Photo: S. Vesty

D I E    K Ö N I G I N    A U S    D E R    T R A U M Z E I T *    A U S T R A L I E N S

10.11.1980 bis 08.01.2004

Von Carmel Rowley

Die Fuchsstute betrachtet ihr neugeborenes Fohlen. Sie leckt es trocken und stößt es ermunternd mit der Schnauze an. Das edle schwarze Stutfohlen liegt zu ihren Füßen. Es ist so dunkel, daß man es in dieser sternenlosen Nacht nicht sehen kann. Es blinzelt, es kämpft sich auf die Beine und wiehert seiner Mutter entgegen...
In den endlosen Weiten Australiens stehen diese Stute und ihr Fohlen auf einer einsamen Weide. Nur die majestätischen Gummibäume ragen in den Himmel, groß und schutzbietend. Als der Mond hinter den dichten Wolken hervortritt, werfen sie ihre silbernen Schatten auf die beiden dunklen Silhouetten. Nachdem das kleine Wesen seinen ersten Schluck getrunken hat, beginnt es mit hoch erhobenem Schweif und geblähten kleinen Nüstern um seine Mutter herumzuspringen - beleuchtet vom magischen Licht des Mondes.
Doch die Stute und ihr Fohlen sind nicht alleine: Die Dingos heulen den Mond an und die nächtlichen Besucher aus dem Busch sitzen in den Wipfeln der Gumminbäume und beobachten die zwei aus sicherer Entfernung. Opossums mit riesigen leuchtenden Augen starren in die Dunkelheit, und sogar die Känguruhs und Wallabies betrachten interessiert das Schauspiel, das ihnen das tanzende Stutfohlen bietet. Es ist würdig der großen Vorfahren, die sich in seinem Pedigree vereinen. Leicht wie eine Feder, kaum den Boden berührend, springt es über die Weide seines Heimatlandes - diesem großen, weit entfernten, sonnenverbrannten Land!

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*Die Ureinwohner Australiens bezeichnen mit "Traumzeit" jene Zeit, in der die Erde ihre jetzige Form annahm und der Kreislauf des Lebens begann.