo: Rik van Lent
Rihan (Aseel x Hakima) war erfolgreicher Beschäler
in Nayla Hayeks Hanaya-Gestüt in der Schweiz
Hakima (Fayek x Kamar) kam 1970 in El Zahraa zur Welt. Sie war eine der ganz wenigen Töchter des Hengstes Fayek (Nazeer x Fayza II), der wie sein Vater Nazeer seine frühen Jahre in einem der Hengstdepots der E.A.O. verbracht hatte und später in die USA exportiert wurde, wo er unter dem Namen „Ramses Fayek“ Karriere machte. 1969 war Martin Loeber - der Besitzer der amerikanischen „Plum Grove Farm“ – zum ersten Mal nach Ägypten gereist, um Pferde zu kaufen. Eines davon war die Stute Bint Ghazallah (Sid Abouhom x Ghazallah). Sie wurde noch in Ägypten von Fayek gedeckt, doch ihr Fohlen kam in den USA zur Welt - Ramses Nefertari. „Als ich sie sah, beschloß ich, ihren Vater ebenfalls zu kaufen“, sagte Martin Loeber. Während die Verhandlungen mit der E.A.O. liefen, wurde Fayek noch einigen Stuten in El Zahraa zugeführt; eines der resultierenden Fohlen war Hakima (x Kamar), die durch ihren charmanten Sohn Rihan (von Aseel) internationale Beachtung fand. Nayla Hayek importierte diesen kleinen aber überaus edlen Fuchshengst in die Schweiz, wo er sein Leben als geachteter Zuchthengst und geliebter Freund verbrachte.

Photo: Klaus Denart
Shadwan (Shaarawi x Kamar) hinterließ vor allem
exquisite Töchter...

Photo: Rik van Lent Jr.
...wie Kodwa (x Alifa), die zur Schweizer National-Championesse wurde
und im Besitz von Nayla Hayek stand
Die Hengste Shadwan (von Shaarawi) und Al Aneed (von Alaa El Din) waren die letzten Söhne der Kamar, die einige Beachtung fanden. Beide waren schöne Hengste, jeder auf seine Weise. Beide hatten herausragende Gänge und brachten einige wirklich schöne Nachkommen. Besonders Shadwan lieferte hübsche Töchter, von denen die von Willi Poth nach Frankreich exportierte Shadwan Bint Shagia und die von Nayla Hayek in die Schweiz eingeführte Kodwa (x Alifa) die bekanntesten sein dürften. Kodwa wurde Schweizer National-Championesse und gebar im Laufe ihres Lebens sechzehn Fohlen! Nayla Hayek paarte sie mehrmals mit dem bereits erwähnten Kamar-Enkel Rihan an. Unter anderem wurde der Hengst Hanaya Rafek geboren, der 1986 als Jährling das Junioren-Championt der Schweizer Nationalschau gewann. Später errang er etlliche Siege und Platzierungen in Reitklassen und bewährte sich auch als Vererber im Gestüt seiner Züchterin.
Shagia Bint Shadwan brachte von Alidaar Alidaar den klassisch schönen Fliegenschimmel Classic Shadwan, der seit Jahren Hauptbeschäler im Gestüt Rothenberg von Annette und Erwin Escher ist. Viele seiner Kinder haben Championate gewonnen und wurden in alle Welt exportiert. Für jeden Pferdeliebhaber, der ein Auge für Schönheit und Exotik hat, ist der Anblick Classic Shadwans ein Genuss. Nur alle Jubeljahre kommt ein Ausnahmehengst vorbei, der die Fantasie beflügelt und das Herz des Betrachters höher schlagen lässt. Classic Shadwan ist einer von ihnen.

Photo: www.ErwinEscher.com
Der berühmte Classic Shadwan (Alidaar x Shagia Bint Shadwan)
steht aud dem Gestüt Rothenberg
Im Lauf ihres Lebens gebar Kamar dreizehn Fohlen von neun verschiedenen Hengsten. Sieben Söhne und Töchter erlangten Bedeutung in der Zucht – mit Verlaub, das ist kein schlechter Schnitt. Kamar selbst, ihre Anmut und Ausstrahlung war für viele Züchter eine Inspiration. Selbst nach heutigem Standard gilt sie als Schönheit. Für mich gehört sie so unauslöschlich zu Ägypten wie die Pyramiden von Gizeh. Hoffen wir, dass ihr Erbe die Jahre genauso unbeschadet überdauern wird.

Photo: Dabrock
Kamars letzter Sohn Al Aneed (by Alaa El Din)
Kamars Nachkommen:
1957 Hagir (von El Sareei), Stute
1959 Ibn Kamar (von Mashhour), Hengst
1960 Moneer (von Anter), Hengst
1963 Saab (von Anter), Hengst, exportiert nach Großbritannien, später Spanien
1964 Wahag (von Anter), Hengst
1966 Kahramana (von Anter), Stute, exportiert in die USA
1967 Tamria (von Tuhotmos), Stute, exportiert nach Ungarn
1969 Asal (von Ibn Hafiza), Hengst
1970 Hakima (von Ramses Fayek), Stute
1972 Shadwan (von Shaarawi), Hengst
1973 Safwat (von Seef), Hengst
1974 Ghandi (von Seef), Hengst
1975 Al Aneed (von Alaa El Din), Hengst
This feature was brought to you in January 2007 by:
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